27.11.2012

Ehrenring für Marko Feingold

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Marko Feingold wurde heute von der Universität Salzburg mit dem Ehrenring in Gold ausgezeichnet. Außerdem verlieh die Universität die Würde von EhrendoktorInnen an die Universitätsprofessorin Angelika Neuwirth und die Universitätsprofessoren Frank Klötzli und Niels Birbaumer. Die Dekane stellten die Habilitationen des vergangenen Jahres vor.

Die Paris Lodron Universität Salzburg beging heute am 27. November 2012 ihren Dies Academicus. An diesem akademischen Festtag werden außergewöhnliche Persönlichkeiten des öffentlichen und wissenschaftlichen Lebens geehrt. Rektor Heinrich Schmidinger betonte in seiner Ansprache, dass die Universität Salzburg in diesem Jubiläumsjahr trotz eines sehr engen budgetären Rahmens viele bedeutende Schritte gesetzt hat. So wurde u.a. die School of Education gegründet, die Universität 55 PLUS eingerichtet und drei Institute der Akademie der Wissenschaften übernommen. „Der Universität geht es gut, solange sie in Bewegung bleibt“, so Schmidinger.

Dies Academicus

Foto v.l.n.r.: Rektor Heinrich Schmidinger, Hofrat Marko Feingold, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, Ehrendoktor h.c. Frank Klötzli, Ehrendoktor h.c. Nils Birbaumer, Ehrendoktorin h.c. Angelika Neuwirth | © PLUS

Ehrenring der Universität Salzburg für Marko Feingold

Mit dem Ehrenring in Gold würdigt die Universität Salzburg die außerordentlichen Verdienste von Hofrat Marko Feingold. Feingold sei ganz wesentlich an der Gründung und Weiterführung des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte an der Universität beteiligt gewesen, so Laudator Universitätsprofessor Albert Lichtblau. Außerdem stellte sich Feingold für zahlreiche Interviews zur Verfügung. Die Ergebnisse dieser intensiven Befragung fließen in eine in Kürze erscheinende Autobiographie sowie in Lehrbehelfe des Zentrums für Jüdische Kulturgeschichte. Marko Feingold bat in seinen Dankesworten darum, mitzuhelfen, das Judentum in Salzburg zu erhalten.

Marko M. Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Besztercebánya/Neusohl, Österreich-Ungarn, heute Banská Bystrica, Slowakei) geboren. Er ist Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und betreut die Salzburger Synagoge.

Marko Feingold wuchs in der Wiener Leopoldstadt auf. Nach einer Lehre als kaufmännischer Angestellter arbeitete er in Wien und war mit seinem Bruder Ernst als Reisender in Italien unterwegs. 1938 wurde er anlässlich eines kurzen Aufenthalts in Wien verhaftet. Er floh zunächst nach Prag, wurde nach Polen ausgewiesen und kehrte mit falschen Papieren nach Prag zurück, wo er 1939 erneut festgenommen, inhaftiert und schließlich in das KZ Auschwitz deportiert wurde. Über die Konzentrationslager Neuengamme und Dachau kam er schließlich 1941 ins KZ Buchenwald, in dem er bis zur Befreiung interniert war. 1945 ließ er sich in Salzburg nieder. Zwischen 1945 und 1948 half er jüdischen Überlebenden und organisierte mit der jüdischen Flüchtlingsorganisation Bricha die Durchreise von Juden aus Mittel- und Osteuropa nach Palästina. 1948 wurde er Inhaber eines Modegeschäftes.

Schon von 1946 bis 1947 war Feingold kurz Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Erst nach seiner Pensionierung 1977 wurde Feingold amtierender Vizepräsident und schließlich 1979 wieder Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg. Feingold hielt zahlreiche Vorträge über seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern, insbesondere in Schulen und Pfarrgemeinden. Darüber hinaus ist er aktiver Teilnehmer im interreligiösen Dialog.

Ehrendoktorate

Angelika Neuwirth

Angelika Neuwirth gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Koranwissenschaftlerinnen der Gegenwart. Die Universität Salzburg würdigt mit dem Ehrendoktorat der Theologie ihre außerordentlichen Verdienste um die Wissenschaft und die Kultur interreligiöser Beziehungen.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Koran und Koranexegese, moderne arabische Literatur, palästinensische Dichtung und die Literatur des israelisch-palästinensischen Konflikts. Derzeit arbeitet sie an einer Textdokumentation und einem Kommentar zum Koran. Mit ihren Forschungen kann Neuwirth als Brückenbauerin zwischen der westlichen Koranforschung und der islamischen Welt bezeichnet werden.

Angelika Neuwirth wurde am 4. November 1943 in Nienburg/Weser geboren. Sie studierte Arabistik, Semitistik und Klassische Philologie an verschiedenen Universitäten in Deutschland und dem Nahen Osten. 1977 habilitierte sie sich an der Universität München im Fach Arabistik und Islamwissenschaft. Sie lehrte an der Jordanischen Universität, sowie an den Universitäten in Bochum, München, Kairo, Berlin und Jerusalem. Von 1994-1999 war sie Direktorin des Orient Instituts der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft Beirut und Istanbul und kehrte im Jahr 2000 an die Freie Universität Berlin zurück. Für ihre Leistungen wurde Neuwirth mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

Frank Klötzli

Die Universität Salzburg ehrt Frank Klötzli in Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste um die Wissenschaft und die Universität Salzburg mit dem Ehrendoktorat der Naturwissenschaften.

Frank Klötzli zählt zu den renommiertesten Vegetations- und Pflanzenökologen Europas. Bei weltweiten Forschungstätigkeiten gewann Klötzli einen umfassenden Überblick über die Biome der Erde und grundlegende Erkenntnisse zur natürlichen Vegetationsentwicklung. Er beschäftigte sich mit allen Facetten der Vegetationsökologie, ausgehend vom Wald über Feuchtstandorte bis in Gebirgslagen. Von seinen Forschungen außerhalb Europas sind besonders seine Projekte im Semien-Gebirge Äthiopiens, in den Savannen und in den Küstenökosystemen Transaniens hervorzuheben. Seine Forschungsergebnisse fanden ihren Niederschlag in seiner intensiven Beschäftigung mit Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes, der Ausweisung von Schutzgebieten, deren Erhaltung und dem Leben der Menschen mit der Natur. Vieles davon war auch richtungweisend für Österreich und den angrenzenden EU-Raum. Klötzli zeigte seine Verbundenheit zur Universität Salzburg durch zahlreiche Vorträge und umfangreiche Lehrtätigkeit. Er setzte wichtige Impluse und ermöglichte dem wissenschaftlichen Nachwuchs Studienaufenthalte in der Schweiz.

Frank Klötzli wurde am 2. Februar 1934 in Zürich geboren. Sein Studium an der ETH Zürich schloss er 1964 ab. 1969 folgte die Habilitation und 1976 die Ernennung zum Universitätsprofessor.

Nils Birbaumer

In Anerkennung der außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen sowie der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Fachbereich für Psychologie und dem Zentrum für Neurokognitive Forschung würdigt die Universität Salzburg Nils Birbaumer mit dem Ehrendoktorat der Naturwissenschaften.

Birbaumer gehört sowohl im deutschen Sprachraum als auch international zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Psychologie. Vielen Studierenden ist er bekannt durch sein hervorragendes Lehrbuch „Birbaumer & Schmidt: Biologische Psychologie“. 

Nils Birbaumer hat in Wien Psycholgie studiert, lehrte und forschte an mehreren Universitäten in Deutschland, Italien und den USA. Seit 1993 ist er Direktor des Institutes für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie und Leiter des MEG-Zentrums an der medizinischen Universität in Tübingen. Seine umfangreichen Forschungen im Bereich der Biologischen Psychologie, den kognitiven Neurowissenschaften und der Gehirn-Computer-Interaktion sind durch eine Vielzahl an Preisen und wissenschaftlichen Anerkennungen ausgezeichnet worden. Seine Publikationstätigkeit umfasst derzeit rund 600 Arbeiten. Dazu gehören mehrere Lehrbücher und zahllose Originalarbeiten in den besten und anerkanntesten Fachjournalen.

Habilitationen

Kultur- und Geisteswissenschaftliche Fakultät

Ass.-Prof. Dr. Herbert Wagner vom Interfakultären Fachbereich Sport- und Bewegungswissenschaft/USI erhielt die Lehrbefugnis für Bewegungs- und Trainingswissenschaft. Seine Habilitationsschrift verfasste er zum Thema: „Throwing and jumping performance in elite team ball sport games“.

Dr. Annemarie Siegetsleitner erhält die Lehrbefugnis für Philosophie. Ihre Habilitationsschrift lautet: „Ethik und Moral im Wiener Kreis. Zur Geschichte eines verdrängten engagierten Humanismus.

Theologische Fakultät

Ass.-Prof. Dr. Anneliese Felber vom Institut für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie der Universität Graz erhielt die Lehrbefugnis für Patrologie und Alte Kirchengeschichte. Ihre Habilitationsschrift lautet „Väterexegese: Brisanz und Vielfalt“.

Naturwissenschaftliche Fakultät

Dr. Rade Kutil erhielt die Lehrbefugnis für Informatik. Seine Habilitationsschrift lautet: „High Performance Signal Processing.

Dr. Gertie J. Oostingh erhielt die Lehrbefugnis für Molekularbiologie und Immunologie. Ihre Habilitationsschrift lautet: „Effects of environmental pollution on human health“.

Dr. Claus-Peter Stelzer vom Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Mondsee erhielt die Lehrbefugnis für Evolutionary Ecology. Seine Habilitationsschrift lautet: „Evolutionary Ecology of Rotifers“.

Rechtswissenschaften

Ass.Prof. Dr. Günter Herzig vom Fachbereich Arbeits-, Wirtschafts- und Europarecht SCEUS erhielt die Lehrbefugnis für Europarecht. Seine Habilitationsschrift lautet: „Soziale Dienste und Europäisches Wirtschaftsrecht“.

Dr. Max Leitner erhielt die Lehrbefugnis für Bürgerliches Recht unter Einschluss der juristischen Methodenlehre. Seine Habilitationsschrift lautet: „Die Haftung des Schiedsrichters“.