12.12.2016

Licht von Handy und Laptop stört den Schlaf

An den Einschlafproblemen vor allem junger Menschen könnten die modernen Bildschirme von Smartphones, Tablets oder Laptops mit schuld sein. Die starken Blauanteile des Lichts, mit dem Leuchtdioden (LEDs) diese Geräte beleuchten, machen nämlich munter. Das zeigen Untersuchungen des Schweizer Schlafforschers Christian Cajochen. Am Freitag, 16. Dezember um 15 Uhr ist Cajochen auf Einladung des Fachbereichs Psychologie und der Salzburger Gesellschaft für Psychologie zu Gast an der Universität Salzbu

Titel seines Vortrags: „LED sorgt für Licht und Schatten. Der Blaulicht-Anteil macht deutlich aktiver, verändert aber auch den Schlaf-Wach-Rhythmus“.

Vor dem Schlafengehen noch zum Smartphone oder Laptop greifen, Mails und die Facebook-Seite checken, chatten etc. Danach ist die Müdigkeit oft wie weggeblasen, es hapert mit dem Einschlafen. Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel hat in etlichen Untersuchungen nachgewiesen, dass es dabei einen Zusammenhang mit der LED Beleuchtung gibt.

Leuchtdioden haben im Vergleich zu älteren Bildschirmen einen sehr hohen Anteil an blauem Licht. Wobei unser Auge die Blaufärbung nicht wahrnimmt, wir empfinden das Bildschirmlicht als weißlich. „Computerspiele und allgemein der Gebrauch von Tablets bis spät in die Nacht sind ein Problem. Wer abends lange vor einem LED Bildschirm sitzt, verzögert seinen Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Dunkelhormon Melatonin, das die Schlafbereitschaft steigert, wird vor allem durch die starken Blauanteile des Lichts solcher Geräte unterdrückt und hindert den Körper, zur Ruhe zu kommen“, resümiert Cajochen die Ergebnisse mehrerer Studien.

In einem Experiment verglichen die Schweizer Forscher zum Beispiel den Einfluss zweier unterschiedlicher Bildschirm-Lichtquellen auf die innere Uhr von Versuchsteilnehmern. Die einen sitzen für fünf Stunden vor einem älteren Flachbildschirm mit Leuchtstoffröhren, die anderen vor einem Monitor mit LED Display, das dreimal so viel blaues Licht ausstrahlt.

Fazit: Das Licht der LED Bildschirme verzögert die Bildung des Schlafhormons Melatonin um rund eine Stunde. Das zeigten die Speichelproben, die die Forscher regelmäßig von den Probanden nahmen. Dass die Teilnehmer vor den LED Bildschirmen tatsächlich wacher waren als ihre Kollegen, bestätigten auch andere Messungen wie die der Herztätigkeit, der Hirnströme oder das Augenblinzeln. Versuche anderer Forschergruppen kamen zu ähnlichen Ergebnissen.

In einem anderen Experiment testete das Team um Christian Cajochen bei Schülern die Schutzwirkung einer Brille mit Blaulichtblocker. Die Messungen ergaben, dass nach einer Woche abendlicher Blaulichtblockade tatsächlich jene Jugendlichen mehr Melatonin im Speichel hatten, die eine Brille mit Blaulichtfilter getragen hatten, als die Teilnehmer mit filterlosen Brillen.

Blaulicht ist Licht mit einer Wellenlänge von 450 bis 480 Nanometer. Blaulicht signalisiert der inneren Uhr, dass es Tag ist. LED Monitore haben Blaulicht im Bereich von 460 Nanometer. Bestimmte Fotorezeptoren (Melanopsin) in der Netzhaut des Auges reagieren besonders empfindlich auf diese Wellenlänge. Melanopsin Rezeptoren gelten als wichtige Sensoren für die Einstellung der inneren Uhr. „Eine Blaudusche macht uns sehr schnell wach“, sagt Cajochen und rät: „Gehen Sie nicht „blau“ ins Bett.“ 

Umgekehrt ist das Blaulicht von Vorteil, wenn geistige Leistungsfähigkeit gefordert ist. Es hilft konzentrierter am Bildschirm zu arbeiten. So hatten Cajochens Versuchspersonen, die abends fünf Stunden vor den LED Bildschirmen verbrachten, im Vergleich mit jenen vor Computerbildschirmen mit konventioneller Beleuchtung eine um bis zu 20 Prozent schnellere Reaktionszeit, etwa bei einem Wortpaarlerntest.

Professor Dr. Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel, hat an der ETH Zürich studiert und promoviert. Anschließend war er 3 Jahre als Postdoc an der Harvard Medical School in Boston, USA. Cajochen erforscht den inneren Taktgeber in unserem Gehirn, der alle zeitlichen Prozesse im Organismus steuert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Untersuchungen zum Einfluss des Lichts auf die Wahrnehmung und das Denken, zirkadiane Rhythmen (Schlaf-Wach-Rhythmen) und Schlafstörungen, zirkadiane Störungen bei psychiatrischen Erkrankungen sowie altersbedingte Veränderungen der zirkadianen Regulation des Schlafs und des Verhaltens.

Veranstaltung:   Christian Cajochen: „LED sorgt für Licht und Schatten. Der Blaulicht-Anteil macht deutlich aktiver, verändert aber auch den Schlaf-Wach-Rhythmus“

Wann:  Freitag, 16. Dezember 2016, von 15 Uhr bis 16.30 Uhr Wo: Unipark Nonntal, Erzabt-Klotz-Straße 1, 5020 Salzburg, Hörsaal Thomas Bernhard

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