Fächerübergreifend denken – forschen – lehren

Ziel der 2016 gegründeten AG kooperierender KGWT-Fachdidaktiken ist die nachhaltige Vernetzung von Forschung und Lehre im Bereich der Kultur- und GeistesWissenschaftlichen sowie der philologischen und Theologischen Lehramtsstudien.


Forschungs- und Entwicklungsbereich 4:
Mehrsprachige Schule: Spracherwerb und gesamtsprachliche Bildung:

Schule ist eine „weithin versprachlichte Institution“ (Ehlich 2013), an der Sprachen nicht nur Gegenstand, sondern auch Medium des Lernens in allen Fächern sind. Dazu kommt, dass die Unterrichtsrealität heute durch mehrsprachige Schüler/innen geprägt wird, nicht nur in Österreich. Aufgrund ihrer familiären Situation und bisherigen Schulerfahrungen verfügen sie über unterschiedlich beschaffene sprachliche Ressourcen, die auch dialektale Varietäten einschließen können (innere Mehrsprachigkeit). Dem seit geraumer Zeit monierten Bildungsziel einer curricularen statt additiven Mehrsprachigkeit entsprechend (u.a. Krumm 2005), sollen diese individuellen Dispositionen von Schüler/innen sowohl in sprachlich-kultureller als auch in leistungsbedingter Hinsicht valorisiert, zusammengeführt und weiterentwickelt werden. Spracherwerbskonzepte, die sich auf rezente Ergebnisse der Mehrsprachigkeitsforschung stützen, für unterrichtsmethodische Verfahren fruchtbar zu machen, ist erklärtes Ziel der sprachenübergreifenden Kooperation der KGWT-Didaktiken (Schwerpunkt 4a). Dabei schafft das Verständnis von kommunikativer Kompetenz als reflektiertes Sprachhandeln in einer vielsprachigen und globalisierten Welt eine Verbindung zur Mehrsprachigkeit. Einem emanzipatorischen Bildungsbegriff folgend soll Lernenden die Teilhabe an einer Fülle von sozialen Handlungsräumen sowie die ganzheitliche Weiterentwicklung ihrer sprachlich-kulturellen Identität ermöglicht werden. Es geht darum, das gesamtsprachliche Repertoire der Schüler/innen evidenzbasiert voranzutreiben und dabei die Wirkkraft von Sprachkompetenz auf den verschiedenen Ebenen (Bildungserfolge, Identitätsentwicklung, soziale Erwartungen usw.) gleichermaßen miteinzubeziehen.
Da angehende Lehrpersonen häufig (noch) nicht ausreichend mit den Voraussetzungen und Prozessen des Sprachlernens und den mehrsprachigkeitsfördernden Verfahren vertraut sind, ist auch die empirische Erforschung lehrseitiger Kompetenzen, die ungeachtet der fachlichen Verankerung für die gesamtsprachliche Entwicklung der Schüler/innen notwendig sind, ein zentrales Thema (Schwerpunkt 4b). In der Aus- und Fortbildung wollen wir (angehenden) Lehrkräften daher keine einfachen Lösungen, sondern einen kritisch-reflektierten und innovativen Umgang mit sprachlicher Heterogenität vermitteln. Lerngelegenheiten, die den Aufbau eigener Mehrsprachigkeitskompetenz und sprachförderlicher Fähigkeiten ermöglichen, werden dabei an spracherwerbstheoretische und mehrsprachigkeitsdidaktische Inhalte gekoppelt.
Schließlich braucht es auch empirische Unterrichtsforschung zur Effizienz mehrsprachigkeits­didaktischer Konzepte und zwar in Bezug auf alle Teilkompetenzen, an denen Unter­richtserfolg heute festgemacht wird. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, Fachgruppen in den Schulen zu etablieren, in denen diese Konzepte im Sinne eines Design-Based-Research Ansatzes erprobt, empirisch untersucht und weiter entwickelt werden können (Schwerpunkt 4c).

Ehlich, Konrad (2013). Sprachliche Basisqualifikationen, ihre Aneignung und die Schule. Die Deutsche Schule 105(2), 199-209.
Krumm, Hans-Jürgen (2005). Von der additiven zur curricularen Mehrsprachigkeit: Über die Notwendigkeit der Einbeziehung von Minderheiten-, Migranten- und Nachbarsprachen. In: Hufeisen Britta & Madeline Lutjeharms (Hrsg.), Gesamtsprachencurriculum. Integrierte Sprachdidaktik – Common Curriculum. Tübingen: Narr, 27-36.