Louisa Theresa Hutzler

FachbereichMusik- und Tanzwissenschaft
Hauptbetreuer/inNils Grosch
Nebenbetreuer/inUlrike Präger
BeginnWS 2020/21
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Thema der DissertationKulturelle Teilhabe in der musikalischen Praxis. Migration von Musiker*innen nach Deutschland/Europa
 

Abstract

Forschung zu Interaktionsprozessen zwischen Einwanderungs- und Aufnahmegesellschaften ist nicht nur die Grundlage für einen sachlichen Diskurs und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern auch mit Blick auf den vorherrschenden Populismus in Politik und Medien in Deutschland und Österreich von grundlegender Wichtigkeit. Musik ermöglicht bei der Betrachtung dieser Interaktionsprozesse einen ganz besonderen Zugang zu Zusammenhängen zwischen künstlerischer Interaktion und sozialen Strukturen, die sich beispielsweise in Formen von Partizipation, von Agency und Strukturen der Teilhabe ausdrücken. Erkenntnisse zur Rolle der Herkunft der Akteur*innen innerhalb solcher Strukturen lassen wichtige Rückschlüsse auf die transkulturelle Kommunikation im Rahmen der künstlerischen Arbeit der Ensembles zu. Bei der Forschung nach der Art und Weise, wie zugewanderten Musiker*innen im deutschsprachigen Raum kulturelle Teilhabe ermöglicht wird und welche Rolle musikalische Praxis dabei spielt, ist für das vorliegende Promotionsprojekt die Kommunikation zwischen Musiker*innen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund auf der einen und die Darstellung verschiedener Verständigungs- und Übersetzungsstrategien zwischen musikalischen Systemen auf der anderen Seite von besonderem Interesse. Inwiefern beeinflussen Sprache, musikalische Ausbildung, unterschiedliche Professionalitätsauffassungen und musikalische Sozialisation das musikalische Handeln innerhalb eines Ensembles? Das Promotionsprojekt fragt und beobachtet, wie in Prozessen der musikalischen Interaktion kulturelle Unterschiede und Eigenheiten konstruiert werden, welche Bedeutung sie bekommen und warum sie in diesem Kontext wichtig werden. Da die Art und Weise, wie Musiker*innen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund in der Musikszene der Aufnahmegesellschaft partizipieren in erheblichem Maße von Strukturen abhängt, die die verschiedenen Organisationen im Kulturbereich schaffen, um agency zu ermöglichen, beschäftigt sich ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeit mit Projekten, Netzwerken und Organisationen, die zugewanderten Musiker*innen den Einstieg in ein musikalisches Berufsleben in Deutschland beziehungsweise Europa ermöglichen wollen. In der Zusammenarbeit mit diesen Projekten werden konkrete Konzepte untersucht, die die Zusammenarbeit der Musiker*innen unterschiedlicher Herkunft und ihre aktive Teilhabe an künstlerischen und administrativen Entscheidungen ermöglichen. Es stellt sich in diesem Zusammenhang außerdem die Frage nach der diskursiven Einbettung und Begründung dieser Initiativen in der Öffentlichkeit. Wer bestimmt die Konzepte, wer verteilt die Rollen, bei wem liegen “Deutungshoheiten”? Zum methodischen Vorgehen gehören neben musikethnografischen und musikwissenschaftlichen Herangehensweisen wie teilnehmende Beobachtung und leitfadengestützten Interviews auch eine Netzwerkanalyse im Sinne der Akteur-Netzwerk-Theorie nach Bruno Latour.