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Veröffentlicht am
Mai 7, 2026
Letzte Aktualisierung: Mai 7, 2026

Brücken bauen zwischen Europa und Afrika: Die Universität Salzburg beim 1. African-European CIVIS Forum in Casablanca

Vom 25. bis 27. März 2026 versammelten sich Forschende, Lehrende und Mitarbeiter*innen der CIVIS-Allianz an der Hassan II Universität in Casablanca, Marokko, zum ersten „African-European CIVIS Forum for Research and Education“. Das Forum markiert einen wichtigen Meilenstein für die CIVIS-Allianz und ihre afrikanischen Partneruniversitäten und versteht sich als kollaborativer Raum zum Austausch, der gemeinsamen Wissensproduktion und dem Aufbau langfristiger Partnerschaften zwischen den Kontinenten.

Unter dem Motto „Facing Common Challenges and Shaping Joint Solutions“ widmeten sich die Teilnehmenden in Plenarsitzungen, Workshops und Paneldiskussionen gemeinsamen und globalen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Städte & Mobilität, Klima & Energie sowie digitale Transformation. Die Universität Salzburg war mit mehreren Teilnehmer*innen und wissenschaftlichen Beiträgen vertreten und hat die transnationale Zusammenarbeit während des Forums aktiv mitgestalten. 

Eröffnung durch Stefan Lang 

Gleich zu Beginn des Forums unterstrich die Universität Salzburg ihre zentrale Rolle innerhalb der Allianz: Stefan Lang, der sowohl als Forscher der Universität Salzburg, als auch in seiner Funktion als CIVIS Secretary General vor Ort war, eröffnete gemeinsam mit Houssine Azeddoug, dem Präsidenten der Hassan II Universität, die Plenarsitzung. In seiner Eröffnungsrede betonte er die Bedeutung einer gemeinsamen Wissensproduktion über Kontinentalgrenzen hinweg:

„Das CIVIS Forum wurde erstmals in dieser Form ausgerichtet und hat Forschende wie Fachpersonal aller europäischen und afrikanischenPartneruniversitäten in einem interkulturellen und transdisziplinären Setting zusammengebracht. Zahlreiche Tandem Talks und Mixed Panels haben den partnerschaftlichen Charakter der Veranstaltung unterstrichen, ganz im Sinne der Africa Charter for Transformative Research Collaboration.“

Unterzeichnung der Africa Charter for Transformative Research 

Ein zentraler Moment des Forums war die Unterzeichnung der „Africa Charter for Transformative Research Collaborations“, die gemeinsam mit der African Research Universities Alliance (ARUA) erarbeitet wurde. Die Charter formuliert Grundsätze und konkrete Maßnahmen für gerechtere und wirkungsvollere Forschungspartnerschaften zwischen Afrika und Europa. Sie zielt darauf ab, bestehende Ungleichgewichte in der internationalen Forschungszusammenarbeit sichtbar zu machen und abzubauen. Stefan Lang unterzeichnete die Charter im Namen der CIVIS-Allianz und bekräftigte damit das langfristige Engagement für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. 

Unterzeichnung der „Africa Charter for Transformative Research Collaborations". Fabio Sciarrino (Universität La Sapienza), Mustapha Lkhider (Hassan II Universität), Stefan Lang (Universität Salzburg), Estelle Doudet (Universität Lausanne) und Fadma Aït Mous (Hassan II Universität).
Unterzeichnung der „Africa Charter for Transformative Research Collaborations“. Fabio Sciarrino (Universität La Sapienza), Mustapha Lkhider (Hassan II Universität), Stefan Lang (Universität Salzburg), Estelle Doudet (Universität Lausanne) und Fadma Aït Mous (Hassan II Universität). Foto: Esther Malice, CIVIS Communication Unit

Innovative Ansätze im Katastrophenmanagement 

Ein weiterer Beitrag von Seiten der Universität Salzburg behandelte die Vorstellung neuer Methoden zur Krisenvorsorge in Form einer Posterpräsentation. Bernhard Garn (MATRIS Forschungsgruppe am Fachbereich Informatik) präsentierte ein Framework zur automatisierten Generierung von Katastrophenszenarien, das Mathematik und Informatik mit dem Katastrophenrisikomanagement verbindet, um Behörden und Einsatzkräfte bei der Vorbereitung auf Katastrophenereignisse – insbesondere in Hinblick auf die Folgen des Klimawandels – zu unterstützen.  

Die Schwierigkeiten der zugehörigen Entscheidungsprozesse wurden durch ein begleitendes Brettspiel für die Teilnehmer*innen veranschaulicht, dass die Auswirkungen von Ereignisanordnungen interaktiv erlebbar machte. Die präsentierten Materialen wurden durch das CIVIS Open Lab Projekt “Experiencing and Engaging with Applications of Discrete Mathematics in Cybersecurity and Resilience” zusammen mit den Partneruniversitäten Universität Bukarest und Autonome Universität Madrid sowie der Fachhochschule Salzburg erstellt und zeigen die Rolle von Universitäten als Wissensvermittler weit über den Hörsaal hinaus. 

Bernhard Garn (Universität Salzburg), Teilnehmer im Open Lab-Projekt, bei der Posterpräsentation im Außenbereich des Bibliotheksgebäudes der Universität Hassan II in Casablanca.
Bernhard Garn (Universität Salzburg), Teilnehmer im Open Lab-Projekt, bei der Posterpräsentation im Außenbereich des Bibliotheksgebäudes der Universität Hassan II in Casablanca. Foto: Esther Malice, CIVIS Communication Unit

Bildung und Forschung in der „Polykrise“ 

Gudrun Zagel brachte ihre Expertise in zwei Panels ein. Im Fokus stand die Vermittlung komplexer Zusammenhänge in einer Welt, die von multiplen Krisen, der sogenannten „Polykrise“, geprägt ist. Am Beispiel des Blended Intensive Programme (BIP) „EU-African Trade and Investment Relations“ stellte sie ein innovatives Lehrkonzept vor, das Studierenden mittels Verhandlungssimulationen ermöglicht, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln. 

Jussi Grießinger und Gudrun Zagel beteiligten sich gemeinsam mit Partnern der Witwatersrand-Universität in Südafrika an einem „Tandem Talk“ zum Thema Gerechtigkeit und Inklusion in afrikanisch-europäischen Wissenspartnerschaften. Jussi Grießinger widmete sich dabei der Frage, wie eine wissenschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe („echte Reziprozität“) gelingen kann, indem lokale Wissenssysteme aus den Ländern des Globalen Südens in die Forschung integriert und gleichzeitig digitale Barrieren abgebaut werden können. 

Geoinformatik für den Klimaschutz 

Die Expertise der Universität Salzburg im Bereich der Erdbeobachtung wurde durch Lorenz Wendt vertreten. Er diskutierte in einem Panel über die Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und lokalen Akteuren. Dabei stand der Schutz bedrohter Küstenökosysteme, wie etwa Mangrovenwälder, im Mittelpunkt. Er zeigte auf, wie Geoinformatik dazu beitragen kann, gemeinsam mit Partnern vor Ort nachhaltige Lösungen für Umwelt- und Energiefragen zu finden. 

Ausblick 

Das erste African-European CIVIS Forum hat gezeigt, dass eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen europäischen und afrikanischen Universitäten nicht nur möglich, sondern bereits in vollem Gange ist. Die Universität Salzburg hat mit ihrer aktiven Beteiligung – von der Eröffnung über wissenschaftliche Beiträge bis zur Unterzeichnung der Africa Charter – ihre Rolle als engagierte Partnerin innerhalb der Allianz unterstrichen. Das Forum in Casablanca bildet den Auftakt für eine Reihe weiterer gemeinsamer Veranstaltungen, die den Weg zu einer geteilten afrikanisch-europäischen Forschungs- und Bildungsagenda ebnen sollen.


Weiterführende Links: 

Unterzeichnung der „Africa Charter for Transformative Research Collaborations". Fabio Sciarrino (Universität La Sapienza), Mustapha Lkhider (Hassan II Universität), Stefan Lang (Universität Salzburg), Estelle Doudet (Universität Lausanne) und Fadma Aït Mous (Hassan II Universität).

Tim Schötz

CIVIS Staff

Universität Salzburg | Büro des Rektors

Sigmund-Haffner-Gasse 18 | 5020 Salzburg | Austria

E-Mail an Tim Schötz

Foto: © Esther Malice, CIVIS Communication Unit