Leseforschung mit bilingualen Schüler*innen
Spannende Einblicke für Volkschulkinder einer bilingualen Klasse in das Eye-Tracking-Labor des Fachbereichs Anglistik und Amerikanistik
Nach ihrem Besuch am österreichischen Vorlesetag hatten die Schüler*innen der International Bilingual Class (IBC) der Praxisvolksschule Salzburg in den letzten beiden Schulwochen erneut die Gelegenheit, das Eye-Tracking-Labor des Fachbereichs Anglistik & Amerikanistik zu besuchen. Dr. Thomas Kaltenbacher hatte für jede der vier Schulstufen altersgerechte Leseproben vorbereitet. So konnten die Kinder hautnah erleben, wie moderne Leseforschung im Blickbewegungslabor funktioniert. Die Schüler*innen lasen jeweils zwei Texte – einen auf Englisch und einen auf Deutsch – leise und in ihrem eigenen Tempo. Der Eye-Tracker des Fachbereichs zeichnete dabei ihre Augenbewegungen und Fixationen mit einer Abtastrate von 1.000 Hertz, also 1.000 Bildern pro Sekunde, auf. Da sich Englisch und Deutsch aufgrund ihrer unterschiedlichen Orthographie in der Zuordnung von Lauten (Phonemen) zu Schriftzeichen (Graphemen) unterscheiden, erfordern beide Sprachen unterschiedliche Lesestrategien. Diese Unterschiede zeigen sich bereits bei jungen Sprachlernenden. Die Kinder der bilingualen Klasse machten sichtbar, wie sie beim Lesen je nach Sprache unterschiedliche Strategien anwenden. Selbst bei Schüler*innen der ersten Schulstufe lassen sich bereits sprachspezifische Muster der Schriftsprachverarbeitung messen. Die im Labor aufgezeichneten Lesevideos wurden den Eltern anschließend zur Verfügung gestellt. Sie zeigen nicht nur, wie flüssig die Kinder bereits in beiden Sprachen lesen, sondern machen auch die Unterschiede der Schriftsprachverarbeitung im Englischen und Deutschen anschaulich.
Hier kann man zwei Lesevideos eines Schulkindes der 2. Klasse ansehen:
Englisch: https://youtu.be/qNRpTaZtQ18
Deutsch: https://youtu.be/TCHg6RsMadM
Auch im kommenden Schuljahr können die IBC-Schüler*innen wieder das Eye-Tracking-Labor besuchen. Ausgewählte Kinder dürfen während ihrer gesamten Volksschulzeit von den Wissenschaftlern begleitet werden.
