08.01.2016

NEUER AKTIONSPLAN DER UNO ZUR ARMUTSBEKÄMPFUNG. SALZBURGER ERFORSCHEN UMSETZUNGSPROZESS

Mit 1. Jänner 2016 treten die „Ziele nachhaltiger Entwicklung“ in Kraft. Mit dem neuen Aktionsplan will die Internationale Staatengemeinschaft bis Ende 2030 weltweit die Armut beseitigen, für Geschlechtergerechtigkeit sorgen und unseren Planten mit seinen natürlichen Ressourcen schützen.

Auch Österreich hat sich zur Erfüllung der ambitionierten Ziele verpflichtet. Salzburger Armutsforscher begleiten und erforschen die Umsetzungsprozesse österreichweit an vorderster Front. Ein Schwerpunkt ist die Kinderarmut.

Noch immer müssen weltweit Menschen hungern. Noch immer sterben Kinder an Krankheiten, die leicht zu verhindern wären. Noch immer besteht eine große Kluft zwischen Armen und Reichen. Millionen Menschen haben keine soziale Sicherung und keine medizinische Grundversorgung. Der Klimawandel ist für immer mehr Menschen existenzbedrohend. Seit im Jahr 2000 die UNO die „Millenniumsentwicklungsziele“ zur Armutsbekämpfung und zum Schutz des Planeten für zukünftige Generationen formuliert hat, konnten zwar einige Verbesserungen erzielt werden, aber große Herausforderungen bestehen weiterhin oder haben sich teilweise sogar verschärft.

Heuer laufen die für 15 Jahre anberaumten Millenniumsentwicklungsziele aus. Sie werden nun ab 1. Jänner 2016 durch die „Ziele nachhaltiger Entwicklung“ („Sustainable Development Goals“, kurz SDGs) ersetzt. Mit den „nachhaltigen Entwicklungszielen“ will die Internationale Staatengemeinschaft bis Ende 2030 die Armut beseitigen, die Bildung sichern, die Gleichstellung von Frauen vorantreiben, die Gesundheitsversorgung verbessern, nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern und dem Klimawandel entgegensteuern.

Um eine möglichst breite Zustimmung zu erhalten, leiteten die Vereinten Nationen im Jahr 2012 den größten Planungs- und Konsultationsprozess ihrer Geschichte ein. Was herauskam war ein rund 30 seitiger Zielkatalog mit dem Titel „Unsere Welt verändern. Progamm für eine Nachhaltige Entwicklung bis 2030“.  Das ehrgeizige Programm enthält 17 grundlegende Entwicklungsziele,  die in 169 Unterpunkten ausgeführt werden. Das oberste Ziel ist die Beendigung der Armut „in allen Formen und überall auf der Welt“.

Dazu zählt auch die Kinderarmut. Sie ist der Forschungsschwerpunkt des Philosophen Gottfried Schweiger vom Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg. „Ein großer Fortschritt der neuen nachhaltigen Entwicklungsziele gegenüber den alten Millenniumsentwicklungszielen  besteht darin, dass  sie  sich nicht nur auf die Entwicklungsländer beziehen, sondern auf alle Länder der Welt. Also auch auf Österreich. Österreich hat sich zur Umsetzung der Ziele freiwillig verpflichtet. Im Jahr 2014 lebten in Österreich immerhin 245.000 Kinder in armutsgefährdeten Haushalten. Wir werden sehr genau beobachten was in Österreich getan wird um die Kinderarmut zu beseitigen. Wir werden den Umsetzungsprozess wissenschaftlich begleiten und erforschen und unsere Stimme immer wieder erheben.“

Schweiger betont, dass es beim Problem der Kinderarmut meist nicht nur um die materielle Not geht sondern um sich gegenseitig verstärkende Benachteiligungen. Zum Einkommensnachteil kommen oft die soziale Ausgrenzung dazu sowie geringer Schulerfolg und Gesundheitsprobleme wie Gefährdung durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch. „Die Bekämpfung der Kinderarmut in Östereich muss daher über viele Politikbereiche gehen. Die Ganztagsschule wäre ein Element, das hilft soziale Benachteiligung zu beseitigen“. 

Das Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Uni Salzburg ist für Österreich  das Hauptquartier des weltweiten Akademischen Armutsforschungsnetzwerks ASAP (Academics Standing Against Poverty) und spielt eine Schlüsselrolle bei der Erforschung der Umsetzungsprozesse der Armutsbekämpfung. Das Akademische Armutsforschungsnetzwerk ASAP war auch bei der Formulierung der neuen UNO Entwicklungsziele involviert.

Neben der Kinderarmut setzt sich das Zentrum für Ethik und Armutsforschung  auch mit Formen der absoluten Armut auseinander. Wer mit weniger als 1, 25 Dollar am Tag auskommen muss gilt als absolut arm. „Die absolute Armut ist im Zunehmen begriffen. Bettelmigration und Obdachlosigkeit sind große Problembereiche. Auch wenn es oft um Menschen geht, die nur temporär in Österreich sind,  darf die Politik nicht auf sie vergessen“, mahnt Schweiger.

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Gottfried Schweiger | © Kolarik

Dr. Gottfried Schweiger

Zentrum für Ethik und Armutsforschung

Universität Salzburg

Mönchsberg 2a

Tel: 0662/8044-2570