08.01.2009

Allergieforscherin Fatima Ferreira zur Wissenschafterin des Jahres 2008 gekürt

Fatima Ferreira (49) ist gebürtige Brasilianerin und Leiterin des Christian-Doppler-Labors für Allergiediagnostik und -therapie an der Universität Salzburg. Sie wurde vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten als Wissenschafterin des Jahres 2008 ausgezeichnet. Damit wird vor allem ihr Bemühen gewürdigt, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Forschung zu heben.

Ferreira

„Einfach dazusitzen und zu warten“ liegt der Forscherin überhaupt nicht. Deshalb sucht sie immer wieder aktiv die Zusammenarbeit mit KollegInnen, aber auch den Kontakt zur Öffentlichkeit. „Man muss sich einbringen und integrieren – das gilt nicht nur in der Forschung, sondern auch für die Kultur“, betont die gebürtige Brasilianerin mit österreichischem Pass. So ist sie etwa auch Mitentwicklerin des prämierten Schulprojekts „Das Fliegende Immunologische Klassenzimmer“. Zusammen mit ihren Salzburger Kollegen hat sie damit Pioniergeist auch abseits des Labors bewiesen.

Seit 2003 pflegt sie damit aktive Wissenschaftskommunikation. Mitglieder der Forschungsgruppe besuchen dabei Schulklassen und führen mit den Kindern Experimente durch. „Heute erreichen wir damit etwa 10.000 Schüler pro Jahr“, so Ferreira. Das Konzept wurde 2006 mit dem Kommunikationspreis der europäischen Gesellschaft für Immunologie in Paris ausgezeichnet, es war der Hauptsieger des Wissenschaftskommunikationspreises des Wissenschaftsfonds FWF im Jahr 2007. Ferreiras Motivation für die Vermittlungsarbeit: „Wir wollen die Menschen persönlich treffen und erklären, wie wir forschen, was wir mit dem Steuergeld machen und wie normale Leute von unserer Arbeit profitieren“.

Die Förderung von Nachwuchsforschern, insbesondere Frauen, ist ein weiteres großes Anliegen der Wissenschafterin. Es sei ihre Verantwortung, sich als „Role Model“ zu zeigen. Vor 18 Jahren kam die Professorin vom Fachbereich Molekulare Biologie der Uni Salzburg nach Österreich. Etwa so lange forscht sie auch an Allergien. In Zusammenarbeit mit dem Wiener Biotechunternehmen Biomay und mit ihrem „wissenschaftlichen Guru“, dem Allergieforscher Dietrich Kraft von der Uni Wien, entwickelte Ferreira beispielsweise das weltweit erste rekombinante (künstlich hergestellte) Allergen, jenes der Birke. Als Gründungsdirektorin des 2006 an der Uni Salzburg eröffneten Christian-Doppler-Labors für Allergiediagnostik und -therapie hat sie sich auch weiterhin der Entwicklung und Produktion von standardisierten rekombinanten Allergenen zur Diagnose und zur Therapie gewidmet. So arbeitet Ferreira an künstlichen Impfstoffen, etwa gegen die Traubenkraut- sowie Beifußallergie. Fatima Ferreira, geboren am 16. Februar 1959 in Cachoeira de Goias (Brasilien), wurde gemeinsam mit ihren zwei Geschwistern allein von ihrer Mutter großgezogen. Sie studierte – mit Hilfe von Stipendien – Zahnmedizin und Biochemie in Brasilien und erhielt 1987 einen Doktortitel als Biochemikerin. Nach einer Forschungsassistenz ging sie 1988 als Post-Doc ans Department für Biochemie der Universität Toronto (Kanada). Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, einen Wiener Biochemiker, kennen. Gemeinsam übersiedelten sie 1990 nach Österreich, wo sie an der Universität Wien und an der Universität Salzburg arbeitete.