11.04.2013

UNIVERSITÄT SALZBURG WÜRDIGT NACHWUCHSWISSENSCHAFTERINNEN

Für ihre hervorragenden Diplomarbeiten bekamen die Naturwissenschafterinnen Karin Moosbrugger und Julia Lechinger den Marie-Andeßner-Preis verliehen. Dissertationsstipendien erhielten die Psychologin Isabella Uhl und die Biologin Christina Ramsauer. An die Historikerin Grazia Prontera und die Germanistin Uta Degner wurde ein Marie Andeßner Habilitationsstipendium vergeben.

Foto v.l.n.r. Rektor Heinrich Schmidinger, Karin Moosbrugger, MSc; Dr.in Uta Degner; Dr.in Grazia Prontera; Mag.a Isabella Uhl, BA; Christina Ramsauer, BA rer.nat. MSc;  Fotonachweis: Kolarik
Foto v.l.n.r.: Rektor Heinrich Schmidinger, Karin Moosbrugger, MSc; Dr.in Uta Degner; Dr.in Grazia Prontera; Mag.a Isabella Uhl, BA; Christina Ramsauer, BA rer.nat. MSc; | © Kolarik

„Die Statistiken zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen im allgemeinen und an Universitäten insbesondere unter den Professoren noch zu gering ist“, betont Rektor Heinrich Schmidinger. „Mit den Marie Andeßner Preisen und Stipendien unterstützen wir junge Wissenschaftlerinnen. Durch die finanzielle Unterstützung sollen sie sich intensiver auf Ihre Forschungsarbeit konzentrieren können“, so Schmidinger.  Die Marie Andeßner Stipendien und Preise wurden am 10. April 2013 bereits zum neunten Mal an Nachwuchswissenschafterinnen der Universität Salzburg vergeben.

„Die Statistiken zeigen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen im allgemeinen und an Universitäten insbesondere unter den Professoren noch zu gering ist“, betont Rektor Heinrich Schmidinger. „Mit den Marie Andeßner Preisen und Stipendien unterstützen wir junge Wissenschaftlerinnen. Durch die finanzielle Unterstützung sollen sie sich intensiver auf Ihre Forschungsarbeit konzentrieren können“, so Schmidinger.  Die Marie Andeßner Stipendien und Preise wurden am 10. April 2013 bereits zum neunten Mal an Nachwuchswissenschafterinnen der Universität Salzburg vergeben.

Benannt sind die Würdigungen nach der Reiseschriftstellerin Marie Andeßner. Die 1833 geborene Salzburgerin unternahm um 1900 als über 60-jährige Frau allein und ohne Begleitung Weltreisen in alle fünf Kontinente. Ihre Reiseerfahrungen publizierte sie in Salzburger Medien und ließ so daheimgebliebene an Ihren Erlebnissen teilhaben. Mit ihren Reisen verließ sie die enge, private Lebenswelt, die Frauen Ende des 19.Jahrhunderts zugewiesen wurde, setzte sich über gesellschaftliche Rollenzuweisungen hinweg und eroberte für sich und ihre LeserInnen eine unbekannte und aufregende Welt. Frau Andeßner stellt heute für junge Wissenschafterinnen ein historisches Vorbild dar und motiviert ebenfalls neue Wege zu beschreiten und einen wichtigen Platz in der wissenschaftlichen Community einzunehmen.

Die Marie Andeßner Stipendien sind Teil eines vielfältigen Förderprogramms für Frauen an der Universität Salzburg. Die von „gendup  Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung“ entwickelten Angebote reichen von der Vergabe der Marie Andeßner Stipendien und Preise, Workshops für Studentinnen, sowie einem Lehrgang für Dissertantinnen und einem Campus für Habilitandinnen bis zum Mentoringprogramm „Mentoring III“. Alle Förderungen sollen Frauen dabei helfen, die gläserne Decke an der Universität zu durchbrechen.

Marie Andeßner Habilitationsstipendien

Dr.in Uta Degner

Die Erfindung des Unmöglichen. Zur Logik ästhetischer Innovation in der Prosa des 20. Jahrhunderts (Kafka, Brecht, Jelinek)

Uta Degner stellt in ihrem Habilitationsprojekt die Frage nach den Logiken ästhetischer Innovation in der deutschsprachigen Prosa des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts: Wie und wodurch revolutionierten Erzähltexte von Franz Kafka, Bertolt Brecht und Elfriede Jelinek die Bedingungen und Möglichkeiten der Literatur ihrer Zeit? In methodologischer Anlehnung an die Kultursoziologie Pierre Bourdieus kombiniert das Habilitationsvorhaben genaue Einzeltextanalysen mit einer differenzierten Rekonstruktion des jeweils historisch geltenden Status Quo des literarischen Feldes, vor dessen Negativfolie die ästhetische Einzigartigkeit der untersuchten AutorInnen allererst sichtbar wird.

Uta Degner ist seit 2009 Universitätsassistentin am Fachbereich Germanistik. Davor war sie Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ an der Freien Universität Berlin, wo sie im Jahre 2007 mit einer Arbeit über Hölderlin promovierte. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen insbesondere Lyrik der Moderne, Intermedialität und kultursoziologische Literaturansätze.

Dr.in Grazia Prontera

Gewährte Räume, eroberte Räume

Politische Partizipation von MigrantInnen in München und Bologna im späten 20. Jahrhundert

Die politische Partizipation von MigrantInnen ist zugleich Ziel und Wert an sich für eine vielfältige Gesellschaft. Die Debatte über die politische Partizipation von MigrantInnen und deren Formen hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen, weil deren Anwesenheit die europäischen Demokratien zwingt, neue Formen der Teilhabe zu finden.

An den Beispielen München und Bologna und anhand dreier verschiedenartiger Quellen (Archivmaterial, Zeitungsartikel und Interviews) wird die Geschichte der Formen, der Entwicklungen und der Möglichkeiten und Grenzen politischer Partizipation von MigrantInnen im späten 20. Jahrhundert vergleichend analysiert.

Die geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der politischen Partizipation von MigrantInnen hilft dabei, die Geschichte der gemeinsamen Beteiligung am demokratischen Leben neu zu bewerten und für die Zukunft neu zu ordnen. Die Ergebnisse dieser Habilitationsarbeit sollen erklären, wie MigrantInnen eigene politische Räume schaffen und wie sich damit das gemeinsame politische Leben verändert.

Grazia Prontera ist seit 2007 Post-Doc am Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte der Universität Salzburg. Sie hat Geschichte und Philosophie an der Universität Bologna und am King’s College London studiert und 2007 mit einer interdisziplinären Doktorarbeit in Soziologie und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universitá di Teramo promoviert. Ihre Forschungsgebiete sind Südeuropäische Zeitgeschichte und Europäische Migrationsgeschichte.

 Marie Andeßner Dissertationsstipendien

Mag.a Isabella Uhl, BA

Psychologie – der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft? Die Identifikation psychologischer Faktoren zur Förderung von nachhaltigem Verhalten.

Seit Oktober 2012 beschäftigt sich Isabella Uhl im Rahmen ihrer Dissertation damit, welche Rolle die Psychologie bei der Förderung eines nachhaltigen Lebensstils spielt. Dabei setzt sie den Fokus auf die Identifikation der wichtigsten (sozial)psychologischen Parameter, die Personen zum Reflektieren bzw. Ändern ihrer alltäglichen Gewohnheiten anregen. Das Ziel ist das ableiten eines Modells, welches sowohl für die Wissenschaft, als auch für die Praxis von hohem Nutzen ist.

Isabella Uhl absolvierte das Diplomstudium der Psychologie und Bachelorstudium der Kommunikationswissenschaft in Salzburg. Insbesondere faszinierte sie die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis, d.h. wie man mit empirisch fundierten Erkenntnissen, einen wichtigen Beitrag zu praktischen Fragestellungen leisten kann. Während ihrer Tätigkeit als Studienassistentin am Fachbereich Psychologie bekam sie einen Einblick in die wissenschaftliche Arbeitswelt, wodurch sie den Entschluss fasste zu promovieren.

Christina Ramsauer, BA rer.nat. MSc

Methods for Quantification of Biopharmaceuticals in Serum for Pharmacokinetic Studies

Seit Januar 2012 arbeitet Frau Ramsauer an ihrer Dissertation in der Abteilung Chemie und Bioanalytik. Derzeit erarbeitet sie eine Methode für die Quantifizierung verschiedener Proteine, die möglicherweise als Biomarker fungieren. Hierbei stehen die Erarbeitung einer generischen Probenaufbereitung von Humanserum sowie die chromatographische Trennung mittels HPLC und anschließender massenspektrometrischer Detektion im Vordergrund.

Als weiteres Dissertationsprojekt plant Christina Ramsauer die Quantifizierung des Proteins Filgrastim in Blutserum mit den oben genannten Techniken. Dieses Protein wird weitgehend als Medikament bei Chemotherapie sowie Knochenmarkstransplantationen eingesetzt und hat folglich große Bedeutung in unterschiedlichen klinischen Bereichen. 

Nach abgeschlossener Berufsausbildung sowie Absolvierung des Abendgymnasiums Salzburg im zweiten Bildungsweg, inskribierte sich Christina Ramsauer für das Genetikstudium an der Universität Salzburg. Im Dezember 2011 beendete Frau Ramsauer ihr Masterstudium mit Auszeichnung und erlangte den Titel Master of Science.

Während ihrer Masterarbeit beschäftigte sich Christina Ramsauer mit der Wirkung von Antikörpern auf die Immunantwort während allergischen Prozessen.

 Marie Andeßner Diplomarbeitspreise

Julia Lechinger, Mag.a rer. nat.

Cognitive processing in Minimally Conscious State and Vegetative State patients: Insights from EEC time-frequency and phase locking analysis

Julia Lechinger widmete sich in ihrer Diplomarbeit im Fach Psychologie den elektrophysiologischen Korrelaten kognitiver Prozesse bei Patienten mit schweren Bewusstseinsstörungen (‚Wachkoma‘; engl. Disorders of Consciousness, DOC). Die Erfassung und Auswertung der elektrischen Gehirnaktivität während zweier kognitiver Aufgaben (Eigennamenparadigma und Motor Imagination) zeigte deutliche AKtivierungsunterschiede zwischen MCS und VS Patienten und konnte Hinweise auf die Fehldiagnose eines von 17 getesteten Patienten liefern. Die Diagnosefindung stellt in dieser Patientengruppe generell eine Herausforderung dar. Im klinischen Alltag werden ca. 40% eigentlich minimal bewusster Patienten (‚MCS‘) fälschlicherweise als komplett unbewusst diagnostiziert (‚VS‘), was die Relevanz des vermehrten Einsatzes von elektrophysiologischen (EEG) und bildgebenden Verfahren (z.B. MRT) unterstreicht. Das Forschungsgebiet besitzt jedoch nicht nur klinische Relevanz, sondern hat auch große Bedeutung für die Grundlagenforschung, da sich durch die Arbeiten auf diesem Gebiet auch Hinweise auf die dem Bewusstsein allgemein zugrunde liegenden Prozesse und Aktivierungen ergeben.

Mag. Julia Lechinger ist seit Ende 2009 Mitarbeiterin im Labor für Schlaf und Bewusstseinsforschung der Universität Salzburg und setzt seit ihrem Studienabschluss Ende 2012 ihre Ausbildung an der Universität als Doktorandin im Bereich Physiologische Psychologie fort. Ihr Interesse gilt vor allem den elektrophysiologischen Korrelaten verschiedener Bewusstseinszustände wie Wachkoma oder Schlaf.

Karin Moosbrugger, MSc

The phylogeography oft he Gentiana verna group (Gentianaceae) inferred from AFLP markers

Karin Moosbrugger untersuchte im Rahmen ihrer Masterarbeit die genetischen Beziehungen innerhalb der in eurasischen Gebirgsregionen verbreiteten Artengruppe um den Frühlingsenzian (Gentiana verna). Die Analyse von genetischen Fingerabdrücken (AFLPs), die für mehr als 400 Individuen aus 70 Populationen gewonnen wurden, ermöglichte eine weitgehende Aufklärung der genetischen Struktur der Artengruppe und erlaubte Rückschlüsse über evolutionäre und biogeografische Vorgänge in der Vergangenheit. So konnte nachgewiesen werden, dass sich die west- und zentraleuropäischen Frühlingsenziane genetisch sehr stark von den südosteuropäisch-asiatischen Vertretern unterscheiden. Dieses Ergebnis lässt auf eine langzeitige unabhängige Entwicklung der beiden Verwandtschaftslinien schließen und sollte sich taxonomisch in der Anerkennung zweier getrennter Arten (Gentiana verna und G. tergestina) manifestieren. Die östliche Linie gliedert sich wiederum in mehrere lokal verbreitete, genetisch stark isolierte Kleingruppen, sodass hier von einem Versiegen des Genflusses noch vor der letzten Eiszeit auszugehen ist. Die genetische Ähnlichkeit zwischen den abgelegenen Vorkommen in England, Irland und Nord-Russland und jenen der Alpen deutet auf eine von den Alpen ausgehende, postglaziale Besiedelung dieser Gebiete an. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei den südspanischen und marokkanischen Populationen um alte, genetisch eigenständige Reliktvorkommen, deren nächste Verwandte heute in den Pyrenäen zu finden sind.

Karin Moosbrugger war nach Abschluss ihres Masterstudiums der Ökologie und Umweltbiologie an der Universität Salzburg als freiberufliche Biologin tätig. Im aktuellen Sommersemester ist sie an der Lehre im Master-Modul Molekulare Biodiversitätsforschung an der Universität Salzburg beteiligt. Von Mitte April bis Juni wird sie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in einem Projekt über die Landschaftsgenetik von Amphibien mitarbeiten. Dabei soll untersucht werden, wie sich die Fragmentierung der Landschaft durch Verkehrswege auf die genetische Struktur von Wasserfrosch-Populationen auswirkt.

Kontakt:

Mag. Ingrid Schmutzhart, Leiterin

gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung

Tel.: +43 662 8044 2520

www.uni-salzburg.at/gendup