Fachtag im Winter 2019

Sozialpädagogik zwischen Hilfe, Kontrolle, Strafe und Zwang

Sozialpädagogik setzt auf lebensweltnahe Unterstützung und soziale Hilfe, wo Menschen mit ihren Herausforderungen im Alltag nicht mehr zurechtkommen. Betroffene sollen die Möglichkeiten erhalten, ihr Leben produktiv zu bewältigen, selbst zu beeinflussen und gemeinsam zu gestalten. Oftmals entsprechen diese Personen jedoch nicht den Normalitätsvorstellungen. Ihnen werden Störungen, Kriminalität oder Untragbarkeit zugeschrieben. Möglicherweise werden sie gar als unerreichbar für sozialpädagogische Hilfen gesehen.
Sozialpädagogik ist herausgefordert, im Spannungsfeld von Lebensweltorientierung einerseits und Sicherheits- sowie Normalitätsvorstellungen andererseits tätig zu sein. Sie wird dabei mit Erwartungen konfrontiert, abweichendem Verhalten mit Kontrolle, Strafe und Zwang zu begegnen. Worauf aber lässt sich eine Sozialpädagogik ein, wenn solche Phänomene das eigene Handeln mitbedingen? Was, wenn Kontrolle, Strafe und Zwang zu Gegenständen werden, die sozialpädagogisch bearbeitet werden sollen und müssen?

Mittwoch, 6.11.2019
Kontrollieren und Strafen als Programm!?
>Bernd Dollinger: Soziale Arbeit in der „Sicherheitsgesellschaft“
>David Klingbacher: Der Strafvollzug in Österreich. Stand und Herausforderungen

Mittwoch, 11.12. 2019
Zwang als Chance!?
>Julia Schröder: Über die (Un-)Möglichkeit, über Gewalt zu sprechen. Herausforderung in der Männerberatung
>Brigitte Bauer & Thomas Kraft: Erfahrungen und Perpektiven aus der Männerberatung

Mittwoch, 22.01.2020
Erziehung zwischen Hilfe und Zwang
>Nina A.-L. Oelkers: Freiheitsentzug in der Kinder- und Jugendhilfe- Ein Blick auf eine hochumstrittene Maßnahme


Fachtag im Winter 2019

„Der lange Schatten der Kinder- und Jugendhilfe: Zur Aufarbeitung der Fremdunterbringung im deutschsprachigen Raum“

Mit der vierten Ausgabe der „Sozialpädagogischen Blicke“ öffnete sich die Universität Salzburg im Winter wieder für aktuelle Themen und Debatten in Praxis, Fachpolitik und Forschung. Diesmal referierten Fachleute aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Die Veranstaltung war öffentlich und kostenlos.

Programm

Wer die Vergangenheit nicht kennt, läuft Gefahr, sie wiederholen zu müssen. Damit sich dies in sozialpädagogischen Hilfen nicht bewahrheitet, schaut unser FBarrierefreiheit: Kurzbeschreibung des Bildesachtag auf die schmerzhafte Geschichte von Gewalt und Unterdrückung in der Heimerziehung sowie deren Folgen.Der Blick zu den deutschsprachigen Nachbarn zeigt: bei aller Unterschiedlichkeit war der problematische Umgang mit Schutzbefohlenen in öffentlicher Verantwortung von ganz ähnlichen Mechanismen und Bildern geprägt. Das hat zu Diskriminierungen und Verletzungen geführt, die viele Betroffene bis heute spüren. Und dieses Erbe wirkt auch in den  Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe fort. Die Sozialpädagogik an der Universität Salzburg trägt hierzu neuere Forschungserkenntnisse zusammen. Ziel ist es, „Licht ins Dunkel“ zu bringen. Wir wollen Praxis, Fachpolitik, Forschung und Studierende dafür gewinnen, sich verstärkt mit der Geschichte und Gegenwart von  Fremdunterbringung in der Kinder- und Jugendhilfe auseinanderzusetzen. 

13:00 – 13:15 Uhr   Begrüßung
13.15 – 14.15 Uhr
Österreichs Heimskandale und deren (pädagogische) Bearbeitung (Josef Scheipl, Graz)
14.15 – 15.15 Uhr
Außer Spesen nichts gewesen? Ein kritisches Resümee von Praktiken und Resultaten der Aufarbeitung von Heimerziehung in Deutschland (Manfred Kappeler, Berlin)
15.15 – 15.45 Uhr   Kaffeepause
15.45 – 16.45 Uhr
Brüche, Kontinuitäten, Tonalitäten. Aspekte der Thematisierung fürsorgerischer Zwangsmaßnahmen in der Schweiz (Thomas Huonker, Zürich)
16.45 – 17.45 Uhr
Beratungspraxis an der Ombudstelle der Diözese Salzburg für Opfer körperlicher, psychischer und/oder sexueller Gewalt in Einrichtungen der katholischen Kirche (Karin Roth, Salzburg)
17.45 – 18.15 Uhr   Pause mit kleinem Imbiss
18.15 – 19.15 Uhr
Die erstickten Stimmen – eine Suche (Manfred May, Benshausen/Thüringen)
19.15 – 20.00 Uhr
Abschlussdiskussion


Veranstaltungsreihe im Herbst_Winter 2017/18

„Sozialpädagogische Blicke: Problematische Übergänge bei Jugendlichen“

Mit der dritten Ausgabe der „Sozialpädagogischen Blicken“ öffnete sich die Universität Salzburg im Herbst/Winter 2017/18 wieder für aktuelle Themen und Debatten in Praxis, Fachpolitik und Forschung. An jedem Themenabend referierten diesmal gleich zwei Gäste. Im Anschluss an Vorträge und Diskussion luden wir zum Smalltalk bei Getränken und Snacks im Foyer ein. PDF des Programms

  • Immer an einem Mittwoch
  • 17:30 bis 19:30 Uhr im Unipark Nonntal ( LINK zu Stadt:Salzburg maps)

  • Raum 1.006 (1. Stock)

Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des Bildes

Programm

Übergänge zwischen Lebensaltern und Institutionen bestimmen maßgeblich, wer oder was wir sein können. Der_die Einzelne muss heute Entscheidungen selbst verantworten und beeinflusst damit spätere Lebenschancen. Die Gesellschaft stellt zwar hierfür mehr Optionen zur Verfügung und lässt biographische Spielräume zu. Gleichzeitig existieren nach wie vor hohe Erwartungen, Übergänge „erfolgreich“ zu bewältigen – wie bspw. von der Schule über die Ausbildung in die Erwerbsarbeit. Dass Übergänge Barrierefreiheit: Kurzbeschreibung des Bildesheute für viele „ganz normal“ schwierig sind und zum Dreh- und Angelpunkt der weiteren Biographie werden, ist inzwischen anerkannt. 
Eine „Sozialpädagogik des Übergangs“ fordert, dass Professionelle dieses Übergangshandeln in den Blick nehmen sollen – bspw. im Rahmen von Erziehungs-, Bewältigungs- und Bildungsangeboten.Doch gerade dort, wo soziale und gesundheitsbezogene Hilfen für junge Menschen bereitgestellt werden, zeigt sich: wer schon Probleme hat, dessen Übergänge sind besonders problematisch.
Die öffentliche Veranstaltungsreihe  nimmt daher drei aktuelle Ausschnitte solcher problematischen Übergänge im Jugendalter in den Blick: Übergänge im Kontext von Kinder- und Jugendhilfe, Übergänge in Ausbildung und Arbeit sowie Übergänge bei psychischer Beeinträchtigung.

Abendthemen und Vorträge

Übergänge in Ausbildung und Arbeit [22. November 2017]

  •  Birgit Reißig (Deutsches Jugendinstitut – Außenstelle Halle): „Die soziale und berufliche Integration Jugendlicher: ein ganzheitlicher und mehrdimensionaler Blick auf Übergänge

  •  Barbara Glinsner (Wirtschaftsuniversität Wien): „Zwischen Street-Level Bureaucrats und SeelsorgerInnen: Die Dienstleistungsarbeit von BeraterInnen am Wiener AMS Jugendliche

Psychiatrie – und was dann? [29. November 2017]

  •  Thomas Lankmayer (Universität Linz, Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung): „Psychische Gesundheit und Arbeitsmarktintegration im Jugendalter
  •  Michael Tetzer (Fachhochschule Kärnten, Soziale Arbeit): „Ein sozialpädagogischer Blick auf die Übergänge zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie

Was kommt bloß nach der Jugendhilfe?  [10. Jänner 2018]

  •  Stephan Sting (Universität Klagenfurt, Sozial- und Integrationspädagogik): „Bildungswege von Care Leavern im Übergang in ein eigenverantwortliches Leben
  •  Hubert Löffler (Dachverband Österreichischer Kinder & Jugendhilfeeinrichtungen): „Welcome to Life! Eine Initiative zur Unterstützung und Selbstorganisation von Care Leavern in Österreich

Veranstalter und Ansprechpartner_innen

Fachbereich Erziehungswissenschaft
Ass.-Prof. Dr. Eberhard Raithelhuber
Univ.-Prof. Dr. habil Birgit Bütow