04.02.2011

FÖRDERUNG VON NACHWUCHSWISSENSCHAFTERINNEN IN DER GEOINFORMATIK

An der Universität Salzburg startet unter der Leitung der Universitätsprofessoren Thomas Blaschke und Josef Strobl ein Doktoratskolleg, das sich mit der Verarbeitung geographischer Information („Geographic Information Science“) auseinandersetzt. Das vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierte Programm hat ein Volumen von 1,6 Mio Euro für die ersten vier Jahre. Davon können u.a. 9 DoktorandInnen angestellt werden.

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Fotos: Professor Thomas Blaschke wertet Handy-Daten aus | © L. Caputo

Die Daten aus Geoinformationssystemen liefern Entscheidungsgrundlagen für verschiedenste Bereiche, beispielsweise für Umweltforschung, Archäologie, Marketing, Kartographie, Städteplanung, Kriminologie, Logistik und im Ressourcen-Management. Mithilfe eines GIS ist es Katastrophenschutzbeauftragten beispielsweise möglich, Evakuierungspläne zu erstellen. Umweltschutzbehörden können feststellen, welche Feuchtgebiete in besonders bedrohten Gebieten liegen. Marketingabteilungen können bestimmen, in welchen Gebieten durch verstärkte Werbung neue Kunden gewonnen werden können.

Handys liefern wichtige Daten

Informationssysteme werden auch genutzt, um Menschenansammlungen zu eruieren. Dazu werden auch Handydaten ausgewertet – es genügt, festzuhalten, wie viele Handys zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Gebiet eingeschalten waren. „Mit Hilfe solcher Daten können wertvolle Karten erstellt werden, die aufzeigen, wie im Laufe eines Tages Orte und Plätze beansprucht werden“, sagt Thomas Blaschke. Die Wissenschaftler fertigen dreidimensionale Darstellungen an, wie eine Stadt erwacht und am Abend wieder schlafen geht. Dies kann in vielerlei Hinsicht von großem Nutzen sein. Etwa zur Regulierung des Verkehrs, wenn am Morgen oder am Abend Staus drohen. Auch im modernen Katastrophenschutz finden diese Systeme Anwendung, wie für die Planung von Hilfslieferungen in Erdbeben- oder Überschwemmungsgebieten. Oder bei Gefahren durch Terroristen, etwa bei Bombendrohungen. Auch das Navi oder Google Earth beruhen auf GIS-Daten.

Doktoratskolleg auf 12 Jahre angelegt

Die jungen WissenschafterInnen verteilen sich auf drei Forschungscluster:

•             ‚Representations and Data Models‘ erforscht räumliche Raumkonzepte.

•             ‚Time and Process Models‘definiert raum-zeitliche Modelle.

•             Spatialization, Media and Society erforscht und entwickelt Konzepte um User und Interfaces.

Das Doktoratskolleg ist zunächst für vier Jahre genehmigt, und nach erfolgreichen Evaluierungen auf insgesamt 12 Jahre angelegt. Die Universität Salzburg stellt die entsprechende Infrastruktur und Ko-Finanzierung in Höhe von rund 900.000,- Euro bereit. Die DoktorandInnenstellen werden weltweit ausgeschrieben, die Arbeitssprache ist Englisch.

Salzburg ist Zentrum für GIScience

Am Standort Salzburg hat sich eine international beachtete Kompetenz zu GIScience in Forschung und Lehre entwickelt. Seit vielen Jahren findet Anfang Juli die AGIT, Symposion und Fachmesse für Angewandte Geoinformatik an der Universität Salzburg durchgeführt. Rund 1000 Akademiker, Anwender sowie Anbieter raumbezogener Informationstechnologien treffen sich, um Ideen auszutauschen und wertvolle Impulse für die eigene Arbeit zu finden. www.agit.at

Seit 1994 bietet die Universität Salzburg am Zentrum für Geoinformatik (Z_GIS) höchst erfolgreich im internationalen Verbund postgraduale UNIGIS Fernstudien an. Die Qualität der Studien und über 750 Absolventen haben Salzburg im Bereich GIScience weltweit bekannt gemacht. Die Lehr- und Forschungsexzellenz am Standort Salzburg bietet die Chance ein Doktoratskolleg einzurichten, das wissenschaftlich fundiert und in ein innovatives Umfeld außeruniversitärer Forschung und forschungsintensiver Unternehmen eingebunden ist. Der GI-Standort Salzburg eint thematisch, personell und institutionell Hochschullehrer aus unterschiedlichen Disziplinen und die starke außeruniversitäre Forschungslandschaft (Research Studio iSPACE, ÖAW-GIScience, Salzburg Research).

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Thomas Blaschke

Angewandte Geoinformatik und Kartographie

der Universität Salzburg

Tel: +43 662 8044 5225