18.02.2008

Jagdbesteck aufgetaucht

Das Jagdbesteck des Salzburger Erzbischofs Matthäus Lang von Wellenburg (1468-1540) wird am 8. März auf einer Auktion in Nijmegen (NL) versteigert

Matthaeus_Lang

Von den einzigartigen Sammlungsbeständen, die bis 1801 in den Kunstsammlungen der Fürsterzbischöfe von Salzburg verwahrt waren, und die heute in alle Welt verstreut sind, wird am 8. März 2008 ein wichtiges Stück bei einer Auktion in den Niederlanden veräußert. Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg war ein wichtiger Staatsmann und Kirchenfürst im Zeitalter der Reformation und der Bauernkriege, dessen Wirken die Grundlagen für den barocken Glanz der Stadt an der Salzach legte. Von seinen Kunstsammlungen, die er auf der Festung Hohensalzburg sicher verwahrte, haben sich nur einige wenige Stücke vor Ort erhalten. Der Kunsthistoriker Dr. Johannes Ramharter forscht im Rahmen des Projekts „Salzburger Residenz“ nach dem Bestand und Verbleib der Prunk- und Jagdwaffen der Fürsterzbischöfe von Salzburg. „Für mich ist es besonders interessant, dass ein so wichtiges Objekt auf dem Kunstmarkt aufgetaucht ist“, sagt Ramharter. Im Rahmen des Großprojektes zur Erforschung der Salzburger Residenz, bei dem sich Historiker und Kunsthistoriker der Universität Salzburg gemeinsam mit Wissenschaftern des Landes Salzburg der Rekonstruktion der fürsterzbischöflichen Residenzen und deren Sammlungen widmen, will es Ramharter an prominenter Stelle publizieren. 

Wie viele geistliche und weltliche Fürsten war Matthäus Lang auch ein passionierter Jäger. Sein mit 1534 datiertes Jagdgewehr, das bis zum Zweiten Weltkrieg in Salzburg aufbewahrt wurde, ist in den letzten Kriegstagen entwendet worden. Das Jagdbesteck ist mit 1515 datiert. Ein wichtiges Jahr für Matthäus Lang, da er wesentlich zum Vertrag über das Doppelverlöbnis der Enkelkinder Kaiser Maximilians beigetragen hatte. Dieser Vertrag wurde eine wesentliche Grundlage für die spätere österreichisch-ungarische Donaumonarchie. „Es ist daher durchaus denkbar, dass es sich bei dem Jagdbesteck um eine kostbare Anerkennung des Kaisers für die Tätigkeit seines Gesandten handelt“, betont Ramharter. Das Jagdbesteck wurde offenbar im 18. Jahrhundert an das Bistum Olmütz abgegeben, denn die barocke Hülle trägt das Wappen von Bischof Graf Ferdinand Julius von Troyer (1698/1746-1758).

Der humanistisch gebildete Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg wurde 1519 zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Als Förderer der schönen Künste erteilte er zahlreiche Aufträge und pflegte gute Kontakte zu den bedeutendsten Künstlern seiner Zeit. Ein bevorzugter Maler war der Augsburger Hans Burgkmair d.Ä. Albrecht Dürer schuf 1518 ein Portrait von ihm.

Kontakt:

Dr. Johannes Ramharter

Mobil: 0664- 8331688