12.03.2010

MARIE ANDESSNER-STIPENDIEN 2010 FÜR AUSGEZEICHNETE NACHWUCHSWISSENSCHAFTERINNE

Bereits zum sechsten Mal verlieh Rektor Heinrich Schmidinger Stipendien und Preise an begabte und hoch qualifizierte Nachwuchswissenschafterinnen der Universität Salzburg

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Foto: © PLUS

Foto v.l.n.r.: Mag. Ingrid Schmutzhart, Prof. Helga Embacher, Mag. Anneliese Hartl, Prof. Anja Tippner (hinten), Prof. Ulrike Berninger (hinten), MMag. Eveline Melching, Mag. Sandra Wimmer (hinten), Mag. Astrid Handlechner, Mag. Verena Dullnig, Mag. Romana Limberger, Mag. Tatjana Tupy.

In diesem Jahr erhielten die Biologinnen Verena Dullnig und Romana Limberger, die Politikwissenschafterin Tatjana Tupy sowie die Sprachwissenschaftlerin Sandra Wimmer die begehrten Dissertationsstipendien. Die Biologin Astrid Handlechner und die beiden Psychologinnen Anneliese Hartl und Eveline Melching wurden mit Preisen für ihre Diplomarbeiten gewürdigt.

Benannt sind die Würdigungen nach der Salzburgerin, Marie Andeßner, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Reiseschriftstellerin alle fünf Kontinente bereiste und ihre Erfahrungen in Salzburger Medien publizierte. Mit den Stipendien und Preisen werden finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen, die es den Wissenschafterinnen ermöglichen, sich ganz auf ihre Forschungsarbeit zu konzentrieren.

„Das Besondere am Marie Andeßner Förderprogramm ist, dass es an so vielen Qualifikationsebenen ansetzt und Wissenschafterinnen immer wieder bestärkt, ihre Karriere in Forschung und Wissenschaft voranzutreiben “, so Rektor Heinrich Schmidinger.

Die Marie Andeßner Stipendien sind Teil eines vielfältigen Förderprogramms für Frauen an der Universität Salzburg. Die von „gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung“ entwickelten Angebote reichen von der Vergabe der Marie Andeßner Stipendien und Preise, Workshops für Studentinnen bis zu einem Lehrgang für Dissertantinnen und einer Workshopreihe für Habilitandinnen.

Marie Andeßner Dissertationsstipendien:

Mag. Verena Dullnig 

Seit April 2009 arbeitet Frau Dullnig unter Betreuung von Univ.-Prof. Dr. Christian Huber in der Abteilung Chemie und Bioanalytik an ihrer Dissertation.  Sie forscht an einer Methode, um Proteine, die Hinweise auf das Auftreten von Herzerkrankungen geben, rasch und direkt aus Blutproben analysieren zu können. Dabei verwendet sie vor allem zwei Techniken: zum einen die Chromatographie, mit deren Hilfe die Moleküle einer biologischen Probe getrennt werden, um sie dann einzeln nachweisen und bestimmen zu können. Zum anderen die Massenspektrometrie, wodurch nach vorhergegangener Separation die Masse der einzelnen Moleküle bestimmt wird und somit Rückschlüsse auf die Art des Moleküls und eventuell vorhandene Modifikationen gezogen werden können. Des Weiteren plant Frau Dullnig während ihrer Dissertation mit den angeführten Techniken oxidierte und nitrierte Proteine zu charakterisieren. Diese nicht-enzymatischen Modifikationen haben große Bedeutung in unterschiedlichen klinischen Bereichen wie der Tumor- oder Allergieforschung.

Verena Dullnig, Jahrgang 1984, studierte Biologie an der Universität Salzburg und beendete ihr Masterstudium im März 2009 mit ausgezeichnetem Erfolg.

Mag. Romana Limberger

Die Biologin Romana Limberger erforscht in ihrer Doktorarbeit Mechanismen, die die Artenvielfalt von Gemeinschaften, die sogenannte Biodiversität, erhöhen. Da der Mensch durch Eingriffe in die Natur einen hohen Verlust von Arten verursacht, handelt es sich dabei um ein äußerst aktuelles Thema der Ökologie. Durch landwirtschaftliche Nutzung werden Lebensräume verändert und in kleine Fragmente zerteilt. Das wirkt sich negativ auf die Biodiversität aus. Limberger untersucht nun – anhand von Experimenten mit Wimperntierchen – die Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Diese mikroskopisch kleinen, einzelligen Tiere eignen sich hervorragend als Modellorganismen. Die Ergebnisse der Experimente können daher auch auf andere Lebewesen angewendet werden.

Die ersten drei Jahre dieser Arbeit wurden vom Wissenschaftsfonds (FWF) finanziert, das vierte und letzte Jahr wird nun durch ein Marie-Andeßner-Dissertationsstipendium der Universität Salzburg gefördert.

Mag. Tatjana Tupy

Das kontrovers diskutierte Thema der politischen Förderung erneuerbarer Energien steht im Zentrum des Dissertationsprojektes der Politikwissenschafterin Tatjana Tupy zu „Veränderungen politischer Konflikte in aufstrebenden Photovoltaik-Märkten am Beispiel der EEG-Novellen 2004 und 2009 in Deutschland“. Inwiefern verändern sich die Konflikte im Bereich der Marktschaffungspolitik für die Photovoltaik in Deutschland im Laufe der Zeit, vor allem im Hinblick auf die Novellen des für die Förderung zentralen Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2004 und 2009? Ziel ist es, die Diskurse der verschiedenen involvierten AkteurInnen zu identifizieren, sowie deren Problemverständnis und Interessen aufzuzeigen, die die Auseinandersetzungen hervorrufen und prägen. Dadurch sollen einerseits die Auswirkungen der Konflikte auf die konkrete Ausgestaltung der deutschen Marktschaffungspolitik für die Photovoltaik veranschaulicht, andererseits Einschätzungen zu zukünftigen Entwicklungen sowie Argumente und Strategien für den erfolgreichen Aufbau eines nachhaltigen Energiesystems herausgearbeitet werden.

Tatjana Tupy hat in Wien und Aix-en-Provence Politikwissenschaft studiert. Seit 2006 arbeitete sie für ein Berliner Beratungsunternehmen im Bereich erneuerbare Energien.

Mag. Sandra Wimmer

Mag. Sandra Wimmer widmet sich in ihrem Dissertationsprojekt dem Thema „Sentence Processing in Individuals with Alzheimer’s Disease and Mild Cognitive Impairment: An EEG Study.“ In Kooperation mit der Univ.-Klinik für Neurologie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg, soll das Projekt Aufschluss über die semantische und morphosyntaktische Verarbeitung bei Alzheimer Patienten geben. Angesichts der zunehmenden Lebenserwartung und der steigenden Inzidenzrate der an Demenz erkrankten Personen nimmt das Projekt einen bedeutsamen, zukunftsorientierten Stellenwert ein. 

Mag. Sandra Wimmer hat in der Zeit von 2003 bis 2007 am Fachbereich Linguistik in Salzburg angewandte Sprachwissenschaft mit dem Schwerpunkt „Psycholinguistik und Sprachpathologie“ studiert. 

Praktische Erfahrung sammelte sie während ihrer einjährigen klinisch-linguistischen Tätigkeit an der Univ.-Klinik für Geriatrie, Christian-Doppler-Klinik, Salzburg, sowie während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im St. Anna, Diakoniewerk Salzburg, und kam so erstmals näher in Berührung mit den Kommunikationsproblemen von und mit Alzheimer Patienten.

Mag. Astrid Handlechner

Frau Mag. Handlechner widmete sich in ihrer Diplomarbeit mit dem Titel „Acetaldehyde Action on BK Channels in Pituitary (GH3) Cells“  der Wirkung von Azetaldehyd, dem ersten Abbauprodukt von Alkohol, auf Ionenkanäle. Mittels elektrophysiologischer Methoden untersuchte sie die Wechselwirkungen von Alkohol und Azetaldehyd auf die Einzelkanalaktivität von BK-Kanälen (Maxi Kalzium-aktivierte Kaliumkanäle). Dabei konnte sie zeigen, daß Azetaldehyd die stimulierende Wirkung von Alkohol auf diese Kanäle reduziert. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit, die in der Abteilung für Tierphysiologie unter der Leitung von Prof. Anton Hermann und Prof. Thomas Weiger ausgeführt wurde, präsentierte sie bereits erfolgreich im Rahmen zweier internationaler Kongresse zur Alkoholforschung in Washington D.C. und Helsinki.

Mag. Anneliese Hartl

Die am Fachbereich Psychologie verfasste Abschlussarbeit von Frau Mag. Anneliese Hartl (Titel: „Organisationaler Wandel und Extra-Rollenverhalten: Psychologische Antezedenzen von Organizational Citizenship Behavior und deviantem Verhalten im Kontext organisationaler Veränderungsprozesse“) setzt sich mit psychologischen Aspekten von betrieblichen Veränderungen in Unternehmen auseinander. In ihrer Studie beleuchtet sie den Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit am Arbeitsplatz und dem Arbeitsverhalten von Berufstätigen und untersucht dabei unter anderem die vermittelnde Rolle von Zynismus. Die Psychologin konkludiert aus den Studienergebnissen von 290 befragten Arbeitnehmer/innen, dass es für Organisationen insbesondere in Zeiten stetigen Wandels enorm wichtig ist, faire organisationale Strukturen und Prozesse zu schaffen.

MMag. Eveline Melching

Die zentrale Fragestellung der Diplomarbeit „Genderstereotype und Personalauswahl – Bewerbungen von KandidatInnen mit versus ohne Kinder“ von Frau MMag. Eveline Melching ist, ob es bei Bewerbungen einen Unterschied macht, ob KandidatInnen Kinder oder keine Kinder im Lebenslauf aufweisen und ob es dabei Geschlechterunterschiede gibt. Österreichweit sind 94 PersonalberaterInnen anhand einer einheitlichen Stellenbeschreibung und eines uniformen Lebenslaufes von einer Bewerberin mit oder ohne Kinder bzw. eines Bewerbers mit oder ohne Kinder mittels eines standardisierten Online-Fragebogens über die berufliche Eignung dieser Bewerberin bzw. dieses Bewerbers befragt worden. Die Befunde und Erkenntnisse hierzu sind in prominente Theorien der Sozialpsychologie eingeordnet worden.

Die Ergebnisse zeigen, dass PersonalberaterInnen deutlich zwischen Vätern und Müttern unterschieden. Dies zeigt sich vor allem hinsichtlich des eingeschätzten Commitments, denn PersonalberaterInnen gehen davon aus, dass sich Mütter weniger mit ihrer Arbeitsstelle verbunden fühlen als Väter. Kinderlose Frauen erzielten noch das höchste Commitment (sogar im Vergleich zu den Männern).

Darüber hinaus zeigte sich auch, dass PersonalberaterInnen Vätern ein höheres Einstiegsgehalt zugestehen würden als Müttern.

Frau Eveline Melching hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Politikwissenschaft studiert, ist Psychologin, Übersetzerin für die niederländische Sprache und derzeit in Ausbildung zur klinischen Psychologin und Gesundheitspsychologin.

Information:

Mag.a Ingrid Schmutzhart

gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung

Tel. 0662/8044-2520    

www.uni-salzburg.at/gendup