11.01.2016

WARUM EIN HÖHERER SCHOKOLADEKONSUM MEHR NOBELPREISTRÄGER HERVORBRINGT UND ANDERER STATISTISCHER UNSINN

Am 21. Jänner um 15 Uhr findet an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg ein Vortrag des Linzer Statistikers Andreas Quatember über Fehler bei der Vermittlung statistischer Daten statt.

Der Autor des Buches „Statistischer Unsinn. Wenn Medien an der Prozenthürde scheitern“ lädt zu einer kritischen und gleichzeitig amüsanten Tour durch falsche Schlagzeilen und unsinnige Interpretationen statistischer Ergebnisse ein. Untertitel des Vortrags: „Warum ein Viertel aller Studierenden alkoholabhängig ist, sich Schönheitsoperationen lebensverlängernd auswirken, höherer Schokoladekonsum mehr Nobelpreisträger erzeugt – und warum das alles blanker Unsinn ist“.

Ob man will oder nicht:  Statistiken sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Informationsgesellschaft. Denn um Daten zu erheben, zu analysieren,  interpretieren und darzustellen, sind statistische Methoden unverzichtbar. Von Aktienkursentwicklungen bis zu Weltranglistenplatzierungen. Wir alle bedienen uns der Statistik, ob bei Kundendaten-Auswertungen bei Amazon oder Preisaktionen im Supermarkt. Doch das Image der Disziplin ist denkbar schlecht. Der Volksmund behauptet hartnäckig, dass sich mit Statistik alles beweisen lässt, dass man keiner Statistik vertrauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat, dass die Statistik die höchste Steigerungsstufe der Lüge ist.  Woher kommt dieses Misstrauen?

Das Problem liegt nicht an der Methode, betont Andreas Quatember, Professor am IFAS Institut für Angewandte Statistik der Johannes Kepler Universität Linz sondern an der mangelnden Qualität bei der Anwendung der statistischen Methoden und der Vermittlung statistischer Daten. Einen Anteil daran haben Journalisten, wie Quatember seit Jahren an zahlreichen Beispielen aus Print- und Online-Artikeln vorwiegend österreichischer Medien beobachtet und dokumentiert. Immer unterhaltsam, nie überheblich. Die Fehler passieren aus einfachem Unverständnis, purer Schlamperei oder absichtlicher Manipulation.

Allerlei Unsinn kommt oft im Zusammenhang mit Prozentangaben heraus. Was  heißt etwa vierzig Prozent?  Auf die Frage antwortete etwa ein Großteil von Linzer Studierenden fälschlicherweise, dass vierzig Prozent so viel bedeute wie „jeder Vierte“. Und auch ein Printjournalist, der kürzlich über die Unzufriedenheit der Beschenkten mit Weihnachtspräsenten schrieb, ging wohl von derselben irrigen Annahme aus, wenn er einmal von „jedem Vierten“ und dann von „vier von zehn“ sprach. Unsinniges wird auch oft herausgelesen oder hineininterpretiert, wenn es um Vergleiche von Mittelwerten in tatsächlich aber nicht vergleichbaren Populationen geht („Lebensverlängernde Schönheitsoperationen“). Fehlschlüsse passieren außerdem oft bei statistischen Zusammenhängen zweier Merkmale, den sogenannten Korrelationen. Es ist – so Quatember – wichtig zu verstehen, dass es zwischen zwei korrelierten Merkmalen keine kausale Beziehung geben muss, wie oft suggeriert wird. Oder glaubt jemand wirklich, dass die Tatsache, dass es in manchen Gegenden einen eindeutigen statistischen Zusammenhang gibt zwischen der Storchenpopulation und  der Anzahl der neugeborenen Kinder, dass sich daraus schließen lässt, dass der Storch die Babys bingt? 

In dieselbe Kategorie fällt der statistische Zusammenhang zwischen dem pro Kopf Schokoladeverbrauch eines Landes und der Zahl der Nobelpreisträger, wie Quatember in seinem Buch Statistischer Unsinn (Springer 2015) beschreibt. „Die Schweiz steht beim Schokoladekonsum und beim Einheimsen von Nobelpreisen nach Bevölkerungsanteilen gleichermaßen an der Spitze. Die USA, Frankreich und Deutschland liegen im Mittelfeld, während China, Japan und Brasilien im unteren Teil der Liste landen… Liegt es vielleicht an den sogenannten Flavonoiden in der Schokolade, einer Gruppe von  sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, von denen einigen eine positive Wirkung auf die menschliche Kognition nachgesagt wird?“  Wohl eher nicht, meint  Quatember. Als Erklärung für den starken statistischen Zusammenhang sei es naheliegender einen gemeinsamen Einflussfaktor zu suchen, etwa den Wohlstand der Länder. Bei größerem Wohlstand wird mehr Schokolade konsumiert und auch die Forschungseinrichtungen solcher Länder werden besser ausgestattet. Ob Interpretationen der PISA- Studie oder Unfallstatistiken nach Sternzeichen – Quatember will sensibilisieren für statistische Sachverhalte  und Manipulationsversuche.

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Foto: Professor Andreas Quatember | © Margit Berger

Veranstaltungshinweis
Vortrag von Andreas Quatember „Statistischer Unsinn“.
Wann: Donnerstag, 21. Jänner 2016 um 15 Uhr
Wo: Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Salzburg, Hörsaal 414, Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg

Kontakt:

Univ.-Prof. Dipl.-Math. Dr. Arne Bathke, Fachbereich Mathematik, Hellbrunnerstraße 34, 5020 Salzburg