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Political Literacy und Medienrezeption

im Kontext von Flucht und Asyl

"Mare Nostrum" by Massimo Sestini, 2014 (Verwendung unter Erlaubnis des Urhebers)

„Mare Nostrum“ by Massimo Sestini, 2014 (Verwendung der Abbildung unter Erlaubnis des Urhebers)

 

Projektleitung

Univ.-Prof. Dr. Wassilios Baros &  Prof. Dr. Maximilian Sailer (Univ. Passau)

Projektmitarbeiter*innen

Thomas Theurer MA, Ricarda Gugg MA (unter Mitarbeit von Carina Raml BA, Heidi Wimmer BA)

 

Zur Studie

Flucht und Asylpolitik nehmen in der aktuellen medialen Berichterstattung einen zentralen Stellenwert ein. Dabei ist davon auszugehen, dass die Art und Weise, wie globale Fluchtbewegungen und politische Reaktionen auf selbige in den Medien dargestellt werden, in einem Zusammenhang mit subjektiven Sinngebungsprozessen seitens der Rezipient*innen steht.  Aus Perspektive der (migrations-)politischen Bildungsforschung wirft sich die Frage auf, unter welchen Bedingungen der medialen Repräsentation politische Artikulationen evoziert werden, die im Sinne von political literacy Flucht als Spielart von Migration nicht als individuelles Schicksal deuten, sondern als Reaktion auf transnational wirkende politische und ökonomische Entwicklungen.

Methodik

Zu zwei Zeitpunkten (2015/2016) nahmen insgesamt 1.146 Studierende der Universitäten Augsburg und München an einer Online-Befragung teil. Über die Messung des Faktenwissens der Teilnehmer*innen rund um die Thematik Flucht und Asyl sowie die Erfassung ihrer sozialen Kompetenz und ihres Regelbewusstseins auf Basis zweier Skalen der revidierten Fassung des 16-Persönlichkeits-Faktoren-Tests hinaus, wurden die Befragten mit stimulusgestützten offenen Fragen zur freien Texteingabe konfroniert. Zunächst wurden alle Teilnehmer*innen mit der obigen Fotografie eines Flüchtlingsbootes auf hoher See konfrontiert und gebeten, ihre Eindrücke dazu niederzuschreiben. Daran anschließend wurde jede/r Teilnehmer*in per Randomisierung zur Lektüre einer von vier Variationen einer Pressemitteilung aufgefordert. Die unterschiedlichen Variationen beschäftigen sich allesamt mit politischen Reaktionen auf den geplanten Neubau von Flüchtlingsunterkünften in einer bayerischen Gemeinde, unterscheiden sich aber inhaltlich und semantisch. In Anlehnung an W. Kempfs Friedensjournalismus-Ansatz wurden die Versionen als ‚pro‘, ‚deeskalierend‘, ‚eskalierend‘ und ‚kontra‘ eingestuft. Aufgabe der Teilnehmer*innen war es, den Inhalt der jeweiligen Mitteilung wiederzugeben und sich selbst dazu zu positionieren.
Die quantitative Inhaltsanalyse mittels statistischer Item-Response-Modelle ermöglicht die Identifikation typischer Muster im Positionierungsverhalten zu unterschiedlichen medialen Repräsentationen von Flucht als exemplarische Momente des asylpolitischen Diskurses.

Projektpublikationen

  • Baros, W./Theurer, Th./Gugg, R. „Bisschen voll die Nussschale, könnten Flüchtlinge sein oder eine Bootsparty…“ Studentische Positionierungsmuster zur medialen Repräsentation von Flucht. In: Zeitschrift für Politische Psychologie (ZfPP) 2018, (eingereicht).
  • Baros, W./Theurer, Th./Gugg, R. Studentische Positionierungsmuster gegenüber der visuellen Darstellung von Flucht in den Medien. In: Braches-Chyrek, R./Kallenbach, T./Müller, Ch./Stahl, L. (Hrsg.): Bildungs- und Teilhabechancen geflüchteter Menschen. Kritische Diskussionen in der Sozialen Arbeit. Opladen: Barbara Budrich 2018 (in press).
  • Sailer, M./Baros, W./Theurer, Th. Studierende als RezipientInnen des aktuellen medialen Diskurses über Flüchtlinge und Asylpolitik – Ergebnisse einer Experimentalstudie. In: Manfred Oberlechner, Christine W. Trültzsch-Wijnen, Patrick Duval (Eds.). Migration bildet. Migration educates. Baden: NOMOS 2017, S. 337-356.