01.02.2012

Neue Therapieformen bei Haut- und Bauchspeicheldrüsenkrebs

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Universitätsprofessor Fritz Aberger vom Fachbereich Molekulare Biologie der Universität Salzburg hat molekulare Signale, die Krebs entstehen lassen, entziffert. Die Erkenntnisse ermöglichen neue Therapien zur Behandlung von weißem Hautkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

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Foto: Prof. Fritz Aberger ist Leiter des Forschungsteams.| © Kolarik

Das Basalzellkarzinom ist eine sehr häufige Form des weißen Hautkrebs. „Wer sich über viele Jahre intensiver Sonnenbestrahlung ausgesetzt hat, kann an einem Basalzellkarzinom erkranken, aber Menschen mit heller Haut müssen mit besonders hohem Risiko rechnen“, betont Universitätsprofessor Fritz Aberger. Basalzellkarzinome werden in der Regel chirurgisch entfernt und bilden nur sehr selten Metastasen. Kaum therapierbar ist hingegen das Pankreaskarzinom, der Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er  ist eine der aggressivsten unheilbaren Tumorerkrankungen, die Überlebensrate liegt noch unter 5%.

Molekular betrachtet entsteht Krebs aufgrund von genetischen Veränderungen, doch nicht alle Veränderungen verursachen auch Tumorwachstum. Erst das Zusammenwirken von genetischen Veränderungen in einer bestimmten Kombination löst Krebswachstums aus.

Aberger und sein Team haben nun Wechselwirkungen molekularer Signale im Basalzellkarzinom nachgewiesen.  Sie haben herausgefunden, dass das Zusammenwirken des Hedgehog Signals mit dem EGF-Rezeptor-Signal synergistisch wirkt und Tumorwachstum auslöst. „Also erst in der Kombination von den beiden Signalwegen wird aus der Zelle eine Krebszelle“, betont Aberger. Das Hedgehog-Signal kontrolliert die Selbsterneuerung von Stammzellen und das EGF-Rezeptor-Signal unter anderem die Teilung von Zellen. Im Laborversuch an Mäusen wurde festgestellt, dass sich bei Ausschaltung des EGF-Rezeptor-Signals keine Tumore entwickelten, die zuvor durch das Hedgehog-Signal ausgelöst worden sind. In der klinischen Anwendung gibt es bereits Medikamente, die dieses EGF-Rezeptor-Signal attackieren. „Und wir schlagen nun vor, dass man zusätzlich zur bisherigen medikamentösen Therapie noch diese EGF-Rezeptor Hemmer dazu nimmt, um eine möglichst effiziente Therapie zu erzielen“, sagt Aberger.   

Die Wechselwirkung der beiden Signalwege findet nicht nur beim weißen Hautkrebs statt, sondern auch in den sogenannten Krebsstammzellen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Wir haben entdeckt, dass auch in den Krebsstammzellen genau diese beiden Signale aktiv sind.“ Eine kombinierte Hemmung der beiden Signale kann die Krebsstammzellen eliminieren. Diese Erkenntnis hat eine umso größere Bedeutung, da Krebsstammzellen zwar nur eine sehr kleine Tumorpopulation darstellen, jedoch als besonders therapieresistent gelten und für die Metastasenbildung und Rückfälle der Patienten verantwortlich gemacht werden.

Das Wissen über die Wechselwirkung des Hedgehog-Signals mit dem EGF-Rezeptor-Signal führte außerdem zur Entdeckung neuer Drug-Targets, also neuer molekularer Ziele von Medikamenten. Mit den Ergebnissen dieser Grundlagenforschung wollen die Wissenschaftler nun in die klinische Therapie gehen. „Wir haben den unschätzbaren Vorteil, dass es für die meisten dieser Targets bereits Medikamente gibt, die für die Therapie am Menschen auch zugelassen sind oder sich in der Zulassungsphase befinden.“ Das bedeutet, dass man ausgehend von den neuen Daten die vorhandenen Medikamente in der richtigen Weise kombiniert. „Wir versprechen uns einen deutlich besseren therapeutischen Effekt, indem Probleme wie schlechtes Ansprechen auf Medikamente, Resistenzen auf Medikamente oder Rückfälle verringert werden.“

Das Projekt wurde vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF), vom österreichischen Genomforschungsprogramm „GENAU“ und vom Salzburger Universitätsschwerpunkt „Biowissenschaften und Gesundheit“ finanziert. Die Arbeit erscheint heute Mittwoch, in der renommierten Fachzeitschrift „EMBO Molecular Medicine“.

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Fritz Aberger

Fachbereich für Molekulare Biologie

Der Universität Salzburg

Tel: 0662-8044-5792