20.03.2015

Salzburger Psycholog/innen führen erste gesamtösterreichische Konsumentenstudie zur Wirksamkeit von Psychotherapien durch

Wie gut helfen Psychotherapien in einer seelischen Notlage? Gibt es Unterschiede in der Effektivität der Methoden? Worauf kommt es an, dass eine Behandlung nützt? Bisher fehlen in Österreich dazu Daten. Salzburger Psycholog/innen haben daher eine Studie zur Wirksamkeit von Psychotherapien aus Patientenperspektive gestartet. Eine dazu gehörige Pilotstudie ist bereits abgeschlossen.

In spätestens zwei bis drei Jahren sollen die Ergebnisse aus der Befragung  von etwa tausend Teilnehmer/innen vorliegen. Projektleiter der anonymen online Befragung  von ehemaligen Psychotherapie-Patienten und -Patientinnen ist Anton-Rupert Laireiter, Professor für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Salzburg.  Die Studie ist unter folgendem Link erreichbar:  http://befragung.sbg.ac.at/index.php/296856/lang-de.

Die Salzburger Psycholog/innen führen die retrospektive Befragungsstudie  in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, u.a. auch der Salzburger Gebietskrankenkasse, durch. In einem ersten Schritt wurden daher Daten aus Salzburg erhoben, in einem weiteren wird die Studie auf ganz Österreich ausgedehnt.

Kognitive Verhaltenstherapie, systemische Familientherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie, klientenzentrierte Psychotherapie, Existenzanalyse , katathym- imaginative Psychotherapie etc. In Österreich gibt es  momentan 22 anerkannte  Psychotherapiemethoden. Doch welche empfiehlt sich bei welchem seelischen Leiden?  Hilft bei Ängsten oder Depressionen eine andere Methode besser als bei  Essstörungen oder Zwängen? Wie lang soll eine Psychotherapie im Idealfall dauern? Welche Konstellationen machen eine Therapie in der Praxis besonders erfolgreich? Das wollen die Salzburger Psychologen in einer retrospektiven Befragungsstudie untersuchen.  Die Vorbereitungen dazu wurden bereits 2012 gestartet.

Mit Unterstützung der Salzburger Gebietskrankenkasse wurden an 16.000 Salzburger/innen, die bereits eine oder mehrere Psychotherapien abgeschlossen haben, umfangreiche Fragebögen verschickt.  „Im Fokus steht das Therapie-Ergebnis. Wir haben Personen, bei denen die Therapie mindestens drei Monate bis max. sechs Jahre zurücklag, um eine retrospektive Einschätzung ihrer Befindlichkeit zu Therapie-Beginn  und zu Therapie-Ende gebeten. Außerdem haben wir sie nach ihrer gegenwärtigen Lebenszufriedenheit sowie zum Beispiel auch nach ihrer beruflichen Belastbarkeit gefragt und ob sie ihre Therapieziele erreicht haben“,  erklärt Projektleiter Anton-Rupert Laireiter.  

Eine Pilotstudie mit 52 Teilnehmer/innen, durchgeführt von Theresa Ferstl, ist  bereits abgeschlossen und belegt die Durchführbarkeit des Ansatzes.  Aus dieser Studie liegen bereits Zwischenergebnisse aus dem Vergleich zweier Therapiemethoden, der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) und der Systemischen (Familien)Therapie (SFT) vor.  Demnach punktet die KVT  vor allem bei der Behandlung von ängstlichen und depressiven Patienten, während die SFT bei Beziehungsstörungen, Stress und Burnout besser abschneidet.

Mit Spannung erwarten die Salzburger Psychologen für Ende 2015 die Datenauswertung  von weiteren 300 Studienteilnehmer/innen aus Salzburg. Diese wird im Rahmen der Doktorarbeit von Jörg Sommerfeld erfolgen.

Anton- Rupert Laireiter erklärt, warum er die retrospektive Patient/innenbefragung als Methode  gewählt hat: „Unser Ziel ist es, mit  einem praxistauglichen Instrumentarium zu klären, worauf es ankommt, dass eine Psychotherapie wirkt. Bisher gibt es  keine Möglichkeit, diese Frage mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu beantworten.  Als Goldstandard gelten in der Forschung die sogenannten  „randomisierten kontrollierten Studien“.  Aber diese sind teuer und auf naturalistische Settings nur sehr schwer anwendbar“, kritisiert Laireiter. In randomisierten kontrollierten  Studien werden Patient/innen per Zufallsprinzip verschiedenen Therapeut/innen zugeteilt, die verschiedene Methoden vertreten. Die Praxis schaut meistens anders aus. Patient/innen suchen Therapeut/innen vorwiegend nach Sympathie und zugeschriebenem Expertenstatus aus. 

Kontak
 http://befragung.sbg.ac.at/index.php/296856/lang-de