16.11.2016

UNI SALZBURG: WEINZIERL PREIS UND STIPENDIEN AN JUNGE WISSENSCHAFTLERINNEN VERGEBEN

Bereits zum achten Mal wurde der Erika Weinzierl-Preis für eine Abschlussarbeit sowie zwei Stipendien für Dissertationen aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung vergeben. Der Preis ging an Katharina Scharf für Ihre Masterarbeit über die Rolle der Frauen während des Nationalsozialismus in Salzburg.

Die Stipendien erhielten Sarah Dingler, die ihre Dissertation über die Unterrepräsentation weiblicher Abgeordneter in nationalen Parlamenten verfasst und Sonja Wimmer für ihre Arbeit über die Fairness psychologischer Tests bei Frauen und Männern.

gendup – Zentrum für Gender Studies und Frauenförderung der Universität Salzburg vergibt die Preise und Stipendien. Der Erika Weinzierl-Preis wird vom Frauenbüro Stadt Salzburg und vom Referat Frauen, Diversität, Chancengleichheit des Landes Salzburg gestiftet und ist mit EUR 2.000,– dotiert. Die Weinzierl-Stipendien wurden von der Abteilung Kultur, Bildung und Wissen der Stadt Salzburg gestiftet und sind mit je EUR 1800,– dotiert. Die feierliche Verleihung fand am Dienstag, dem 15. November 2016 in der Bibliotheksaula der Universität Salzburg statt.

Die Jury hat den Preis Frau Katharina Scharf für ihre Masterarbeit „Von “illegalen Kämpferinnen”, Kartoffelschaukochen und Krieg. Die Rolle der nationalsozialistischen Organisationen NS-Frauenschaft und Deutsches Frauenwerk in der Stadt Salzburg 1932-1945“ zuerkannt.

Die Historikerin Katharina Scharf setzt sich in ihrer Arbeit mit der Frage nach den Aufgaben- und Einflussbereichen vor und während des Nationalsozialismus in Salzburg auseinander. Mit ihrer Arbeit versucht sie einen Beitrag sowohl zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zu leisten als auch zu einer Aufarbeitung und einem Aufbrechen von Geschlechtersujets und tradierten Rollenzuweisungen beizutragen. Ausgehend von der Gewissheit, dass es keine homogene Gruppe „der“ Frauen gibt und auch nicht von „DER“ Frau im Nationalsozialismus gesprochen werden kann, legt sie den Fokus auf eine bestimmte Gruppierung, die Mitglieder der nationalsozialistischen Einrichtungen NS-Frauenschaft (NSF) und Deutsches Frauenwerk (DFW) in Salzburg, und berücksichtigt dabei auch Einzelschicksale mithilfe biographischer Betrachtungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Machtmöglichkeiten Salzburgerinnen in diesen Organisationen hatten und inwiefern sie sie nutzten.

Im Rahmen ihres Studiums und ihrer Mitarbeit bei dem mehrjährigen Projekt des Stadtarchivs – „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ – hat sie sich in mehreren Veröffentlichungen und Vorträgen mit der Geschichte Salzburgs in dieser Zeit beschäftigt. In ihrem Aufsatz „Auch der musische Student tut im Kriege seine Pflicht“ hat sie sich zum Beispiel mit der Rolle der Studierenden, speziell der Studentinnen, am Mozarteum Salzburg zwischen 1938 und 1945 auseinander gesetzt. Aktuell ist Scharf Universitätsassistentin am Fachbereich Geschichte im Kernfach Europäische Regionalgeschichte und arbeitet an ihrer Dissertation – einer vergleichenden Regionalstudie, in der sie die beiden Regionen Salzburg und Savoyen (Savoie, Haute Savoie) hinsichtlich ihres tourismusbedingten Transformationsprozesses im 19. und 20 Jh. untersucht.  Es ist ihr ein wichtiges Anliegen, in sämtlichen Forschungen und Arbeiten stets auch geschlechtergeschichtliche Perspektiven miteinzubringen und zu berücksichtigen.

Ein Erika Weinzierl-Stipendium erhielt Sarah Dingler für das Dissertationsprojekt „Recruitment Procedures of European Political Parties – Bottleneck to Women´s Representation?“ Bei dieser Arbeit untersucht sie die systematische, deskriptive Unterrepräsentation von weiblichen Abgeordneten in nationalen Parlamenten. Dabei stehen politische Parteien als Hauptakteure im Fokus ihrer Forschung. Im Detail analysiert Dingler, wie sich die Ausgestaltung der parteiinternen KandidatInnenrekrutierung auf den Anteil von Frauen auf Listenplätzen in nationalen Wahlen auswirken.

Sarah Dingler ist seit März 2015 Doktorandin am Fachbereich Politikwissenschaft und Soziologie. Im Bachelor studierte sie European Studies an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der staatlichen linguistischen Universität Nischnij Nowgorod, Russland. Sie absolvierte ihr Masterstudium in European Affairs an der Sciences Po Paris.

Ein zweites Stipendium ging an Sonja Wimmer für das Dissertationsprojekt „Effects of test and response format on psychometric characteristics of psychological achievement tests, considering test taker´s gender and personality traits”.

In ihrem Dissertationsprojekt an der Abteilung für Psychologische Diagnostik unter der Leitung von Prof. Dr. Tuulia Ortner beschäftigt sich Sonja Wimmer mit der Fairness von psychologischen Tests für unterschiedliche Geschlechter- und Personengruppen. Ihre empirischen Untersuchungen zum Einfluss des Antwort- und Testformats auf die Geschlechterfairness von Leistungstests, wie sie beispielsweise für die österreichische Zentralmatura und verschiedenste Aufnahmeverfahren verwendet werden, hat nicht nur hohe Bedeutung für die psychologische Forschung, sondern auch hohe Relevanz für den Alltag von SchülerInnen, Studierenden und Berufstätigen.

Sonja Wimmer, MSc ist Doktorandin der Naturwissenschaften am Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg. Sie schloss ihr Masterstudium Psychologie im Jahr 2015 mit Auszeichnung ab.

Benannt sind der Preis und die Stipendien nach Erika Weinzierl, einer der ersten Universitätsprofessorinnen Österreichs. Erika Weinzierl wurde am 12. Dezember 1969 zur ordentlichen Professorin für Österreichische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung für Zeitgeschichte an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg ernannt. Die renommierte Zeitgeschichtsforscherin Erika Weinzierl stellte sich auch wichtigen Herausforderungen wie dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassten Kirchengeschichte, die Widerstandsbewegung, Antisemitismus, Exil- und Migrationsforschung und auch die historische Frauenforschung.

Erika Weinzierl hat sich nicht gescheut, sensible politische Themen aufzugreifen und an die Öffentlichkeit zu tragen. Vor allem  aber setzte sie sich für eine umfassende und tabulose Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ein, stellte sich ebenso gegen die Atomrüstung und forderte eine humane Asyl- und Migrationspolitik. Erika Weinzierl war eine unerschrockene und unbeugsame Historikerin, sie ist ein Vorbild für exzellente und kritische Wissenschaft und für Zivilcourage im Leben.

Weinzierlpreis

Foto v.l.nr.: Vizerektorin Sylvia Hahn, Sarah Dingler, Katharina Scharf und Sonja Wimmer | © Neumayr/LEO