Am Montag, 4.10.2021, findet eine ganztägige Klausur der Abteilung statt.

Wir sind wieder am Di, 5.10., erreichbar.


 

If: 3_2021 – Frauen und Digitalisierung

Standpunkt

Kyoko Shinozaki, Univ.-Professorin „Sozialer Wandel und Mobilitäten“

Shinozaki_standpunkt_if-3 2021
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Digitalisierung und Mobilität: zweischneidiges Schwert für Geschlechterverhältnisse

In der Coronopandemie hat sich Homeoffice in vielen Berufen sehr schnell durchgesetzt, was Pendelzeiten reduziert hat. Dies könnte im Prinzip auch gut ausgebildete Familienväter ,,entlasten“, die sonst aufgrund langer Pendelzeit negative Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu beklagen hoben (AK, 2019). Endlich mehr gemeinsame, entschleunigte Zeit -,,happy family“ also? Aktuellen Studien zufolge hat bei heterosexuellen Paaren die Zeit für Kinderbetreuung, die berufstätige Frauen verbringen, insgesamt viel stärker zugenommen, auch wenn bestimmte Gruppen von Vätern, die etwa auf Teilzeit reduziert hoben, nun mehr Zeit für Kinderbetreuung aufwenden (Berghammer, 2020). Die Work-Life-Balance in Familien, die getrennt über nationalstaatliche Grenzen hinweg leben, stellt eine weitere Herausforderung dar. Migrantische Altenpflegerinnen, die in österreichischen Privathaushalten arbeiten, werden durch ihre Mobilität Hauptbrotverdienerinnen, während sie täglich Kontakte mit ihren Kindern, (Ehe-)Partnerinnen und -Partnern und Eltern über soziale Medien aufrechterhalten. Berichtet wurde in vielen Fällen die ,,Intensivierung“ der Fürsorgerolle der transnationalen Mütter, weil sie – nicht den gesellschaftlichen Geschlechternormen entsprechend – ihre Kinder im Heimatort zurücklassen. Nicht neutral sind auch Algorithmen, mit denen wir tagtäglich konfrontiert sind. Bekanntlich erkennen kommerzielle Gesichtserkennungssoftwares Gesichter von Frauen und Menschen mit nichtweißer Hautfarbe wesentlich ungenauer als die von weißen Männern. Neben der Frage der Objektivität der bereits eingesetzten Algorithmen für Gesichtserkennung fordern IT-Expertinnen und -Experten in den USA mehr Diversität bei Softwareentwicklerinnen und -entwicklern sowie Datenbanken, die die Algorithmen besser trainieren sollen (Buolomwini/ Gebru, 2018). Gerade bei neuen Berufen der Digitalisierung, in denen Frauen und Mädchen unterschiedlicher Herkunft ihre Karriere aufbauen können, ist dieses Thema auch in Österreich wichtig.

Zum Thema

Laura Ratusznik, Bachelor Soziologie, ob Oktober Masterstudium Soziologie an der Universität Salzburg

Frauen Digitalisierung - Zum Thema - L. Ratusznik
Frauen Digitalisierung – Zum Thema – L. Ratusznik

Die zunehmende Digitalisierung macht es für mich möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. Das hat einen enormen Vorteil für mein Zeitmanagement. Durch die zunehmende Digitalisierung in vielen Bereichen ist man örtlich ungebundener und flexibler. Auch im Studium geht mit der zunehmenden Digitalisierung eine gewisse Flexibilität einher. Für mich gibt es aber auch einige Nachteile. Die örtliche Trennung von Arbeit und privat verschwindet und auch die sozialen Kontakte, die man vorher an der Universität oder in der Arbeit hatte, minimieren sich dadurch.

lnes Fingerlos, Bachelorstudium Soziologie im sechsten Semester, Masterstudium beginnt im Oktober

Frauen  Digitalisierung_Zum Thema_Ines Fingerlos
Frauen Digitalisierung_Zum Thema_Ines Fingerlos

Als Pendelstudierende und dreifache Mutter ermöglichen mir die Bestrebungen der Uni, Lehrveranstaltungen im Hörsaal und online anzubieten, hoffentlich auch in regulären Semestern mehr Flexibilität. Allerdings haben die drei Distanzlehre-Semester eindrucksvoll bestätigt, dass nicht alles digitalisiert werden kann. Die Qualität der Präsenzlehre übertrifft die Onlinelehre haushoch, besonders wenn es um Diskussionen, Nachbesprechungen am Gang und den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen geht. Bei meinem nach dem Studium angestrebten Job und meinem Wohnort mehr als 100 Kilometer vom Ballungsraum entfernt ist die Digitalisierung eine Chance, den Lebensmittelpunkt im ländlichen Raum beizubehalten und trotzdem meiner Qualifikation entsprechend flexibel arbeiten zu können.

Lucia Wöß, Bachelorstudium Soziologie im vierten Semester

Frauen  Digitalisierung - Zum Thema - Lucia Wöß
Frauen Digitalisierung – Zum Thema – Lucia Wöß

Digitalisierung bedeutet für mich die Möglichkeit, immer und überall studieren und arbeiten zu können. Die Herausforderung besteht jedoch darin, genau das nicht zu tun. Als junge Frau, die sich am Übergang zwischen Ausbildung und Berufsleben befindet, habe ich das Gefühl, mit einer Unmenge an neuen Anforderungen konfrontiert zu sein. Trotz all der Vorteile, die die Digitalisierung bietet, wünsche ich mich manchmal in eine weniger schnelllebige und vernetzte Welt zurück.


Informationen für Maturant*innen


 
 

Univ.-Prof. Dr. Beat Fux – Generations and Gender Surveys werden Teil der ESFRI-Roadmap

Foto von Univ.Prof. Dr. Beat FuxMit Beat Fux ist unsere Abteilung Teil eines Konsortiums, mit dem gemeinsamen Ziel der Planung, Durchführung und Auswertung des österreichischen Generations and Gender Panels im Rahmen des internationalen Generations and Gender Programms (GGP). Dieses Programm steht in einer langen Reihe soziodemographischer Strukturerhebungen, wie dem Princeton European Fertility Project (A.J. Coale und S.C. Watkins), dem World Fertility Survey (WFS) und dem Family and Fertility Surveys Projekt (FFS).

Das „Generations and Gender Programme“ (GGP) wurde 2000 von der UNO-Wirtschaftskommission (UNECE) als international vergleichende Panel-Studie konzipiert. 20 europäische und vier nicht-europäische Länder beteiligen sich derzeit mit nationalen Panels am Projekt, in deren Kontext einerseits repräsentative Daten zu individuellen Lebensverläufen (retrospektive Daten zur Berufs- und Ausbildungsbiographie, zur Familienbiographie (Geburten, Partnerschaftsverläufe) und zur Migrationsbiographie) und andererseits Längsschnittdaten (Panel) zu gender- und familienrelevanten Einstellungen und Werthaltungen bereit gestellt werden. Das Vorhaben liefert damit eine einzigartige sozialwissenschaftliche Infrastruktur zur Erforschung der Bevölkerungs- und Familiendynamik ( https://www.ggp-i.org/).

Am Konsortium unter der Federführung des Vienna Instituts of Demography (VID, ÖAW) beteiligen sich das Österreichische Institut für Familienforschung (Uni Wien), das Institut für Soziologie (Uni Wien), die Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaft (Uni Salzburg), das Institut für Volkswirtschaftslehre (Uni Linz) und das Department für Sozioökonomie (WU Wien). Weitere Infos finden sich hier:  https://www.ggp-austria.at  Vor Kurzem wurde das Projekt vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung in die ESFRI-Roadmap (European Strategy Forum on Research Infrastructures) aufgenommen und erhält damit das Gütesiegel einer hochkarätigen europäischen Forschungsinfrastruktur ( https://www.esfri.eu/about-esfri)