16.12.2008

Die Rolle der Wirtschaftspsychologie in der Finanzkrise

Ein aktuelles Praxisseminar mit Führungskräften stand am vergangenen Freitag auf dem Terminplan des Fachbereichs Psychologie. Die Experten diskutierten über Krisenfolgen und Gegenmaßnahmen in Salzburgs Wirtschaft.

Über Krisenfolgen und Gegenmaßnahmen in der Wirtschaft Salzburgs diskutierten DI Norbert Irnleitner, Personalleiter bei SONY DADC-Anif, Dr.Maximiliane H. Laserer, WKS-Geschäftsführerin Industrie, Bank und Versicherung, die Psychologen Univ.Prof.Dr.Eva Jonas, Ass.Prof.Dr.Alexander Keul und Dr.Alois Farthofer vom Fachbereich mit 30 Psychologie-Studierenden. Die Veranstaltung stellte schlaglichtartig Maßnahmen und Menschenbilder der Führungskräfte zur notwendigen Krisenprophylaxe den Positionen der Sozialwissenschaft gegenüber. Quintessenz des zweistündigen intensiven Gesprächs: Strategiepakete sind Einzelmaßnahmen überlegen. Die Krise erzeugt Druck, schafft aber auch neue Gelegenheiten.

Neben Qualifikation und Eigenverantwortung der Mitarbeiter sollten innerbetrieblich Gerechtigkeit und Gesundheit nicht zu kurz kommen. Personalchef DI Irnleitner, SONY, sprach sich neben Kostenoptimierung ausdrücklich dafür aus, gerade in Krisenzeiten Chancen, z.B. in Form von Investitionen, zu nützen. Nicht jede Maßnahme zur kurzfristigen Verbesserung der Kostensituation führe auch zu konkurrenzfähigen Produktivstundenkosten, einer bestimmenden Größe für Arbeitsplatzsicherheit. Der Personalchef betonte die Wichtigkeit, speziell in Krisenzeiten die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter hoch zu halten und setzt dabei auf ein Coaching durch die Führungskräfte kombiniert mit offener Informationsweitergabe, positivem Denken und Kreativität des Managements. Frau Prof.Jonas und Studierende brachten die Fragen Mitbestimmung und innerbetriebliche Gerechtigkeit ein.

Frau Dr.Laserer, Wirtschaftskammer, berichtete von heftigen Emotionen in betroffenen Firmen und meinte, es würde schwierig, die Arbeit aller Qualifikationsniveaus gleichmäßig zu sichern. Auf den Hinweis von DI Irnleitner, dass Burnout die subjektive erlebte Belastung widerspiegle, verwies die psychologischer Seite auf die Wichtigkeit der Selbstbestimmung, der Betrieblichen Gesundheitsförderung und auf Stressabbau durch wertschätzenden Umgang. Dr.Farthofer, Lektor am Fachbereich und Arbeitspsychologe bei „Human Factors“, meinte zu Ende der lebhaften Diskussion, dass ein interdisziplinärer Austausch zwischen Wirtschaftsprofis und Sozialwissenschaft gerade in Krisenzeiten lohne, weil der entstehende Druck dazu motiviere, Modelle betrieblicher Regulation und Erfolgssicherung offenzulegen und einer Diskussion von außen zugänglich zu machen. Die Studierenden erwiesen sich als zukünftige Wirtschaftspsychologen im Gespräch als ebenso interessiert wie schlagfertig.

Quelle: Universität Salzburg/Keul