05.04.2013

TOP-JOBS FÜR NANO-EXPERTEN

Die Nano-Technologie erlebt als Wirtschaftszweig eine explosionsartige Entwicklung. Europaweit gibt es derzeit bereits mehr als 138 universitäre Ausbildungsangebote dazu. Ob diese mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes übereinstimmen untersucht Universitätsprofessor Albert Duschl im Rahmen eines EU-Projektes.

Nano-Materialien aus vielen unterschiedlichen Substanzen (wie Kohlenstoff, Gold, Silber, Titan, Silizium) erfreuen sich bei Herstellern zunehmender Beliebtheit. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften dieser Materialien – winzig klein, federleicht, große Oberfläche, mechanische Stabilität – eignen sie sich für elektronische Geräte ebenso wie für Sportartikel oder die Autoindustrie. Auch Mediziner wenden sie an, weil beispielsweise Nanosilber antibakteriell wirkt und im Gegensatz zu Antibiotika keine Resistenzen dagegen entwickelt werden. Nanopartikel finden sich also in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens. Aber welche Ausbildung bietet die richtige Basis, um in der Nanotechnik beruflich zu reüssieren? „Europaweit gibt es derzeit mindestens 138 Studien, die das Wort „Nano“ im Titel haben“, sagt Projektkoordinator Albert Duschl. Die Universitäten richten ihr Ausbildungsangebot dabei in der Regel nach ihren bereits vorhandenen Ressourcen. Die Europäische Kommission befürchtet nun, dass Nanoexperten am Arbeitsmarkt vorbei ausgebildet werden könnten. „Wer eine schwierige und aufwändige Ausbildung absolviert, soll danach auch einen adäquaten Job finden“, so Duschl. „Daher müssen wir verhindern, dass Leute langjährige Ausbildungen durchlaufen um nachher feststellen zu müssen, dass ihre Fertigkeiten den Anforderungen im Beruf gar nicht entsprechen.“ Zurzeit entwickle sich der Nanoarbeitsmarkt sprunghaft. Nanoexperten werden in erster Linie in der Industrie gesucht, aber auch von anderen Arbeitgebern wie Regulierungsbehörden, in Managementfunktionen, in der Politik oder den Medien.

Jobgarantie bei technischen Studien

Arbeitsmarkt für Nanoexperten

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Erhebung des Arbeitsmarktes. „Wir wollen die Vorstellungen potentieller Arbeitgeber berücksichtigen.“ In der internationalen Forschergruppe, die Duschl leitet, sind auch zwei große Industrievereinigungen vertreten, deren Mitglieder im industriellen Nanobereich tätig sind. Diese können wertvolle Auskünfte darüber geben, welche Art von Spezialisierung wesentlich ist. Derzeit arbeiten im Nanobereich unter anderem Physiker, Chemiker und Materialwissenschaftler. „Unser Ziel ist es, ein internationales Netzwerk für die Ausbildung auf diesem Sektor aufzubauen und ein attraktiver Ansprechpartner für Bildungseinrichtungen in Europa zu sein“, betont Duschl. Das von ihm koordinierte Projekt-Team wird Empfehlungen abgeben und bis 2015 einen Modell-Studiengang für Nanotechnik entwickeln. Dieses Modell ist dann im Internet abrufbar und soll als Richtschnur und Unterstützung für europäische Universitäten dienen. „Unsere Intention ist, dass Bildungseinrichtungen ihre eigenen Angebote überprüfen können und in der Lage sind, deren Effizienz zu erhöhen. Sei es, indem sie einzelne Unterrichtsmodule zukaufen, neue Lehrveranstaltungen einführen, oder durch Nutzung internetbasierter Kurse“, betont Duschl. Wichtig ist die Abdeckung von fachspezifischen Themen, wie Sicherheit von Nanomaterialien, nationale und internationale Vorschriften dazu, oder Patentierbarkeit auf diesem Gebiet.

Jobgarantie bei technischen Studien

Die Frage, wer denn die richtigen Personen für ein solches Studium seien, ist schwierig zu beantworten. Denn in Europa und ganz besonders in Österreich herrscht eine weit verbreitete Abneigung gegen alles was mit Technik und Mathematik zu tun hat. „Hierzulande werden technische Fächer, die eine hohe Verantwortung, Faktenwissen und Genauigkeit erfordern, oft gemieden“, so Duschl. Die Industrie sucht zum Teil intensiv nach kompetenten Mitarbeitern. „Wer ein technisches oder naturwissenschaftliches Fach wählt, hat beste Chancen auf einen guten Job.“ Deshalb wollen die Experten schon in den Schulen ansetzen. „So setzen sich zum Beispiel unsere israelischen Projektpartner mit der Frage auseinander, wie Nanotechnik in den Schulen präsentiert wird.“ Es sei wichtig, schon möglichst früh klar zu machen, was Nano eigentlich ist, was diese Technik alles kann, wo ihre Grenzen liegen, aber natürlich auch dass sie ein potenzielles Arbeitsfeld darstellt. Die Entscheidung für ein Studienfach fällt während der Schulzeit, sodass die Informationen an die Schulen gebracht werden müssen.

© Albert Duschl
© Albert Duschl

 

Mit NanoEIS wurde dem Molekularbiologen Albert Duschl bereits das zweite Nanoprojekt zur Koordination übertragen. Schon 2011 gelang es ihm das EU-Projekt NanoTOES (https://www.nanotoes.eu) mit einem Finanzvolumen von 3,25 Mio Euro zu lukrieren, das er ebenfalls leitet. Im Rahmen dieses Projekts wurden mögliche Risiken für Gesundheit und Umwelt durch Nanomaterialien untersucht. „Mit diesen Projekten können wir Salzburg zu einem Standort für Nanorisiken und Nanosicherheit machen. Als Naturwissenschaftler geht es mir vor allem um die Aufklärung von Mechanismen wie Materialien in biologischen Systemen wirken, also um Nano/Bio-Interaktionen.“

NanoEIS

Das Projekt NanoEIS (Nanotechnology Education for Industry and Society) wird von der Europäischen Union innerhalb des 7. Rahmenprogramms für Forschung und Technologie gefördert und läuft von 1. 11. 2012 bis 31. 10. 2015. Die Europäische Kommission stellt ein Gesamtbudget von 518.000,- Euro zur Verfügung. Partner sind die Paris Lodron Universität Salzburg, Österreich (Koordinator); University College Dublin, National University of Ireland, Dublin; Nanofutures ASBL, Belgien; ORT Israel; Malsch TechnoValuation, Niederlande;  Akademia Gorniczo-Hutnicza Im. Stanislawa Staszica W Krakowie, Polen; Institut Katalizy I Fizykochemii Powierzchni Im. Jerzego Habera Polska Akademia Nauk, Polen; Nanotechnology Industries Association AISBL, Belgien. www.nanoeis.eu

Nanotechnologie

Das Wort Nano kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zwerg“. Ein Nanometer ist ein Millionstel eines Millimeters. Als Nanotechnologie wird heute die Anwendung von Teilchen der Größe 1-100 Nanometer u.a. in der Cluster- und Oberflächenphysik, Oberflächenchemie, der Halbleiterphysik, der Medizin und Medizintechnik, in Gebieten der Chemie und bisher noch im begrenzten Rahmen in Teilbereichen des Maschinenbaus und der Lebensmitteltechnologie (Nano-Food) bezeichnet.

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Albert Duschl

Fachbereich Molekulare Biologie

Tel: 0662-8044-5731