07.06.2010

STEFAN-ZWEIG-POETIKVORLESUNG

JURI ANDRUCHOWYTSCH: GEOPOETISCHE ZONEN EUROPAS. 9. BIS 17. JUNI 2010

Der bedeutendste ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch ist nach dem bosnischen Schriftsteller Dzevad Karahasan der zweite Dozent der neuen Stefan-Zweig-Poetikvorlesung, die an der Universität Salzburg eingerichtet wurde.

Er wird in diesem Jahr seine Poetik präsentieren, in der die europäische Idee und die Vermittlung zwischen den Kulturen zentrale Aspekte sind.

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Foto: © Privat

Die Teilnahme an den Vorlesungen und Abendveranstaltungen ist für alle Interessierten öffentlich zugänglich und setzt sich aus Vorträgen, Lesungen und Diskussionen zusammen.

Vorlesungstermine  GEOPOETISCHE ZONEN EUROPAS

Donnerstag, 10. Juni: Wo befindet sich Mittelosteuropa und was kann es sein?

Montag, 14. Juni: Balkano-Karpatien und seine magischen Orte

Mittwoch, 16. Juni: Von Lemberg nach Venedig: Die geheimnisvolle Reise Stanislaus Perfeckis.  

Zeit: jeweils von 17 – 19 Uhr

Ort: Bibliotheksaula, Hofstallgasse 2-4

Abendveranstaltungen

Mittwoch, 9. Juni, 20 Uhr, Europasaal, Edmundsburg Mönchsberg 2

Juri Andruchowytsch: Lesung

Dienstag, 15. Juni, 20 Uhr, Europasaal, Edmundsburg, Mönchsberg 2

Podiumsdiskussion: Geopoetische Zonen Europas

mit Juri Andruchowytsch, Fedia Filkova, Martin Pollack, Katharina Raabe, Moderation: Cornelius Hell

In der Diskussion werden die  historischen und gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen in den Ländern Mittelosteuropas erörtert. Welche Rolle spielt die Literatur, wie sieht die poetische Landkarte aus und wie unterscheidet sie sich von nationalstaatlichen Grenzen? 

Informationen

JURI ANDRUCHOWYTSCH: LEBEN UND WERK

„Ein bißchen Sisyphos, ein bißchen Sacher-Masoch“, lautet die Selbstbeschreibung des ukrainischen Schriftstellers im Jahr 2007. Die „orange Revolution“ liegt weit zurück, fast alle Hoffnungen sind begraben, „fangen wir wieder von vorn an…“. Während einige Staaten Mittelosteuropas Mitglieder der EU geworden sind, benötigen Menschen aus der Ukraine ein Visum, um in die EU einzureisen.  

Fasziniert von der Ungleichzeitigkeit von Kommerzialisierung, Folklore, Resowjetisierung und Habsburg-Nostalgie reist Karl-Joseph Zumbrunnen, österreichischer Fotograf mit galizischen Wurzeln in seinem Roman „Zwölf Ringe“ in den neunziger Jahren mehrmals durch die Ukraine. „Andruchowytsch hat es aufs Paradox angelegt: auf die Verbindung von Katastrophe und Karneval, von Poesie und schwarzem Humor, von Phantastik und Sozialkritik“. (Ilma Rakusa, NZZ)

In seinem jüngsten Roman „Geheimnis“ sprechen sieben Tage lang Egon Alt und Juri Andruchowytsch in Berlin über sein Leben als Schriftsteller und die Zeit, in der er lebt – selten greifen Privates und Politisches so eng ineinander wie in diesem ironischen Porträt eines Autors, der sich selbst nicht über den Weg traut.

Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk /Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte in Lemberg und Moskau und lebt nach Aufenthalten in Westeuropa und den USA heute wieder in Iwano-Frankiwsk. Er debütierte als Lyriker, publizierte Essays und zahlreiche Artikel zu aktuellen Themen, 2006 wurde er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

Werke (Auswahl)

* Das letzte Territorium. Essays. Ü: Alois Woldan (Suhrkamp 2003)

* J. Andruchowytsch/ A. Stasiuk: Mein Europa. Zwei Essays. Ü: Sofia Onufriv/Martin Pollack

   (Suhrkamp 2004)

* Zwölf Ringe. Roman. Ü: Sabine Stöhr (Suhrkamp 2005)

* Moscovadia. Roman. Ü: Sabine Stöhr  (Suhrkamp 2006)

* Engel und Dämonen der Peripherie. Essays.  Ü: Sabine Stöhr (Suhrkamp 2007)

* Geheimnis. Roman. Ü: Sabine Stöhr (Suhrkamp 2008)

Teilnehmer an der Podiumsdiskussion:

Fedia Filkova, geboren 1950 in Jablanitza, lebt heute in Sofia, ist eine wichtige Übersetzerin deutschsprachiger Literatur (Aichinger, Bachmann, Broch, Musil u.a.), derzeit Stipendiatin am Stefan-Zweig-Centre Salzburg, zuletzt erschien „Kosmos Österreich: unsichtbare Bande Eros“ (Wien 2007). 

Cornelius Hell, geboren 1956 in Salzburg, lebt als Literaturkritiker, Essayist und Übersetzer aus dem Litauischen in Wien, zuletzt erschienen „Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Erwachendes Vilnius“ (Picus, 2009) und „Europa erlesen: Vilnius“ (Wieser, 2009). 

Martin Pollack, geboren 1944 in Bad Hall, lebt als Schriftsteller und Übersetzer aus dem Polnischen (u.a. Richard Kapuscinski) im Südburgenland, zuletzt erschien sein Band mit literarischen Reportagen „Warum wurden die Stanislaws erschossen?“ (Zsolnay, 2008)

Katharina Raabe, geboren 1957 in Hamburg, Studium der Musik, Musikwissenschaft und Philosophie in Hannover und Berlin, Lektorin für osteuropäische Literaturen im Suhrkamp Verlag, zuletzt erschien der von ihr gemeinsam mit Monika Sznaiderman hg. Band „Odessa Transfer (2009).

Büchertisch: Rupertus Buchhandlung

Eintritt frei

Veranstalter

Universität Salzburg Fachbereich Germanistik, Stefan Zweig Centre, Internationale Stefan-Zweig Gesellschaft, Salzburger Literaturforum Leselampe, Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst

Kontakt für Interviews und Informationen:

Fachbereich Germanistik, Universität Salzburg, Akademiestraße 20

Dr. Christa Gürtler,   Mobil: 0664 – 130 36 18

Univ. Prof. Dr. Karl Müller: