12.06.2012

EUA warnt vor Auswirkungen gegenläufiger Trends in der Hochschulfinanzierung in Europa

Der Europäische Hochschulverband (EUA) hat heute seine Besorgnis über die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise geäußert und davor gewarnt, dass es im Bereich der Finanzierung zu tiefen Spaltungen zwischen den europäischen Ländern kommen könnte. EUA’s Monitoring der Wirtschaftskrise zeigt einen beunruhigenden Trend: Bis auf wenige Ausnahmen ist die Hochschulfinanzierung in vielen ost- und südeuropäischen Ländern stärker von der Krise beeinträchtigt als in den meisten Ländern Nord- und Westeuropas (wiederum mit einigen Ausnahmen).

Estermann_und_Praesidentin2[19284][1]

Foto: Thomas Estermann und die EUA Präsidentin Helene Nazaré | © LPB Franz Neumayr

EUA11061201[19284][2]
Foto v. li: Karlheinz Töchterle, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, LHF Gabi Burgstaller, Maria Helena Nazaré EUA Präsidentin, Rektor Heinrich Schmidinger Universität Salzburg | © LPB Franz Neumayr

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist nur eines von zahlreichen Themen zur Zukunft der Hochschulfinanzierung, die beim EUA Funding Forum diskutiert werden, welches gestern und heute (11. und 12. Juni) an der Universität Salzburg in Österreich stattfindet. Das seit 2008 zur Beobachtung der Auswirkungen der Krise auf den Hochschulsektor regelmäßig aktualisierte „EUA Public Funding Observatory“  hat gezeigt, dass Hochschulsysteme in Europa zwar unterschiedlich stark betroffen sind, jedoch kein System komplett verschont geblieben ist. Auch Länder ohne oder mit nur geringen Kürzungen stehen zunehmend unter Druck und müssen neuen Herausforderungen begegnen (wie beispielsweise steigenden Studierendenzahlen, zunehmenden Kofinanzierungsbestimmungen öffentlicher Finanzierer sowie Schwierigkeiten bei der Aquirierung neuer Finanzierungsquellen).

Überwiegend süd- und osteuropäische Länder, deren öffentliche Investitionsquote (als Prozentsatz des BIP) in Hochschulbildung und Forschung ohnehin niedriger ist als die ihrer meisten nord- und westeuropäischen Nachbarn, haben seit 2008 substantielle Kürzungen vorgenommen. EUA sieht daher das Risiko eines weiteren Auseinanderdriftens in Europa hinsichtlich der Hochschulfinanzierung.

Diese Entwicklung birgt mehrere Risiken, unter anderem auch die Gefahr der Abwanderung von talentierten Wissenschaftlern aus den am stärksten von der Krise betroffenen Ländern. Dies könnte die Beteiligung der dortigen Universitäten an europäischen Finanzierungsprogrammen, wie dem EU-Forschungsrahmenprogramm erschweren. EUA’s Studien zur Hochschulfinanzierung haben bereits gezeigt, dass europäische Fördergelder eine immer wichtigere Einnahmequelle für Universitäten darstellen. Allerdings erfordern diese Programme häufig Kofinanzierung, die von den Universitäten selbst aufgebracht werden muss. Dies wird jedoch durch massive Budgetkürzungen auf nationaler Ebene zusätzlich erschwert und so geraten Universitäten besonders in finanzschwächeren Ländern zunehmend in einen Teufelskreis. EUA fordert daher, dass die nächste Generation der europäischen Forschungsprogramme sowohl  die aktuelle wirtschaftliche Lage als auch die langfristige nachhaltige Finanzierung von Europas Hochschulsystemen berücksichtigen und daher Aktivitäten zu hundert Prozent finanzieren sollte.

Die Zukunft der europäischen Forschungsförderung (für die Periode 2014-2020) ist ein weiterer Programmpunkt des EUA Funding Forums in Salzburg.

Die Veranstaltung bringt Vertreter aus Hochschule, Politik und Forschungsförderung zusammen, um über die zukünftigen Finanzierungmodelle für Hochschulen zu diskutieren.

EUA Präsidentin Professor Helena Nazaré machte während des Forums gestern deutlich, wie wichtig es sei, dass die Wirtschaftskrise nicht die langfristigen gesellschaftlichen Herausforderungen in den Hintergrund dränge, und unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung nachhaltiger öffentlicher Finanzierung für Hochschulbildung und Forschung. Dies sollte als sinnvolle Investition begriffen werden anstatt als bloßer Kostenaufwand, so Professor Nazaré.

Mehr über das EUA Funding Forum erfahren Sie unter:  http://www.eua.be/eua-funding-forum.aspx

Die Präsentation, die EUA auf dem Funding Forum zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise gegeben hat, kann  hier heruntergeladen werden.

Ende

Die European University Association (EUA) repräsentiert sowohl europäische Hochschulen als auch nationale Hochschulrektorenkonferenzen und gilt als die Stimme der Hochschulen in Europa. Ziel ist es, die Entwicklung eines kohärenten europäischen Hochschul- und Forschungssystems zu fördern.

Ergänzende Informationen

EUA hat die Entwicklung der Wirtschaftskrise und deren Auswirkungen auf Hochschulsysteme in Europa seit dem Beginn 2008 beobachtet und mehrere Berichte dazu veröffentlicht. Das Monitoring wird in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Hochschulrektorenkonferenzen durchgeführt, die ebenfalls EUA Mitglieder sind und regelmäßig über Entwicklungen in ihrem nationalen System berichterstatten. Hauptziel des Monotoring ist es, die Auswirkungen der Krise auf die öffentliche Finanzierung von Hochschulen zu analysieren und Trends in diesem Bereich in Europa aufzuzeigen. Außerdem wird untersucht, wie sich die Krise auf Art und Vergabe der Mittel auswirkt und welche Veränderungen dies wiederum auf universitärer Ebene zur Folge hat.

EUA wird den vollständigen Bericht zum nächsten Monitoring nach dem Funding Forum in Salzburg im Juni veröffentlichen.

Das EUA Funding Forum wird vom Programm für Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission unterstützt.