10.10.2016

GESUNDHEITSVORSORGE AUF DEM WEG ZUR ARBEIT?

Erstmals erhebt ein interdisziplinäres Forscherteam aus Medizinern, Geoinformatikern sowie Mobilitäts- und Verkehrsexperten gemeinsam den gesundheitlichen Effekt, den Bewegung auf dem Arbeitsweg hat. Anhand eines web-basierten Informationstools werden sich Einzelpersonen und Betriebe in Zukunft berechnen lassen können, wie sich Fahrradfahren oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf die Gesundheit auswirken.

Die zahlengestützten Empfehlungen aus dem Projekt sollen dazu ermutigen, das Potenzial des Arbeitsweges im Rahmen der Gesundheitsvorsorge stärker zu nützen.

Bisher konnten Radfahrer mittels Web-Anwendung die optimale Route abrufen, die die geringste Distanz zwischen Arbeitsort und Wohnort aufweist und über die sie am schnellsten zum Ziel kommen. Die geplante Webplattform soll diesen Nutzen um einen gesundheitlichen Aspekt erweitern.

Ziel des auf zwei Jahre angelegten und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft unterstützten Forschungsprojektes GISMO (Geographical Information Support for Healthy Mobility) ist es, Bediensteten anhand der Plattform zahlengestützte Empfehlungen zu geben, wie sie durch Bewegung auf dem Weg von und zur Arbeit ihre Gesundheit verbessern können. Die Plattform richtet sich zudem an Unternehmen, die daraus Empfehlungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement erhalten.

Für das Projekt bringt der Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS an der Universität Salzburg ein interdisziplinäres Forscherteam zusammen: das Universitätsinstitut für präventive und rehabilitative Sportmedizin der Salzburger Landeskliniken (SALK) beteiligt sich ebenso wie das Research Studio iSPACE, die TraffiCon GmbH (beide aus Salzburg), das Herzzentrum des Universitätsspitals Zürich und die HerryConsult GmbH aus Wien. Die verschiedenen Fachdomänen werden in diesem Projekt erstmals ihr Know-how aus der aktuellen Forschung miteinander verknüpfen.

Zahlengestützter Vergleich der Mobilitätsformen verdeutlicht Wirkung

Der Vorteil der geplanten Plattform liegt darin, dass der gesundheitliche Effekt in Zahlen ausgedrückt werden kann und damit konkret fassbar ist. Die Ergebnisse lassen Vergleiche zu, welche Mobilitätsform welche gesundheitlichen Effekte hat. Ein Beispiel: Ein 40jähriger Mitarbeiter wohnt drei Kilometer von seinem Arbeitsort entfernt. Der Radweg zwischen Wohn- und Arbeitsort verläuft topographisch über einige Anhöhen. Er kann den Weg mit dem Auto, dem Bus (inklusive Gehweg) oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Plattform rechnet für ihn aus, welchen gesundheitlichen Vorteil er daraus zieht, wenn er sich für das Fahrrad entscheidet.

Für den Arbeitgeber könnte ein ähnliches Szenario bedeuten: Das Unternehmen eruiert mithilfe der Plattform, welchen gesundheitlichen Effekt der Aufbau eines Fahrradpools aus Sicht des Unternehmens hätte – etwa dann, wenn jenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Fahrräder zur Verfügung gestellt werden, die darauf umsteigen wollen.  

„Das Projekt GISMO ermöglicht, den tatsächlichen gesundheitlichen Nutzen quantitativ darzustellen“, so Martin Loidl, Projektleiter am Z_GIS, „dazu werden die räumliche Lage von Wohn- und Arbeitsort sowie die infrastrukturelle Erschließung miteinbezogen. Daraus werden schließlich Empfehlungen abgeleitet. Unser Ziel ist es, das Potenzial des Arbeitsweges für die Gesundheitsvorsorge mithilfe geographischer Informationssysteme messbar zu machen und zu veranschaulichen – und damit Einzelpersonen ebenso wie Unternehmen in der Prävention zu unterstützen.“

Daten fließen in integrierte Informationsplattform ein

Zur Datenerhebung werden in einem ersten Schritt ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Salzburger Landeskliniken als Probanden sportmedizinisch untersucht – einmal vor dem Umstieg auf den aktiven Weg zur Arbeit und ein zweites Mal zwölf Monate später. Die Daten aus diesen Erhebungen lassen die Forschungspartner in eine integrierte Informationsplattform einfließen.

Kurzprofil Fachbereich Z_GIS der Universität Salzburg

Der Interfakultäre Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS der Universität Salzburg hat sich in den 25 Jahren seines Bestehens in Österreich und auf internationaler Ebene als Kompetenzzentrum im Bereich der Geoinformatik etabliert. Der Fachbereich forscht interdisziplinär und verbindet innovative Grundlagenforschung mit erfolgreicher angewandter Forschung. Dieses Zusammenspiel bildet die Basis für führende postgraduale Studien sowie die Vermittlung von Wissenschaft in der Öffentlichkeit. Z_GIS ist mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft, mit öffentlichen Organisationen und NGOs weltweit vernetzt. Mit der räumlichen Perspektive leistet Z_GIS einen wesentlichen Beitrag zu Problemlösungen in Natur- und Sozialwissenschaften, Technik und Management.

Bildmaterial: Z_GIS

Foto: © Z_GIS  

Kontakt: Mag. Maria Graffius IFFB Geoinformatik Z_GIS | Universität Salzburg