Sexuelle Belästigung
Definition
Sexuelle Belästigung bezeichnet Handlungen, die das körperliche und sexuelle Selbstbestimmungsrecht einer Person verletzen. Der Begriff umfasst alle unerwünschten, sexuellen und grenzüberschreitenden Handlungen, Bemerkungen oder Gesten.
Wichtig: Es geht um Macht und Machtverhältnisse, nicht um konsensualen Sex oder Sexualität!
Formen von Sexueller Belästigung
- Verbale Belästigung: Kommentare, Witze oder Anspielungen mit Bezug zu Geschlecht, Körper/körperlichen Attributen, Kleidung oder sexuellen Handlungen.
- Nonverbale Belästigung: Aufdringliche Blicke, Gesten oder das Zeigen sexualisierter Inhalte.
- Körperliche Belästigung: Unerwünschte Berührungen oder Annäherungen.
- Digitale Belästigung: unerwünschte Nachrichten, Bilder, Aufforderungen zu Nacktfotos oder explizite Kommentare.
Es gibt keine örtlichen Einschränkungen für sexualisierte Gewalt. Übergriffe können am Arbeitsplatz gleichermaßen wie im Studienalltag oder im privaten Umfeld stattfinden.

Tipps für Betroffene
Sie haben sexuelle Belästigung im Unialltag erlebt?
Hier finden Sie Tipps, was Ihre nächsten Schritte sein können: Setzen Sie aktiv erste Schritte: Tipps für Betroffene
Hier finden Sie Anlaufstellen, an die Sie sich wenden können.
- Beratungen finden vertraulich statt
- Es werden keine Schritte ohne Ihre Zustimmung gesetzt
Sie haben sexuelle Belästigung beobachtet bzw. Ihnen wurde von sexueller Belästigung berichtet?
Als Active Bystander können Sie sicher und situationsangemessen eingreifen und so betroffene Personen unterstützen: Tipps für Active Bystander
Lehrende sind of die ersten Ansprech- und Vertrauenspersonen für Studierende. Hier finden Sie Tipps für die Gesprächsführung und den Umgang mit herausfordernden Situationen: Empfehlungen für Lehrende
Als Führungskraft kommen Ihnen besondere Aufgaben und Pflichten zu, wenn es um Vorfälle von sexueller Belästigung geht. Genauere Informationen und Tipps für die Gesprächsführung finden Sie hier: LINK
In jedem Fall empfiehlt es sich Berichte oder Erlebtes zu dokumentieren: Vorlage Gedächtnisprotokoll

Fallbeispiele
„Zwischen beruflichem Auftrag und privatem Kanal“
Lisa, eine wissenschaftliche Projektmitarbeiterin, arbeitet befristet am Fachbereich XY.
Nach einer gemeinsamen Lehrveranstaltungsorganisation beginnt der Fachbereichsleiter Dr. M., Lisa wiederholt außerhalb der Arbeitszeit per WhatsApp zu schreiben („So engagierte Kolleginnen wie Sie sind selten – trinken wir heute noch etwas?“). Gleichzeitig macht er bei Team-Meetings Bemerkungen über ihr Aussehen. Lisa reagiert höflich-distanziert und verweist auf die Arbeit.
Auf einer dienstlichen Tagung (Dienstreise) sucht Dr. M. spätabends in der Hotellobby Lisas Nähe, setzt sich dicht neben sie und berührt „wie zufällig“ ihre Schulter. Als sie klar ablehnt, deutet er an, ihre befristete Vertragsverlängerung „hänge auch von Teamharmonie“ ab. Lisa reist verunsichert ab.
Dr. M. schickt in den folgenden Tagen abends Nachrichten mit Herz‑Emojis und Anspielungen auf das Tagungswochenende.
Lisa dokumentiert die Vorfälle, spricht mit einer Vertrauensperson und informiert den AKG.
Grenzüberschreitungen im Kontext eines beruflichen Kontaktes
- Dienstreise/Tagung: Annäherungen, „zufällige“ Berührungen → Belästigung im Arbeitskontext
- Anspielungen in der Hotellobby im Rahmen einer beruflichen Veranstaltung → Belästigung im Arbeitskontext
- Nachrichten an private Nummern mit beruflichem Bezug (Hierarchie, Vertragsverlängerung, Anbahnung in der Arbeit) → Belästigung im Arbeitskontext, auch wenn der Kanal „privat“ ist.
Beispiele für privaten Kontakt
- Private Treffen ohne Bezug zur Arbeit und ohne Macht- oder Abhängigkeitsbezug
- Gegenseitiges, freiwilliges Dating zwischen gleichrangigen Mitarbeitenden
- Kein Bezug zu Beurteilung/Vertragslage

Ressourcen
Grauzonen gibt es nicht
Sara Hassan & Juliette Sanchez-Lambert
Ist das noch ein Flirt oder ist das schon ein Übergriff? Das ist eine Grauzone, das kann doch kein Mensch beurteilen! Mit diesem Mythos räumt das Buch „Grauzonen gibt es nicht“ auf. Es beschreibt das „Red Flag System“ — ein Alarmsystem, das sexuelle Belästigung auch in Grauzonen frühzeitig erkennt.Das Buch baut auf dem gesammelten Wissen von Betroffenen auf und beschreibt, was alles vor sich geht, wenn Menschen ihre Macht missbrauchen. Es gibt Betroffenen aber auch Beobachter_innen Instrumente in die Hand, um Machtmissbrauch rechtzeitig zu erkennen und dagegen entschlossen aufzustehen.
Grenzen erkennen – benennen – setzen.
Neu bearbeitete, abgeänderte und aktualisierte Neuauflage.Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen der Universität Salzburg & Universität Mozarteum Salzburg (Hg.) Salzburg 2024.
Gender-based violence and its consequences in European Academia FIRST RESULTS FROM THE UNISAFE SURVEY 7. November 2022
Informationsmaterial und eine Übersicht über die rechtlichen Grundlagen bietet die Gleichbehandlungsanwaltschaft und die Arbeiterkammer.