07.04.2016

SALZBURGER STUDENT BEI „POLARSTERN“- EXPEDITION AUF HOHER SEE

Ein Wunschtraum, den weltweit sehr viele angehende und ausgebildete Biologen haben, ist für Philipp Wenta von der Universität Salzburg Wirklichkeit geworden: Als einziger Student einer österreichischen Universität war er im Spätherbst 2015 mit der „Polarstern“, dem berühmten und weltweit größten Forschungseisbrecher fünf Wochen lang auf hoher See unterwegs, und das bei einer Premiere.

Vom 29.10. – 2.12. 2015 ging das „schwimmende Labor“, wie das vom Alfred Wegener Institut (AWI) in Bremerhaven betriebene Schiff oft genannt wird, erstmals auf eine Ausbildungsfahrt mit Studierenden. Die Expedition führte von Norddeutschland nach Südafrika. 32 junge Männer und Frauen aus aller Welt lernten die Techniken meeresbiologischer und ozeanographischer Experimente kennen.

Die „Polarstern“ mit ihren inzwischen mehr als 50 Expeditionen in die Polargebiete ist nicht nur Meeresbiologen ein Begriff, sondern allen, die so wie Philipp Wenta großes Interesse an Schiffen haben. Der 118 Meter lange Eisbrecher, der bei seiner Jungfernfahrt im Jahr 1982 als „Luxusliner der Wissenschaft“ galt, dient der Erforschung der Polarmeere und der Versorgung der Forschungsstationen in der Arktis und Antarktis. An Bord hat das deutsche Schiff rund ein Dutzend Labore, die speziell für wissenschaftliches Arbeiten ausgerüstet sind. Auch ein Hubschrauberdeck und zwei Forschungs-Hubschrauber gehören zur Ausstattung.

Üblicherweise ist die „Polarstern“ im Polargebiet mit internationalen Forschergruppen tätig. Letztes Jahr fand erstmals eine Ausbildungsfahrt für Studierende statt, und zwar abseits der Polarregionen, von Bremerhaven nach Kapstadt. Das Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, das das Schiff betreibt, organisierte die „Floating Summer School“. Auf Facebook fand Philipp Wenta zufällig das entsprechende Inserat. Und bewarb sich sofort. Mit Erfolg. „Auf der „Polarstern“ dabei zu sein ist etwas ganz Besonderes. Das ist extrem begehrt. Darum beneiden einen auch etablierte Forscher“, weiß Wenta nun aus Erfahrung.

Unter knapp 500 Bewerbern war er einer der 32 Glücklichen, die vom 29. Oktober bis 2. Dezember 2015 kostenlos teilnehmen konnten an der „schwimmenden Sommerschule“, die von der Stiftung Mercator und der Nippon Foundation/POGO Centre of Excellence finanziert wurde. Dass der 29 Jährige ein gelernter Bootsbauer mit Berufserfahrung ist, dürfte für den gebürtigen Bayer aus Ruhpolding einer der Pluspunkte gewesen sein.

Statt der grauen Theorie im Hörsaal gab es knapp fünf Wochen lang die bunte Praxis auf hoher See. Es war eine sehr arbeitsintensive Zeit auf der 7.345 Seemeilen langen Fahrt, erinnert sich Wenta. 7.345 Seemeilen sind umgerechnet 13.604 Kilometer. Unter professioneller Anleitung wurden die jungen Frauen und Männer, die aus 19 Ländern und vier Kontinenten stammten, in den Techniken der Ozeanographie und Meeresbiologie geschult. „Wir haben zum Beispiel mit verschiedensten Messgeräten die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Wassers – wie den Salzgehalt, die Chlorophyll-Konzentration oder die Temperatur – untersucht. Dafür haben wir aus mehreren Tausend Metern Tiefe Wasserproben genommen. Das erfordert volle Konzentration“.

Am interessantesten waren für ihn, so Wenta, die Arbeiten mit dem Zoo-Plankton, den winzigen tierischen Organismen, die frei schwebend im Wasser leben. Sie nehmen eine Schlüsselrolle in aquatischen Ökosystemen ein und bilden zusammen mit dem Phytoplankton die Basis des marinen Nahrungsnetzes. „Damit beschäftige ich mich auch hier an der Uni Salzburg am meisten. Wir haben das tierische Plankton während der ganzen Fahrt mit Spezialnetzen aus dem Wasser gefischt und beobachtet, wie sich die Gemeinschaften verändern.“ Der wissenschaftliche Alltag bestand aus Probennahmen, der Aufarbeitung von Proben, dem Umgang mit den erhobenen Daten und – ganz wichtig – Improvisationstalent. „Wenn etwas fehlt oder kaputt ist, kann man ja nicht ins nächste Geschäft gehen und etwas kaufen“.

„Und natürlich lernt man in fünf Wochen auch viel über das Leben auf einem Schiff, über Teamarbeit und auch über sich selbst“, ergänzt Wenta. Er habe sich mit allen, auch mit Leuten von der Crew, sehr gut verstanden. „Wir sind eine richtige Polarstern-Family geworden.“ Und was war für ihn ein Highlight? „Für mich als Bootsbauer war ein Highlight, als sich im Golf von Biskaya mitten im Atlantik die „Polarstern“ und die „Gorch Fock“ begegnet sind. Wir haben uns zu gewunken. Ich habe schon als Kind Modelle von der „Gorch Fock“ gebaut und davon geträumt, sie einmal in natura zu sehen. Und dann gibt es tatsächlich dieses Rendevouz. Das berühmteste deutsche Forschungsschiff trifft auf das berühmteste deutsche Segelschulschiff. Das war für mich ein sehr emotionaler Moment.“

Die Erfahrungen sowie die internationalen Kontakte, die Philipp Wenta auf der „Polarstern“ geknüpft hat, eröffnen ihm nun interessante neue Chancen. „Mir ist klar geworden, dass ich beruflich in die Meeresbiologie gehen und dort bleiben möchte. Ich habe das Glück, dass ich vor kurzem ein Angebot erhalten habe, heuer wieder auf einem Forschungsschiff mitzufahren, auf der „Meteor“ an der westafrikanischen Küste, um dort meine Masterarbeit in einem von Prof. Stephen Wickham geleiteten Projekt zu schreiben. Ich hätte mir nie gedacht, dass von Salzburg aus so gute Wege in die Meeresbiologie mit Expeditionen auf Forschungsschiffen führen.“

Polarstern

Foto: Die jungen WissenschaftlerInnen vor der Polarstern | © Jaqueline Jerney