07.10.2009

DIES ACADEMICUS

Von besonders freundschaftlicher Atmosphäre war der Ehrentag für aufstrebende sowie etablierte Persönlichkeiten des wissenschaftlichen Lebens geprägt.

Gruppe_Dies_09

Foto v.l.n.r: Universitätsprofessor Dr. Dr. h.c. Christian Meier, Vizerektorin  Sonja Puntscher-Riekmann, Rektor Heinrich Schmidinger, Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller, Dekan Univ.-Prof. Dr. Werner Wolbert, Doktorin Magistra Anja Prexl, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Doktorin Magistra Judith Kainhofer, Universitätsprofessorin Fatima Ferreira-Briza und Bischof Dr. h.c. Erwin Kräutler 

Judith_Kainhofer2

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Dr. Mag. Judith Maria Kainhofer

Judith_Kainhofer2

Rektor Heinrich Schmidinger, Doktorin Judith Maria Kainhofer und Dekanin Silvia Hahn

Anja_Prexl2

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer mit Dr. Mag. Anja Prexl 

Anja_Pexl[

Rektor Heinrich Schmidinger, Doktorin Anja Prexl und Dekanin Silvia Hahn

Christian_Meier

Rektor Heinrich Schmidinger, Universitätsprofessor Dr. Dr. h.c. Christian Meier und Dekanin Silvia Hahn 

Erwin_Kraeutler

Dekan Werner Wolbert, Bischof Dr.h.c. Erwin Kräutler und Rektor Heinrich Schmidinger

Fatima_Ferreira

Rektor Heinrich Schmidinger und Universitätsprofessorin Fatima Ferreira-Briza

Alle Fotos: © Scheinast

Ein Feiertag für die Universität Salzburg ist der jährliche Dies Academicus, an dem herausragende wissenschaftliche Leistungen gewürdigt werden. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer sprach von einer „besonders freundschaftlichen und lockeren Atmosphäre“, die unter den 400 Festgästen in der Großen Universitätsaula zu erleben sei. Unter seinen Auspizien  wurden Magistra Anja Prexl und Magistra Judith Maria Kainhofer promoviert. „Sie haben all die Jahre ihrer Schul- und Studienzeit höchste Leistungskriterien erfüllt, dafür verdienen sie besondere Anerkennung“ so Dr. Heinz Fischer. Die Dekane stellten die neuen Habilitationen der vier Salzburger Fakultäten vor.

Universitätsprofessor Christian Meier und Bischof Erwin Kräutler wurde die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Für die Gratulation zu seinem Lebenswerk dankte der Befreiungstheologe mit dem Aufruf, „ nicht wegzuschauen und auch die Armen zu hören“. Vizerektor für Forschung, Albert Duschl, würdigte die Salzburger Universitätsprofessorin Fatima Ferreira-Briza aufgrund ihrer Auszeichnung als „Wissenschaftlerin des Jahres 2008“.

Promotionen sub auspiciis praesidentis 

Mag.a Anja Prexl

Frau Magistra Prexl schrieb ihre Dissertation über „Unternehmerische Nachhaltigkeitskommunikation als zukunftsorientiertes Aufgabenfeld der Public Relations. Normativer Theorieentwurf, Good Practice Beispiele und empirische Erhebung bei ausgewählten österreichischen Energieversorgern.“ Prexl widmet sich in ihrer Dissertation den dringenden Themen der sozialen Verantwortung und Nachhaltigkeit. Ihre Kernfrage lautet: „Wie integrieren Unternehmen die Themen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit und wie sollten sie das tun, um im Unternehmen und auch in der Gesellschaft einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung zu leisten?“ Gutachter Universitätsprofessor Benno Signitzer hebt hervor, dass die Arbeit „aus einem Guss“ erscheint mit zahlreichen Verknüpfungen der thematischen Hauptlinien und nützlichen Querverweisen.

Frau Magistra Prexl ist in Linz/OÖ geboren und aufgewachsen. Sie hat das Studium der Kommunikationswissenschaft und der gewählten Fächer an der Universität Salzburg in der Mindeststudienzeit absolviert. Ihr Doktoratsstudium der Philosophie schloss sie im Sommersemester 2009 ab. Sie ist seit 1999 als Journalistin und PR-Beraterin und seit 2005 in der universitären und außeruniversitären Lehre tätig. Seit 2006 ist Prexl fest angestellte Mitarbeiterin im ORF Landesstudio Oberösterreich.

Kontakt:

Mag.a Judith Maria Kainhofer 

Frau Magistra Kainhofer verfasste ihre Doktorarbeit zum Thema „Unambiguous argument identification and the distribution of weak object pronouns in the continental West Germanic languages“. Im Zentrum dieser Arbeit steht ein klassisches Problem der neueren Syntaxtheorie. Kainhofer stellt die grammatiktheoretische Frage, ob es für jede Sprache zutrifft, dass deren Satzstruktur eine obligatorische strukturelle Position exklusiv für das Subjekt vorsieht, oder ob dies nur für den Subtypus der Verb-Objekt Sprachen gilt. Gutachter Universitätsprofessor Hubert Haider verweist auf die hervorragende Kompetenz der Autorin sowohl in der empirischen Breite an vernetzten Fakten, als auch in theoretischer Hinsicht. Sie verlasse sich nicht auf die in der Literatur diskutierten Faktenbeurteilungen, sondern recherchiere Daten aus primären Quellen, so Haider.

Die gebürtige Salzburgerin (geboren in Abtenau) Judith Maria Kainhofer hat das Studium der Sprachwissenschaft und der Deutschen Philologie in der Mindeststudienzeit absolviert. Das Doktoratsstudium der Philosophie hat sie zu Beginn des Sommersemesters 2009 abgeschlossen. Während ihrer Studien erhielt sie den Würdigungspreis der damaligen Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Weiters wurden ihr ein DOC-Studium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und das Maria-Andeßner-Stipendium der Universität Salzburg zuerkannt. Seit 2001 ist sie in verschiedenen Forschungsprojekten und in der universitären und außeruniversitären Lehre tätig. Neben zahlreichen Kongressteilnahmen hat Kainhofer auch bereits mehrere Publikationen verfasst.

Kontakt:

Ehrendoktorate

Bischof Erwin Kräutler 

Aufgrund seiner Verdienste um eine Verbindung von Theologie und Praxis, seines Engagements für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Befreiungstheologie und der Verbundenheit mit Salzburg und seiner Alma Mater Paridiana wird an Bischof Erwin Kräutler das Ehrendoktorat der Theologie verliehen.

Erwin Kräutler wurde 1939 in Koblach (Vorarlberg) geboren und ist nach der Matura 1958 in die „Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut“ eingetreten. 1965 hat er an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Salzburg das Studium der Theologie und Philosophie absolviert. Im gleichen Jahr zum Priester geweiht, wurde er von seinem Orden als Missionar nach Brasilien entsandt.

Bischof Kräutler steht für einen entscheidenden Paradigmenwechsel der Theologie – für die erkenntnistheoretische und handlungstheoretische Perspektivenbildung im Fokus der Befreiungstheologie.

Seit 1980 ist er Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. Die Prälatur Xingu liegt am Unterlauf des Amazonas, umfasst 350.000 km² und zählt etwa eine halbe Million Einwohner, davon ca. 1% Indianer.

Von 1983 bis 1991 war Bischof Kräutler Vorsitzender des Indianermissionsrats der Brasilianischen Bischofskonferenz. Dort war ihm die rechtliche und politische Anerkennung der indigenen Völker ein zentrales Anliegen. 1988 gelang es ihm mit internationaler Unterstützung, vor allem auch aus Österreich, die Rechte dieser Völker in der neuen Verfassung zu verankern. 

Daher genießt Bischof Kräutler international hohes Ansehen. Sein Einsatz für Benachteiligte brachte ihn mehrmals in Lebensgefahr. So wurde er 1983 bei einer Solidaritätsaktion mit Zuckerrohrpflanzern von der Militärpolizei niedergeschlagen und verhaftet. 1987 wurde er bei einem inszenierten Autounfall schwer verletzt, ein Mitbruder kam dabei ums Leben. 

Universitätsprofessor Dr. Christian Meier 

Aufgrund seiner überragenden wissenschaftlichen Leistung und der engen Verbundenheit mit der Universität Salzburg wird Herrn Professor Meier das Ehrendoktorat der Philosophie verliehen. 

Professor Dr. Christian Meier ist emeritierter Universitätsprofessor für Alte Geschichte an der Universität München. Er wurde am 16. Februar 1929 in Stolp in Pommern geboren. Nach seinen Studien der Geschichte, Klassischen Philologie und des Römischen Rechtes erfolgte 1956 die Promotion zum Dr. phil. in Heidelberg und 1963 die Habilitation an der Universität Frankfurt/Main. Er wirkte an den Universitäten Basel, Köln und Bochum und wurde 1981 als Nachfolger von Siegfried Lauffer als Professor für Alte Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte nach München berufen.

Als Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands von 1980-88 und als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung von 1986-2002 gehört Meier zu jenen herausragenden deutschen Wissenschaftlern und akademischen Lehrern, die in zahllosen Stellungnahmen zum kulturellen und historischen Zeitgeschehen weit über die Grenzen ihres eigentlichen Faches hinaus einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind.

Meiers Schreibstil ist vor allem in den großen Monographien verständlich und die von ihm behandelten komplexen Themenbereiche sind auch für den Nichtfachmann nachvollziehbar. Stets hat Meier gegenwärtige Entwicklungen verfolgt und vor allem an die Geschichte des letzten Jahrhunderts die drängende Frage nach der Beziehung unserer heutigen Gesellschaften zu dem historischen Erbe Europas von drei Jahrtausenden gerichtet. Meier erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem wurde er vom österreichischen Bundespräsidenten mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst geehrt. 

Zu den Standardwerken für die Beschäftigung mit der europäischen politischen Ideengeschichte gehört „Die Entstehungsgeschichte des Politischen bei den Griechen“ (1980). Weitere bedeutende Werke sind „Die politische Kunst der griechischen Tragödie“ (1988) und „Politik und Anmut“ (2000). Das Buch über „Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte“ (1993) zählt wie „Res Publica Amissa“ und „Caesar“ zu seinen Meisterwerken. 

Habilitationen<

Dr. Monika Albrecht erhielt die Venia docendi für Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Der Titel ihrer Habilitation lautet: „Europa ist nicht die Welt. (Post)Kolonialismus in Literatur und Geschichte der westdeutschen Nachkriegszeit“.

Mag. Dr. Roland Lang erhielt die Venia docendi für Zellbiologie und verfasste eine Habilitationsschrift mit dem Titel „Actions of the Galanin Peptide Family in Cutaneous Biology“.

Ao.Univ.-Prof. Dr. Dietmar Jahnel erhielt die Venia docendi für Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Seine Habilitationsschrift lautet: „Grundfragen des Datenschutzrechts nach dem DSG 2000“.

Ao.Univ.-Prof. Dipl.Ing. Dr. Herbert Lettner erhielt die Venia docendi für Umweltphysik. Er schrieb seine Habilitation über „Verhalten radioaktiver Nuklide in der Umwelt – Behaviour of radioactive substances in the environment“.

Dr. Andreas Wehrmeyer erhielt die Venia docendi für Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Neuere Musikgeschichte. Seine Habilitationsschrift lautet: „Der Blick nach Westen: wie die russische Musik Weltgeltung erlangte – Studien zu Werk und Wirkung Sergey Taneevs (1856-1915).

Dr. Susanne Ring-Dimitriou erhielt die Venia docendi für  Sportwissenschaft: Bewegung und Gesundheit. Ihre Habilitation lautet:   „Physical Fitness and Metabolic Syndrome – Aspects of Exercise Intervention“. 

MMag.Dr. Christoph Urtz erhielt die Venia docendi für Steuerrecht unter besonderer Berück-sichtigung des Internationalen und Europäischen Steuerrechts. Der Titel seiner Arbeit lautet „Die Anwendungsvoraussetzungen der Gruppenbesteuerung“.

Wissenschafterin des Jahres 2008 

Im Rahmen des Dies Academicus wird der Vizerektor für Forschung Albert Duschl die Salzburger Universitätsprofessorin Fatima Ferreira-Briza aufgrund ihrer Auszeichnung als „Wissenschaftlerin des Jahres 2008“ würdigen.

Fatima Ferreira ist gebürtige Brasilianerin und Leiterin des Christian-Doppler-Labors für Allergiediagnostik und -therapie an der Universität Salzburg. Sie wurde vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten als Wissenschafterin des Jahres 2008 ausgezeichnet. Damit wurde vor allem ihr Bemühen gewürdigt, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Forschung zu heben.

Kontakt: