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Veröffentlicht am
Mai 13, 2026
Letzte Aktualisierung: Mai 13, 2026

Atelier Gespräch: „Italienischer Marionettenzauber und antiker Mythos“

Herzliche Einladung zum Atelier Gespräch im Vorfeld der Pfingstfestspiele

Donnerstag, 21. Mai 2026 | 17:00 Uhr | Salzburger Marionettentheater | Schwarzstraße 24 | 5020 Salzburg | Austria
Anmeldung zum Atelier Gespräch per Mail an:

„Italienischer Marionettenzauber und antiker Mythos“ – „Monteverdis Il ritorno d’Ulisse“ in patria. Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Coelsch-Foisner (Literaturwissenschaft/Kulturtheorie) im Gespräch mit Piero Corbella, Presidente der Compagnia Marionettistica Carlo Colla & Figli aus Mailand und Univ.-Prof. Dr. Andreas Scheib (Philosophie)

Marionettenoper und Epos verbindet ein Hang zum Übermenschlichen und Außergewöhnlichen. Dennoch sind die Handlungen mythischer Helden wie Odysseus menschlich motiviert und psychologisch nachvollziehbar. Das macht sie zu begehrten Stoffen in Literatur und Kunst, in denen sich ihr Schicksal in immer neuen Ausprägungen vollzieht. Während die um 1600 in Italien entstandene Oper zunächst realitätsferne Gestalten in prachtvollen Szenerien darstellt, entwirft Monteverdis Spätoper „Il ritorno d’Ulisse in patria“, 1640 in Venedig uraufgeführt, ein Bild menschlicher Zerbrechlichkeit.

Der antike Mensch lebt in einer Welt, die von Göttern geprägt wird, die aber nicht dem ähneln, was das Christentum als Gott verstehen wird. Stattdessen sind es ins Überdimensionale vergrößerte menschliche Eigenschaften, gute wie schlechte, die die Götter handeln lassen. Sie machen den Menschen zum Spielball ihrer je eigenen Interessen, Neigungen und Emotionen. Der Mensch muss auf diese Widerfahrnisse reagieren – und er tut dies in einer a-ethischen Weise, bei der es nur ums Gelingen geht: für Odysseus gelten weder Moral noch Sittlichkeit. Stattdessen ist er ‚klug‘ und ‚listenreich‘, und wenn er Erfolg hat, ist es irrelevant, ob er ‚richtig‘ oder ‚ethisch gut‘ handelt, weil dies für Homer keine Rolle in unserem heutigen Sinn spielt. Seine Zeichnung des Odysseus zielt deshalb auch vor allem auf seine Tapferkeit, Kraft und Klugheit ab, mit der er sich dem Schicksal entgegenstemmt.

Monteverdis Odysseus hingegen ist ein Mensch der Frühen Neuzeit und ihrer Entdeckung der Individualität, auch als Blick ins Innere des Einzelnen. Er ist nicht nur stark und tapfer, sondern ein reflektiertes, zuweilen gebrochenes Einzelwesen, das sich den Herausforderungen sowohl der Moralität seines Handelns wie auch seiner Emotionalität ausgesetzt sieht.

Mit „Il ritorno d’Ulisse“ in patria gastiert das berühmte Mailänder Marionettenensemble Carlo Colla & Figli zum zweiten Mal bei den Pfingstfestspielen in Salzburg, und es bleibt mit Spannung abzuwarten, wie dieses Wunderwerk an Illusionskunst Monteverdis Odysseus erscheinen lässt als (noch) Mittelpunkt des Weltgeschehens, als Mängelwesen oder als Marionette, deren Schicksal an den Fäden wohlwollender wie rächender, eifersüchtiger oder strafender Gottheiten hängt?

Mit den Marionetten von Prinzipal Piero Corbella wollen wir auf dieses Abenteuer einstimmen.

Bild von Arbeit im Theater

Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Coelsch-Foisner 

Projektleiterin Atelier Gespräche

Erzabt-Klotz-Straße 1 | 5020 Salzburg | Austria

E-Mail an Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Coelsch-Foisner 

Szenografia © Grupporiani Archive