Jahrestagung der Gesellschaft für Globalgeschichte 2027 – CfP
Mission im Schnittfeld von Geschlecht und Sexualität
Jahrestagung der Gesellschaft für Globalgeschichte 2027
Universität Salzburg, 3.–5. Juni 2027
Call for Papers
Christliche Missionen waren transnationale, transimperiale und transkulturelle Projekte, die maßgeblich an der Entstehung, Legitimation und Aufrechterhaltung kolonialer Herrschaftsordnungen mitwirkten. Missionarische Praktiken unterschiedlicher Konfessionen innerhalb des Christentums waren dabei auf den subtileren Ebenen der Wissensordnung, Erziehung sowie alltäglichen Kontrolle angelegt und zielten auf die Regulierung privater Bereiche von Familie und Haushalt sowie von Intimsphären der Sexualität und Körper. Diese geschlechterspezifischen Ordnungen und sexuelle Normen dienten nicht nur der Disziplinierung im kolonialen Kontext, sondern wirken in postkolonialen Kontexten nach. Gleichzeitig waren sie auch Gegenstand der Aushandlung und des Widerstandes seitens lokaler Gemeinschaften. Mission erscheint damit als epistemischer, sozialer, kultureller und politischer Handlungsraum, in dem Geschlecht, Sexualität, Race, Klasse und Religion in ihrem wechselseitigen Verhältnis in interkultureller Interaktion immer wieder neu konfiguriert wurden.
Die Jahrestagung der Gesellschaft für Globalgeschichte greift dieses Spannungsverhältnis auf und widmet sich der Frage, wie missionarische Akteurinnen und Akteure sowie Institutionen Geschlechterordnungen und Sexualitätsentwürfe konzipierten, verbreiteten und veränderten. Dabei soll insbesondere nach den Handlungsmöglichkeiten, Strategien und Perspektiven jener gefragt werden, die von missionarischen Interventionen betroffen waren oder sie aktiv mitgestalteten. Wir begrüßen Beiträge aus allen historischen und kulturwissenschaftlich ausgerichteten Disziplinen von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert. Mögliche Themenschwerpunkte umfassen:
Normen, Wissensordnungen und Konstruktionen von Geschlecht und Sexualität
- Entwürfe und Konstruktionen von Geschlecht und Sexualität in unterschiedlichen regionalen Kontexten, Kulturen und Konfessionen
- Mission und die Regulierung von Ehe, Familie, Intimität und Reproduktion
- Geschlechtliche und sexuelle Diversität im Spannungsfeld religiöser Normen
- Transimperialer Wissenstransfer in Missionskontexten
Akteur:innen, Handlungsmacht und Aushandlungsprozesse
- Handlungsmacht, Widerstand und Perspektiven von Gesellschaften und Gemeinschaften im Wirkungsfeld der Missionen
- Geschlechtsspezifische Handlungsweisen weiblicher Missionarinnen im Spannungsfeld europäischer patriarchaler Ordnungen und ihrer imperialen Rolle als „Kulturträgerinnen“
- Biographische Forschungen zu Missionar:innen sowie lokalen Akteur:innen
Gewalt, Herrschaft und koloniale Machtverhältnisse
- Epistemische, sexuelle und physische Gewalt sowie Missbrauch und Unterdrückung im Zusammenhang von Mission und Kolonialismus
- Missionarinnen als Beobachterinnen, Mitwirkende, Vermittlerinnen und bystander kolonialer Gewalt
- Ängste vor sexueller Gewalt und deren Funktion in zeitgenössischen Diskursen
Praktiken, Repräsentationen und materielle Kultur
- Frömmigkeitskulturen, Rituale, Symbole, (trans-)kulturelle Praktiken und geschlechtsspezifische Handlungsspielräume
- Missionarisches Schreiben, Bildpraktiken und Medien der Repräsentation
- Missionsfotografien, materielle Kultur und gendered objects
Theoretische und methodische Perspektiven
- Intersektionale, dekoloniale, postkoloniale und queer-theoretische Zugänge zur Missionsgeschichte
- Mission als Kontaktzone, Verflechtungsraum und Ort der Wissensproduktion
- Methodische Reflexionen zu Missionsarchiven und der Rekonstruktion marginalisierter Perspektiven
Wir freuen uns über Einreichungen von Forschenden aus allen Karrierephasen. Bitte senden Sie Ihren Abstract für einen ca. 30-minütigen Vortrag in Deutsch oder Englisch im Umfang von bis zu 3.500 Zeichen inkl. Leerzeichen zusammen mit einer Kurzbiographie und Ihren Kontaktdaten zum 31. Oktober 2026 an: .
Organisation
Univ.-Prof. Dr. Tanja Bührer
Dr. Laurin Blecha
Marius Müller M.A.
i.A. der Gesellschaft für Globalgeschichte e.V.
Abteilung Globalgeschichte, Fachbereich Geschichte, Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät, Universität Salzburg, Rudolfskai 42, 5020 Salzburg, Österreich
Homepage: https://www.plus.ac.at/geschichte/kernfaecher-2/globalgeschichte/