16.05.2011

Sonderausstellung von Gabriele Seethaler

Der Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst der Universität Salzburg und der Universität Mozarteum laden im Rahmen der Eröffnung des Kunstquartiers zur Sonderausstellung „Genotyp und Phaenotyp“ von Gabriele Seethaler herzlich ein. Die Direktorin des Jüdischen Museums, Dr. Danielle Spera eröffnet die Ausstellung: 21. Mai 2011, 13.00 Uhr im Atelier, Bergstraße 12, 1. Stock. www.gabrieleseethaler.com Die Eröffnung der Sonderausstellung ist der Beginn des Tags der offenen Tür im Kunstquartier, zu dem alle Interessierten willkommen sind. Das gesamte Programm finden Sie untenstehend.

„Genotyp und Phaenotyp“. Gabriele Seethaler

Im Spiegelkabinett des Ichs.

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Foto: „Genotyp und Phaenotyp“ | © Gabriele Seethaler

Im Spiegelkabinett des Ichs.

Identitätskonstruktionen zwischen Kunst und Gentechnologie

„Was du da siehst, ist der Schein des zurückgeworfenen Bildes, aus sich selbst ist es nichts.“ Ovid beschreibt so in den Metamorphosen das Spiegelbild des Narziss auf der Wasseroberfläche. Die Flüchtigkeit von Spiegelbildern wird in den Fotografien Gabriele Seethalers eindrucksvoll festgehalten. Was zunächst als direkter Blick der Kamera auf die Person erscheint, erweist sich als Blick in den Spiegel, der durch die Wahl des Ausschnittes gleichsam unsichtbar wird. Durch einen Facettenschliff im Spiegel werden die Portraitierten zudem noch einmal gedoppelt, es entstehen gleichsam multiple Identitäten. Eine solche Vervielfältigung verweist darauf, dass die Persönlichkeit buchstäblich mehr Facetten hat, als in einem einzigen Bild zurückgespiegelt werden kann. Seethaler erweitert aus diesem Grund das Abbild um eine genetische und musikalische Referenz: Zum einen wird die Erbinformation in Zusammenarbeit mit Franz Neuhuber vom Institut für Gerichtsmedizin der Universität Salzburg in Form einer Tabelle, die einzelne DNA-Sequenzen darstellt, visualisiert. Zum anderen findet die Person ein Echo in der Musik des Komponisten Renald Deppe, die er in einem abstrakten Noten-Bild festhält und die gängige musikalische Ordnungsraster sprengt. Durch den Bezug der Musik auf den Gencode erinnert dieser selbst an ein Notensystem, so dass die naturwissenschaftliche Darstellung eine Ästhetisierung erfährt. Die promovierte Biochemikerin Gabriele Seethaler verknüpft damit den Objektivitätsanspruch der Naturwissenschaft mit dem Kunstkontext. Dem Phaenotyp, der auf den Fotos erscheint, wird ein Genotyp zugeordnet. Die vollständige Erfassung der Person ist damit jedoch auch nicht gegeben, sondern bleibt jeweils fragmentarisch.

Wie die Fotografie und auch das Spiegelbild impliziert der Gencode bereits ein indexikalisches Moment, sie scheinen Abdruck einer Realität zu sein. Daher werden sie auch als Indizes, als Beweise zur Identifizierung von Personen eingesetzt. Auch der Spiegel dient der Erkennung des Ichs: „Der da bin Ich! Ich erkenne! Mein eigenes Bild ist´s!“, wie Ovids Narziss ausruft. Bei Seethaler wird Fotografie zu einem Medium der Selbst-Reflexion in jedem Sinne des Wortes.

Dr. Alexandra Karentzos, Alte Nationalgalerie

Programmübersicht zum Tag der offenen Tür im Kunstquartier

21. Mai, Atelier, Bergstraße 12.

13.00 Uhr:

Ausstellungseröffnung: Identität „Genotyp & Phaenotyp“ mit Dr. Gabriele Seethaler und Dr. Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, Wien

13.30:

Johann Brüderl und Laila Cathleen Neuman: John Dowland und frühe Shakespearelieder

14.00 Uhr

Round Table – Doktoratskolleg „Kunst und Öffentlichkeit“

14.30 Uhr:

14.30Uhr Prof. Christopher F. Laferl / Prof. Anja Tippner: Leben als Kunstwerk
14.35 Uhr Nicole Haitzinger / Claudia Jeschke: Re-Staging Alterity
14.40 Uhr Prof. Peter Kuon: Das Monströse und das Humane
14.45 Uhr Prof. Joachim Brügge: Künstler und Emigration – Max Kowalski

15.00 Uhr:

Atelier Gespräch: „Von Kiss Me Kate zu Farnace“ Prof. Sabine Coelsch-Foisner im Gespräch mit Hubert Wild, Sänger in den aktuellen Produktionen des Salzburger Landestheaters.

15.30 Uhr:

Einführung in die Sonderausstellung: Identität „Genotyp & Phaenotyp“ mit Dr. Gabriele Seethaler

16.00 Uhr:

16.00 Uhr Prof. Wolfgang Gratzer: Dietrich Fischer-Dieskau

16.05 Uhr Prof. Thomas C. Schirren: Das Erhabene

16.10 Uhr Prof. Manfred Kern / Prof. Nobert Christian Wolf: Kunstkritik und Kunstpolemik

16.15 Uhr Prof. Peter Kuon: Contrainte & Création / Schöpfung & Regel

16.30 Uhr:

Round Table – Doktoratskolleg „Kunst und Öffentlichkeit“

Ausstellungsprojekte in den Räumen:

Bibliothek, EG, Besprechungsraum 1.OG, Doktorandenraum 1.OG, Liftvorraum, Gänge 1 OG, Besprechungszimmer 2.OG:

Bibliothek:

(Re-)Staging Kunstquartier in situ : in motu Bereich Tanzwissenschaft unter der Leitung von Prof. Claudia Jeschke

Ausstellungsbereich EG:

Vorstellung des Schwerpunkts Wissenschaft und Kunst

Installation des LIA – Lab Inter Arts unter der Leitung von Prof. Helmi Vent

Gemeinsame Präsentation der Kunst- , Musik- und Tanzwissenschaft sowie der Universitätsbibliothek unter der Leitung von Prof. Andrea Gottdang und Dr. Ulf Sölter

Ausgestellt wird die wissenschaftliche Bearbeitung der Zeichnungen und Druckgraphiken der Graphiksammlung in den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek.

Vorort können auch Drucktechniken ausprobiert werden.

 

Besprechungsraum 1.OG

Installation zum Thema „Haus-Diskurse“ des Bereichs MA vergleichende Literatur unter der Leitung von Prof. Kathrin Ackermann

Es werden Arbeiten der Grafikklasse der Abteilung für Bildende Künste, Kunst- und Werkpädagogik (Uni Mozarteum) gezeigt: eine 20minütige Compilation von Videoarbeiten (zusammengestellt von Sigrid Langrehr). Außerdem die Arbeit „Laimunius Salientius“ von Hanna Weichselbaumer. Koordiniert von Prof. Beate Terfloth, Mozarteum, Co-Leiterin des Programmbereichs Contemporary Arts & Cultural Production

 

DoktorandInnenraum:

Fenster-Intervention „The quick brown fox jumps over the lazy dog“ von Käthe Hager von Strobele

„Frontiers“: Ein Computerspiel, das an die Grenzen Europas führt. Beitrag von Sonja Prlic / gold extra

Mental Maps: Wo findet Kunst und Kultur in Salzburg statt? Die BesucherInnen werden eingeladen, ihren persönlichen Stadtplan der Kunst und Kultur aufzuzeichnen.

Liftvorraum

Klanginstallation „earlift“ von Bernhard Gál

Gänge im 1OG:

Posterpräsentationen von Forschung und Lehre am Schwerpunkt Wissenschaft und Kunst sowie der Atelier Gespräche

Besprechungsraum 2. OG:

Kinderprogramm

 

Kontakt:

Karin Raab-Oertel MA

Abteilung für Forschungsförderung

der Universität Salzburg

Tel: 0662-8044-2450

oder

Ute Brandl-Schmelzinger

Schwerpunkt Wissenschaft&Kunst

Tel: 0662-8044-2384