06.09.2011

Ein Perpetuum Mobile der Elektrizität

Physik-Nobelpreisträger Prof. Johannes Bednorz zu Gast bei wissenschaftlicher Tagung in Salzburg. Öffentlicher Vortrag am21. September 2011 um 20.15 Uhr im Audimax der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg.

Johannes_Bednorz[17564][1]

Foto: Prof. Johannes Bednorz | © Westfälische Wilhelmsuniversität Münster

Moderne Magnetschwebebahnen, hocheffiziente Stromleitungen, das Messen von Gehirn- oder Herzströmen in der Medizin oder energiesparende Verfahren bei der Metallherstellung – das Potential sogenannter Hochtemperatursupraleiter, für deren Entdeckung die Wissenschaftler Prof. Johannes Georg Bednorz und Prof. Karl Alexander Müller im Jahr 1987 den Nobelpreis für Physik erhielten, ist enorm. Aktuelle und zukünftige Einsatzmöglichkeiten der Technologie werden im Mittelpunkt des Vortrages von Professor Bednorz stehen, den er im Rahmen der Gemeinsamen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Kristallographie (DGK), der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) und der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft (ÖMG) halten wird. Zur Tagung an der Universität Salzburg (20.-24. September 2011) werden circa 600 Chemiker, Physiker, Biologen und Materialwissenschaftler erwartet. Der Titel seines Vortrags „Hochtemperatursupraleiter – nach einem Viertel Jahrhundert – Startklar“ ist richtungsweisend: die Forschung hat in den letzten Jahren begonnen, die Technik aus den Lehrbüchern in die Anwendung zu überführen.

Hinter dem Begriff Hochtemperatursupraleiter verbergen sich Materialien auf keramischer Basis, die Strom ohne messbaren Widerstand, also ohne unbeabsichtigten Energieverlust, leiten – gleich einem Perpetuum Mobile der Elektrizität. Außerdem können Magnetfelder nicht in ihr Inneres eindringen. Einziger Haken: Dies gelingt nur bei extrem niedrigen Temperaturen. Deshalb liegt die Herausforderung für die Wissenschaft darin, Supraleiter zu entwickeln, die bei möglichst hoher Temperatur funktionieren. Lag die Anwendungstemperatur der Hochtemperatursupraleiter bei deren Entdeckung durch Prof. Bednorz und Prof. Müller noch bei circa minus 238 Grad Celsius, ist die Forschung inzwischen so weit, das Supraleiter schon bei minus 138 Grad Celsius funktionieren und somit z.B. durch flüssigen Stickstoff gekühlt einsetzbar sind. „Bei den zur Zeit in der Materialforschung auf dem Gebiet der Supraleitung durchgeführten Forschungsaktivitäten sind in absehbarer Zukunft noch höhere Temperaturen zu erwarten, bei denen die Supraleitung einsetzt, und somit ergeben sich neue Anwendungen sowie Kostenersparnisse“, so der Leiter der Tagung Univ.-Prof. Dr. Georg Amthauer vom Fachbereich Materialforschung und Physik der Universität Salzburg.

Über diese modernsten Entwicklungen informiert im Rahmen der Gemeinschaftstagung der öffentliche Vortrag von Professor Bednorz am Mittwoch, dem 21. September 2011 um 20.15 Uhr im Audimax der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg, zu dem Pressevertreter und interessierte Bürger herzlichst eingeladen sind. Auch zur weiteren Teilnahme am weiteren Tagungsprogramm sind Presse, Rundfunk und Fernsehen herzlich willkommen. Interviews mit Prof. Amthauer und anderen Fachvertretern sind auf Anfrage möglich. Weitere Informationen zum wissenschaftlichen Tagungsprogramm und zum organisatorischen Ablauf finden Sie auf der Kongresshomepage www.salzburg2011.org.

Darüber hinaus werden sich die Wissenschaftler in Salzburg in den Plenarvorträgen und den verschiedenen wissenschaftlichen Sitzungen mit den neuesten Entwicklungen bei der Herstellung von High-Tech-Materialien und den dafür benötigten Rohstoffen (Stichwort Seltene Erden), sowie mit aktuellen Forschungsergebnissen zu den Themen Funktionsmaterialien (Photovoltaik, Nanomaterialien, Energiespeicherung, magnetische Speichermaterialien etc.), Proteinkristallographie und Arzneimittelentwicklung (Drug Design), Materie unter hohem Druck und hohen Temperaturen, Kristalloberflächen, Umweltgeochemie und Gesteinsbildung beschäftigen.

Durch diese Vielfältigkeit der Themen wird einmal mehr die einzigartige Stellung der Kristallographie und Mineralogie zwischen Physik, Chemie, Biologie, Materialwissenschaften und Geowissenschaften bestätigt.

Hintergrund:

Die Kristallographie ist die Wissenschaft von den Kristallen. Obwohl mit dem Begriff Kristallographie nur wenige Laien etwas anfangen können, beeinflussen die Erkenntnisse dieser zwischen der Physik, der Chemie, der Biologie und der Materialwissenschaft angesiedelten Wissenschaft viele Bereiche unseres Lebens. Kristallographen werfen mit Hilfe von Röntgenstrahlen oder Technologien wie dem Elektronenmikroskop einen Blick ins Innere von Materialien oder biologischem Gewebe. In Größenordnungen von einem Milliardstel (10-9 m) eines Meters untersuchen sie die Anordnung von Atomen oder Molekülen und klären damit die Struktur, die Eigenschaften und die Anwendungsmöglichkeiten bestimmter Stoffe auf. Auf diesem Weg tragen sie zur Entwicklung neuer Materialien für Industrie und Forschung oder neuer Medikamente bei.

Die Mineralogie ist die Wissenschaft von der Entstehung, der Eigenschaften und der Verwendung von natürlichen und synthetischen Mineralen. Mineralogen beschäftigen sich mit einer Vielzahl von Wissensgebieten, die sich von der Bildung der ersten Minerale bei der Entstehung unseres Planetensystems über die Simulation von Prozessen im Erdinnern und die Versorgung mit Rohstoffen bis hin zu notwendigen technischen Anwendungen, z.B. in der Zementindustrie, der Keramik, der Elektronik, der Feuerfestindustrie, der Glasindustrie oder der optischen Industrie, beschäftigen.

Kontakt:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH