17.04.2009

Geringe Dosis Gamma-Strahlung reduziert Krebszellen

Der Biophysiker Helmut Schöllnberger vom Fachbereich Materialforschung und Physik der Universität Salzburg ist den jüngsten, auf den ersten Blick überraschenden Ergebnissen mittels biophysikalischer, mathematischer Modelle auf den Grund gegangen.

Geringe Dosen an Gamma-Strahlung können inZellkulturen die Zahl von Krebszellen reduzieren. Der BiophysikerHelmut Schöllnberger vom Fachbereich Materialforschung und Physik derUniversität Salzburg ist den jüngsten, auf den ersten Blicküberraschenden Ergebnissen mittels biophysikalischer, mathematischerModelle auf den Grund gegangen, wie sich die Strahlung derart positivauswirken kann. Die Arbeiten wurden vom Wissenschaftsfonds FWFunterstützt.Wissenschafter vermuten, dass die positiven Effekte derGamma-Strahlung jedenfalls zum Teil auf der Aktivierung vonReparaturmechanismen beruhen. Schöllnberger hat bei seinenBerechnungen unter anderem auf das Phänomen des programmiertenZelltods (Apoptose) konzentriert. „Tatsächlich lassen sich dieschützenden Wirkungen von geringen Strahlendosen durch sogenanntebystander-induzierte Apoptose erklären“, so der Biophysiker.

Unter Bystander-Effekt bezeichnen die Forscher den Einfluss vonbenachbarten Zellen. Im konkreten Fall induzieren umgebende, gesunde Zellen den programmierten Zelltod von Krebszellen und dieser Effektwird durch die schwache Gamma-Strahlung verstärkt.“Die schützenden Effekte zeigen sich bis zu Dosen von etwa 150Milli-Gray (mGy)“, so Schöllnberger. Zum Vergleich: Ein Zahnröntgenoder ein Transatlantikflug bedeutet eine Dosis von etwa 0,1 mGy. Diepositiven Effekte der Gamma-Strahlung können allerdings nicht aufandere Arten von ionisierender Strahlung umgelegt werden, betonte derExperte.Ebenfalls in Zellkultur-Experimenten konnte gezeigt werden, dasssich Alpha-Strahlung in kleinen Dosen sogar überproportional starknegativ auf Zellen auswirkt. Schöllnberger konnte in seinen Modellenals Ursache einen schädigenden Bystander-Effekt ausmachen.Der Physiker betonte, dass die Ergebnisse bisher nur fürZellkulturen gelten. Inwieweit sie auch auf Organismen oder gar denMenschen umlegbar sind, ist noch nicht klar.

Kontakt: Gründerservice der Wirtschaftskammer Salzburg: Mag. Peter Kober