FOR APAC Ringvorlesung: „Heilen und Herrschen: Japans koloniale Regime und die Medizin in Korea und Taiwan“
Wie das Japanische Kaiserreich Medizin als Werkzeug der Kolonialherrschaft einsetzte und welche Spuren das bis heute in der Erinnerungskultur hinterlässt
Dienstag, 9. Juni 2026, 15:15–16:45 Uhr | Forum Asia Pacific, Sigmund-Haffner-Gasse 18, 3. Stock, HS 888 | 5020 Salzburg | Austria
Vortragender: Dr. Bernhard Leitner Medizinische Universität Wien
Im Jahr 1882 gründete Heinrich Obersteiner in Wien das erste neurologische Institut der Welt. Besonderes Interesse an dieser Wiener Einrichtung kam vom anderen Ende der Welt, aus Japan. In einer kritischen Phase der Neuorientierung Japans boten die innovativen Forschungsansätze und Methoden nicht nur die Möglichkeit internationales Ansehen zu erlangen, sondern sie versprachen auch zur ökonomischen Produktivität und der Bildung nationaler Einheit beizutragen. Wird dieses neuartige Wissen am Ende den Weg aus der akademischen Elite der Universität Tokyo in den Rest der sich formierenden Präfekturen Japans, ja sogar bis in die neuen Kolonien finden? Wie hat die Medizin zur Festigung der Kolonialregime in Korea und Taiwan beigetragen? Hat sich die unterschiedliche Bedeutung Koreas und Taiwans für das japanische Kaiserreich auch auf ihre jeweiligen medizinisch-wissenschaftlichen Systeme ausgewirkt und lässt sich das noch heute in der Erinnerungskultur der beiden Länder ablesen? Neben diesen Fragen wird der Vortrag einführend auf die politischen Dynamiken eingehen, die Japan im 19. und 20. Jahrhundert zur mit Europa konkurrenzfähigen Kolonialmacht werden ließen.
Biographie: Bernhard Leitner studierte Japanologie und Philosophie an der Universität Wien und der Tōkyō-Toritsu-Daigaku. In seiner Doktorarbeit rekonstruierte er Kooperationen zwischen den Universitäten Wien und Tokyo in der Psychiatrie und Neurologie um 1900. Er war Toshiba Foundation Fellow, Fellow am IFK (Internationales Forschungszentrum für Kulturwissenschaften in Wien), am Department of the History of Science der Harvard University und am Friedrich-Schiedel-Lehrstuhl für Wissenschaftssoziologie der Technischen Universität München. Als Soon-Young Kim Stipendiat für die Wissenschaftsgeschichte Ostasiens am Needham Research Institute und als Gastwissenschaftler am Department of History and Philosophy of Science der University of Cambridge entwickelte er ein Projekt über das koloniale Erbe medizinischer Forschung zwischen Europa und Ostasien. Er setzte dieses Projekt am Dipartimento di Studi sull’Asia e sull’Africa Mediterranea der Università Ca‘ Foscari Venezia fort. Derzeit forscht und lehrt er am Institut für Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin an der Medizinischen Universität Wien.
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