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Veröffentlicht am
September 29, 2026
Letzte Aktualisierung: September 29, 2026

Paracelsus im Fokus modernster Forschung

Interdisziplinäre Kooperation von Universität Salzburg und Salzburg Museum untersucht erstmals sterbliche Überreste und Museumsobjekte gemeinsam.

Mit dem Forschungsprojekt „CELSUS – Comprehensive Examination of the Legacy and Skeletal Remains of Paracelsus“ starten die Universität Salzburg und das Salzburg Museum gemeinsam eine umfassende Forschungskooperation. Im Fokus stehen neue Erkenntnisse zur historischen Persönlichkeit und zu den sterblichen Überresten des Arztes und Gelehrten Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493/94–1541). Sein Grab befindet sich am Sebastiansfriedhof in Salzburg.

Das interdisziplinäre Projekt zwischen dem Fachbereich Gerichtsmedizin der Uni Salzburg und dem Salzburg Museum, wird durch die Expertise der Freunde der Salzburger Geschichte ergänzt. Unter Einsatz moderner naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden sollen neue Erkenntnisse zu Biografie, Gesundheitsgeschichte und Bestattungskontext von Paracelsus gewonnen werden. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem wissenschaftlichen Abgleich eines im Salzburg Museum verwahrten, mutmaßlichen Knochenfragments von Paracelsus mit den Gebeinen im Paracelsus-Grabmal.

Forschung und Kooperation

Die geplanten Untersuchungen reichen deutlich über frühere Analysen hinaus und verbinden gerichtsmedizinische, bioarchäologische, toxikologische und molekularbiologische Verfahren in einem gemeinsamen Forschungsansatz. Das Projekt ist somit ein Paradebeispiel für zeitgemäße Interdisziplinarität, da Expert*innen aus den Bereichen Anthropologie, Archäologie, Biologie, Medizin und Geschichte zusammenarbeiten. Von medizinischer Seite wird mit den Mitteln der modernen Bildgebungsverfahren, wie Röntgen und Computertomographie gearbeitet. Weiters erfolgt eine morphologisch-anthropologische Befunderhebung: Dies bedeutet, dass die Gebeine untersucht und vermessen werden, um Rückschlüsse auf Größe, Krankheiten oder Geschlecht ziehen zu können. Unterstützt wird dieser klassische Ansatz durch eine Isotopenanalyse. Mit dieser Analyseform können die geografische Herkunft, die Aufenthaltsorte und die Ernährungsgewohnheiten eingegrenzt werden. Begleitet wird diese Untersuchung durch eine Radiokarbonanalyse, mit der das Alter der Gebeine verifiziert werden kann.

Mit der toxikologischen Untersuchung der Gebeine soll ergründet werden, ob die Person zu Lebzeiten diversen Giften oder Schwermetallen ausgesetzt war. Und schließlich kommen auch klassische molekularbiologische Werkzeuge zum Einsatz, um anhand von vielleicht noch vorhandener DNA weitergehende Einblicke zu gewinnen.

All diese Analyseformen bilden einzelne Mosaiksteine, die zusammenbetrachtet ein möglichst umfassendes Bild der Lebensrealität bzw. des Gesundheitszustands von Paracelsus ergeben sollen.

Besondere Bedeutung hat dabei die enge Kooperation zwischen universitärer Forschung und musealer Sammlungspraxis. Erstmals werden die im Paracelsus-Grabmal beigesetzten Gebeine gemeinsam mit einem im Salzburg Museum verwahrten, mutmaßlichen Halswirbel wissenschaftlich untersucht.

Öffentliche Vermittlung

Die Ergebnisse werden von den beteiligten Partnern gemeinsam wissenschaftlich publiziert und darüber hinaus in einem Ausstellungsraum des Salzburg Museum im Festungsmuseum öffentlich präsentiert.

Damit verbindet das Projekt bioarchäologische Analytik und Befunderhebung mit kultureller Vermittlung und schafft einen neuen Zugang zu einer der bekanntesten historischen Persönlichkeiten Salzburgs. Die Kooperation zeigt beispielhaft, wie Museen und Universitäten ihre jeweiligen Stärken bündeln können: Sammlungsbestände, historische Kontextualisierung und wissenschaftliche Hochtechnologie greifen hier unmittelbar ineinander.

Rahmenbedingungen

Die Umsetzung des Forschungsprojekts wurde in der Anfangsphase durch die Unterstützung bzw. die positiven Rückmeldungen der zuständigen Dienststellen des Magistrats, wie des Gartenamts der Stadt Salzburg, des Gesundheitsamts oder der SIG (Stadt Salzburg Immobilien GmbH), massiv erleichtert. Die beantragte temporäre Enterdigung erfolgte nach Genehmigungen des Bundesdenkmalamtes und des Eigentümers des Grabdenkmals (SIG) auf Grundlage des Salzburger Leichen- und Bestattungsgesetzes.  Die Arbeiten wurden am 6. Mai 2026 im Beisein von Vertretern des Gesundheitsamtes Salzburg und einschlägigen Fachexperten durchgeführt.

Dabei wurden erstmals sämtliche Arbeitsschritte von der Öffnung der Grabnische bis hin zur Öffnung der Grabkassette sowie die danach folgenden Untersuchungen durch Expert*innen des Salzburg Museum detailliert schriftlich und bildlich dokumentiert. Die entsprechende wissenschaftliche Untersuchung der Gebeine des Paracelsus war von der Ethikkommission der Universität Salzburg bereits am 16. Oktober 2025 genehmigt worden. Die Wiederbestattung der Grabkassette im Grabmal des Paracelsus am Friedhof von St. Sebastian erfolgte Mitte August 2026.

Erste belastbare Ergebnisse werden für das Frühjahr 2027 erwartet.


ANSPRECHPARTNER:

Universität Salzburg
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Jan Cemper-Kiesslich,
Abteilung Forensische Molekularbiologie | Gerichtsmedizin
Ignaz Harrer Straße 79 | 5020 Salzburg
E-Mail:
Tel.: +43 662 8044-3804

Salzburg Museum
Mag. Dr. Christian Flandera, Leiter der Sammlung Angewandte Kunst und Alltagskultur
Salzburg Museum GmbH
Mozartplatz 1 | 5010 Salzburg
E-Mail:
Tel.: +43 662 620808-160
Website:  salzburgmuseum.at

Historische Expertise Paracelsus-Gesellschaft Salzburg

Dr. Peter F. Kramml, Leiter Stadtarchiv Salzburg /
Haus der Stadtgeschichte i.R., Obmann der Freunde der Salzburger Geschichte
Hans-Webersdorfer-Straße 9, 5020 Salzburg
E-Mail:
Tel.: +43 699 10444940

Paracelsus Grab

Mag.a Susanna Graggaber

stv. Abteilungsleitung | Presse | Veranstaltungsorganisation

Universität Salzburg | Universitätskommunikation

Sigmund-Haffner-Gasse 18/II | 5020 Salzburg | Austria

Tel: +43 662 8044-2027

E-Mail an Mag.a Susanna Graggaber

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