17.03.2015

OST-WEST-PASSAGEN

In der Vorlesungsreihe Ost-West-Passagen, organisiert von Universitätsprofessor Peter Deutschmann vom Fachbereich Slawistik der Universität Salzburg, sprechen ausgewiesene Fachleute über Aspekte osteuropäischer Geschichte, Politik, Kultur und Gesellschaft: keine Erzählungen aus einer exotisierten Fremde, sondern kenntnisreiche Einblicke in Veränderungen, die in Gesellschaften erfolgen, mit denen Österreich durch Geschichte und Gegenwart verbunden ist. Beim ersten Vortrag spricht:

Erich Klein: Lieben muss man Russland nicht, verstehen kann man’s schon …

Der Russlandkenner Klein sagt: „Russlandexperten zeichnen sich durch eines aus – sie wissen alles besser. Etwa, dass Putin eine Gefahr für Europa und den Weltfrieden darstellt. Oder, dass es sich eigentlich ganz anders verhält. Mein Russlandbild seit der ersten Sowjetunionreise im Jahr 1980 besteht darin, keines haben zu wollen. Gegen alle Evidenz! Ich werde von einigen Begegnungen und Gespräche mit offiziellen Sowjetkünstlern, Fotografen des  2. Weltkriegs, Gulag-Überlebenden und Dissidenten im Lauf der letzten 25 Jahre erzählen; außerdem vom Übersetzen diverser AutorInnen wie Dmitrij Prigov, Ol’ga Sedakova oder Zachar Prilepin, Russlands aktuellem ‚Schriftsteller Nummer 1‘. Und wo – mag man einwenden – bleibt dabei die Moral? Darauf entgegne ich: Muss ich, nur weil ich mich für das Land interessiere, schon an Russland glauben, wie es im Gedicht heißt? Es gar lieben? Ich bin mir da nicht so sicher. Allerdings weiß auch ich einige Dinge besser: Moskau ist schöner als Petersburg, Tolstoj wichtiger als Dostoevskij, Buchweizen schmeckt besser als Kaviar, ja – und den Kreml habe ich gesehen …“

Erich Klein (geb. 1961 in Altenburg/N.Ö), Dr. phil., Übersetzer und Publizist, Redakteur der Literaturzeitschrift Wespennest. Regelmäßige Beiträge in den Ö1-Sendungen Diagonal, Ex libris, Kontext. Organisation von Literaturveranstaltungen (u.a. „Literatur im Herbst“ in der Alten Schmiede, Wien), Publikationen: Die Russen in Wien – die Befreiung Österreichs (1995), Denkwürdiges Wien: Denkmäler der 1. und 2. Republik (2004); Graue Donau – schwarzes Meer (2008, mit C. Reder) Herausgeber: Europa erlesen: Moskau (1998), Europa erlesen: St. Petersburg (1999), Übersetzungen:  Alexander Pjatigorskij: Philosophie einer Gasse (1997), Gennadij Ajgi – Werke, Band 2 (u.a. 2000) Kaukasus – Verteidigung der Zukunft (u.a. 2001), Olga Sedakova: Reise nach Brjansk (2002 mit V. Jäger) Alexander Pjatigorskij. Erinnerung an einen fremden Mann (2001), Dmitrij Prigow: Lebt in Moskau (2003 mit S. Macht); Zakhar Prilepin: Sankya (2012 mit S. Macht); Boris Chersonskij: Familienarchiv (2010/2014 mit S. Macht)

Auszeichnungen: Österreichischer Staatspreis für Literaturkritik (2014), Preis der Stadt Wien für Publizistik (2014)

Mittwoch, 11. März 2015, Unipark Nonntal, Hörsaal Anna Bahr-Mildenburg, 19:30  

Einladung
Foto: Einladung | © PLUS

 

Foto: (orthodoxe Priester in Reihe und Polizist) : Pavel Prjanikov
Foto: (orthodoxe Priester in Reihe und Polizist) | © Pavel Prjanikov