19.02.2009

Internationale Tagung „Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten“ an der Uni Salzburg

Neueste Ergebnisse der Residenz-Forschung in Salzburg – Wie lebten die geistlichen Fürsten auf Höfen und Residenzen?

Vom 19. bis 22. Februar 2009 findet an der Uni Salzburg eine internationale Tagung zum Thema Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten statt. Dabei geht es um die wissenschaftlich-interdisziplinäre Aufarbeitung der Quellen zur Salzburger Residenz vom 16. Jahrhundert bis zur Säkularisation 1803. Erstmals kommen Details über das bischöfliche Leben und Sterben an der Salzburger Residenz ans Tageslicht.

Neben deutschen und österreichischen ReferentInnen nehmen WissenschafterInnen aus Paris, Colmar, Rom, Trient, Prag und Warschau am Symposion teil.Organisiert wird die Tagung von Gerhard Ammerer (Geschichte) und Ingonda Hannesschläger (Kunstgeschichte), beide Uni Salzburg, sowie von Jan Paul Niederkorn (Akademie der Wissenschaften Wien) und Wolfgang Wüst (Augsburg/Erlangen). Tagungsort ist die Salzburger Residenz, Landkartengalerie (Churfürststraße 1).

Das Tagungsprogramm bietet am 19. Februar 15.00–17.00 Uhr eine Führung durch die Salzburger Residenz (Treffpunkt: Haupteingang, Residenzplatz 1) an. Die Eröffnungsfeier mit Rektor Heinrich Schmidinger und Gemeinderätin Waltraud Hofmeister findet um 18 Uhr in der Max-Gandolph-Bibliothek statt. Das gesamte Programm finden Sie hier: Seit zweieinhalb Jahren arbeitet ein interdisziplinär zusammengesetztes Team an diesem Forschungsprojekt, das vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziell gefördert wird.

Die Tagung präsentiert erste Ergebnisse auf der Basis des aktuellen wissenschaftlichen Kanons und bringt einen Vergleich mit den Ergebnissen zu anderen europäischen Höfen.Die Höfe und Residenzen geistlicher Fürsten standen bis vor kurzem keineswegs im Fokus interdisziplinärer Forschungen und prägten trotz des politisch „weichen“ Status als Wahlstaaten die politische, kulturelle und ökonomische Landkarte Mitteleuropas. Die erfolgreich inszenierte geistliche Macht und die in Verbindung damit stehenden eindrucksvollen Bauprogramme sind nicht überall und nicht zur gleichen Zeit zu konstatieren wie in Salzburg.

Deshalb wird gerade der Blick auf die gefährdeten Höfe geistlicher Fürsten in Norddeutschland nach der Reformation und auf die Peripherie des reichskirchlichen Netzwerkes in Osteuropa Erkenntnis fördernd sein. Die Tagung stellt die Salzburger Residenz hinsichtlich unterschiedlicher Gesichtspunkte anderen Höfen wie Regensburg, Paderborn, den Wettinischen Kirchenfürsten und den Schönbornhöfen, weiters Olmütz, Nordeuropa, Ungarn, Brixen und Trient sowie Rom gegenüber. Ein Beitrag dazu liefert die Diplomarbeit der Projektmitarbeiterin Katharina Karin Mühlbacher zum Thema: „… damitt meiner Stifft vndt mier von den ganzen Hoffgesindt … ordentlich gedient werdt“ – Hof und Hofstaat im Erzstift Salzburg unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587—1611/12). Darin wurde auf der Basis von tausenden Einzelangaben einerseits die zahlenmäßige Entwicklung der Zentralbeamten und Hofbediensteten – eine klare Trennung ist zumeist nicht möglich – dargestellt, andererseits die Zunahme der Personalkosten errechnet. Dabei zeigte sich, dass der Hofstaat des absolutistischen Barockfürsten Wolf Dietrich, anders wie ursprünglich vermutet, in einem relativ bescheidenen Rahmen blieb.

Die Salzburger Residenz ist von ihrer personellen Ausstattung her unter die mittelgroßen Höfe Europas einzuordnen und etwa mit dem Hof der habsburgischen Sekundogenitur in Innsbruck zu vergleichen, keineswegs jedoch mit Residenzen in einer Größenordnung etwa von München. Ein weitererTeilbereich des Projektes befasst sich mit dem Sterben in der Salzburger Residenz, behandelt Tod und Begräbnis der Salzburger Barockfürsten. Die Salzburger Fürsterzbischöfe geleitete ein nach allen Regeln des Hofzeremoniells effektvoll in Szene gesetztes Ritual vom Diesseits ins Jenseits. Gaben die Ärzte den Kampf um das Leben des Fürsten verloren, begann das Ringen der Beichtväter um die Seele: Nur nach Beichte, Buße und öffentlicher Abbitte wurden die Sterbesakramente gereicht. Setzte der letzte Todeskampf ein, läutete man in der Stadt mit dem „Zügenglöcklein“ und das Volk fiel auf die Knie, um für den Landesvater zu beten.