Angekündigte Budgetkürzungen für die österreichischen Universitäten und deren Auswirkungen
Die Bundesregierung hat die österreichischen Universitäten am vergangenen Montag darüber informiert, dass sie eine massive Kürzung des Universitätenbudgets plant. Die Kürzung soll in einer bisher beispiellosen Höhe erfolgen – nicht nur durch das Einfrieren des derzeitigen Budgets und eine Nicht-Abgeltung von Kostensteigerungen, darüber hinaus soll eine volle Milliarde vom aktuellen Budget gekürzt werden.
Die Ausgangslage der laufenden Leistungsvereinbarungsperiode 2025 bis 2027 sind 16,5 Milliarden Euro inklusive Ärzt*innengehälter an den Universitätskliniken. Die Universitäten hatten moderat auf Basis der WIFO-Prognosen errechnet, dass es in der kommenden Leistungsvereinbarungsperiode 2028 bis 2030 einen Bedarf von 18 Milliarden gibt, nur um Kostensteigerungen abzufangen. Mit Rücksicht auf die ernste Lage des Bundeshaushalts hatten die Universitäten auf Offensivforderungen verzichtet.
Die angekündigte Kürzung des Universitätenbudgets auf 15,5 Milliarden Euro ist in ihrer Dimension beispiellos und bedeutet ein Minus von sechs Prozent gegenüber der Ausgangsbasis sowie ein Minus von 2,5 Milliarden oder rund 14 Prozent gegenüber dem tatsächlichen Finanzierungsbedarf.
Im Rahmen ihrer Sparmaßnahmen will die Bundesregierung im Doppelbudget 27/28 rund 2,5 Milliarden Euro einsparen. Im Vergleich dazu ist die Einsparung bei den Universitäten von 2,5 Milliarden in drei Jahren absolut unverhältnismäßig. Der Anteil der Unis am Gesamtbudget beträgt vier Prozent, aber die Beträge entfalten an den Universitäten verheerende Wirkung.
„Das ist ein Offenbarungseid, welchen Stellenwert diese Bundesregierung den Universitäten einräumt“, sagte heute uniko-Präsidentin Brigitte Hütter. Es sei „ernüchternd“ und „enttäuschend“ gerade von dieser Regierung mit einem derartigen Vertrauensbruch konfrontiert zu werden. „Sie hat sich als ‚safe haven‘ für Wissenschafter*innen präsentiert, die vor Trump fliehen. Nun ist sie nicht einmal für die heimischen Unis ein sicherer Hafen.“
Wie in der Wirtschaft sind gerade auch in der Wissenschaft Verlässlichkeit und langfristige Finanzierungen Voraussetzungen für den Erfolg. Aus diesem Grund spielt auch die Planungssicherheit im Universitätsgesetz eine große Rolle. Das UG, die Autonomie der Universitäten, sind eine Erfolgsgeschichte, um die Österreich im europäischen Kontext vielfach beneidet wird. Die Budgetpläne sind auch vor diesem Hintergrund ein mehr als herber Schlag, und es wird lange dauern, sich davon zu erholen. Während von Seiten der Europäischen Kommission aktuell versucht wird, das Budget für Wissenschaft und Forschung zu verdoppeln, jedenfalls massiv zu erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird den österreichischen Universitäten im Zuge der Budgetinformation wörtlich mitgeteilt: „Wissenschaft und Forschung sind keine Schwerpunkte dieser Bundesregierung.“
Dazu uniko-Präsidentin Hütter: „Dann sind Investitionen in die Zukunft, die Ausbildung von Fachkräften, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft sowie Forschung zur Lösung von drängenden Problemen wie dem Klimawandel kein Schwerpunkt dieser Bundesregierung.“
Die Expertinnen und Experten in den Universitäten haben sich am gestrigen Dienstag mit den gravierenden Folgen der Kürzungspläne auseinandergesetzt und errechnet, was sie bedeuten.
Die Finanzierungslücke trifft den wissenschaftlichen Nachwuchs und das Personal.
700 Mio. € im Jahr bedeuten eine Kürzung um rund 20 Prozent des Personals, damit kann jede fünfte Person nicht mehr beschäftigt werden.
Die Betreuungsverhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden sind eine Grundvoraussetzung guter Studienqualität und werden auch in einigen wichtigen Rankings bewertet. Bezogen auf „Professor*innen und Äquivalente“ würde die geplante Budgetkürzung eine Reduktion von insgesamt 1.000 Vollzeitarbeitsplätzen bedeuten. Das Betreuungsverhältnis würde dadurch von derzeit 1:34 auf 1:42 steigen. Dieses konterkariert die Ziele des Wissenschaftsministeriums im österreichischen Hochschulplan 2030. Dort ist ein Zielwert von 1:35 vorgegeben.
Die Finanzierungslücke trifft den Arbeitsmarkt
Verlängert sich die Studiendauer um ein zusätzliches Jahr, hat das weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Wertschöpfung. Absolvent*innen treten dadurch später in den Arbeitsmarkt ein, wodurch Fachkräfte fehlen. Allein im Wintersemester 2025 betrifft dies knapp 40.000 Absolvent*innen, die infolge der Studienverlängerung dem Arbeitsmarkt erst ein Jahr später zur Verfügung stehen würden.
Auswirkungen am Beispiel der Universität Wien
Das Jahresbudget der Universität Wien beträgt rund 800 Millionen Euro. Müsste sie die Einsparungen allein tragen, müsste sie drei Jahre zusperren. Würde man bei der Universität Wien die ganze Einsparung aufs Personal legen, müsste man 11.400 Personen kündigen (mit Durchschnittseinkommen).
Bernhard Fügenschuh, Rektor der Universität Salzburg, äußert sich in einer ersten Reaktion zu den geplanten Budgetkürzungen bestürzt: „Dass ausgerechnet bei den Universitäten in einem derart massiven Ausmaß eingespart werden soll, ist ein äußerst bedenkliches Signal an unsere gesamte Gesellschaft. Es geht offensichtlich nicht mehr nur darum, die jüngst guten Entwicklungen in Wissenschaft, Studium und Lehre fortzuführen – selbst der Erhalt des aktuellen Status quo steht angesichts der Kürzungen zur Disposition. Die österreichischen Universitäten tragen Verantwortung für Wissensvermittlung, Forschung und die aktive Mitgestaltung zentraler gesellschaftlicher Entwicklungen. Gerade in Zeiten zunehmender Komplexität und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen braucht es vor diesem Hintergrund mehr Investitionen in Bildung, Forschung, Wissenschaft und Kunst – und nicht beispiellose Kürzungen.“
Dass die angekündigte Budgetkürzung auch ein Aufgeben der Generationengerechtigkeit bedeutet und besonders zulasten der jungen Generation geht, macht das Statement der Vorsitzenden der ÖH der Universität Salzburg, Marie Stenitzer, deutlich: „Österreichs Hochschulen sind seit Jahren unterfinanziert. Die geplanten Einsparungen verschärfen diese Situation weiter und treffen sowohl Studierende als auch Universitätsbeschäftigte unmittelbar. Damit wird nicht nur die Qualität von Lehre und Forschung gefährdet, sondern auch ein zentraler Grundpfeiler der gesellschaftlichen Entwicklung geschwächt. Wer bei Bildung und Lehre spart, spart an der Zukunft des Landes. Wir lehnen diese Kürzungen entschieden ab und sind nicht bereit, die Folgen dieser Politik zu tragen.“
