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Veröffentlicht am
Mai 11, 2026
Letzte Aktualisierung: Mai 11, 2026

Schlafen unter Belastung

Neue Studie: Wie Schlaf unter hoher Belastung verbessert werden kann.

Ein österreichisches Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Salzburg untersuchte in Kooperation mit dem Bundesheer den Schlaf von etwa 80 Einsatzkräften des Jagdkommandos. Über 15 Monate wurden die Nächte der Probanden inklusive Interventionen gemessen.

Wer im Alltag großen körperlichen oder mentalen Anstrengungen ausgesetzt ist, muss in der Nacht gut schlafen. Um das Verhältnis von Belastung und Erholung besser zu verstehen, hat ein österreichisches Forschungsteam den Schlaf von Spezialeinsatzkräften des Bundesheers im Feld gemessen. Ihre Schlafqualität konnte zudem durch Interventionen erhöht werden. Die Ergebnisse wurden jüngst auf der SOMA 2026, einer internationalen Konferenz im US-amerikanischen Raleigh, North Carolina präsentiert.

Nahezu täglich haben die Forschenden rund um den Neurowissenschafter Manuel Schabus von der Universität Salzburg und Caroline Rakowitz von Seiten des Verteidigungsministeriums den Schlaf von etwa 80 Einsatzkräften des Jagdkommandos gemessen – und so in ungefähr 15 Monaten Daten von rund 23.000 individuellen Nächten erhoben. „Das Jagdkommando hat seinen normalen Alltag mit täglichen intensiven Trainingseinheiten durchlebt. Das geht von Fallschirmspringen, über Häuserkampf bis Sprengeinsatz. Die Belastungen sind dabei sehr hoch und gehen weit über normale Belastungen im sportlichen Kontext hinaus“, so Schabus.

Für die Untersuchung wurde mit einem Herzfrequenz- und Herzratenvariabilitäts-Sensor am Oberarm und der als Medizinprodukt zertifizierten App sleep² gearbeitet, die in Kooperation mit der Uni Salzburg entwickelt wurde. KI-gestützte Modelle leiteten Schlafphasen und Erholungsparameter ab und machten so u. a. Tiefschlaf, REM-Schlaf, Einschlafdauer, nächtliche Aufwachhäufigkeit und Schlafeffizienz sichtbar. Zunächst wurden die Daten dabei „nur“ erhoben. Danach erhielten die Probanden tägliches Feedback, bevor zusätzlich konkrete Empfehlungen zur Schlafoptimierung hinzukamen.

Gezielte Interventionen verbessern die Schlafqualität

„Bei Spezialeinsatzkräften geht es weniger um klassische Schlafberatung, sondern um ein präzises Rückmeldesystem. Die Teilnehmer erhalten tägliche objektive Daten zu Schlaf, Herzfrequenz und Herzratenvariabilität und lernen dadurch, welche Gewohnheiten, Belastungen oder Übungen ihren Schlaf messbar verbessern oder verschlechtern“, so Schabus. Dadurch verändere sich vor allem das Verhalten: Schlaf werde nicht nur abstrakt als „wichtig“ verstanden, sondern konkret als Ressource für Gesundheit, Resilienz, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit erlebt.

Maßnahmen zur Verbesserung des Schlafes waren an Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie bei Schlaflosigkeit angelehnt und umfassten Interventionen zu Schlafrhythmus, Schlafdruck, Entspannung, Umgang mit Grübeln und schlafförderlichen Routinen. Auch praktische Faktoren wie die Schlafunterlage wurden berücksichtigt. Das Ergebnis: Die Probanden schliefen schneller ein, wachten nachts seltener auf und zeigten eine höhere Schlafeffizienz – und sie berichteten über bessere subjektive Schlafqualität. Bei einer Kontrollgruppe haben sich diese Parameter gleichzeitig nicht signifikant verbessert.

Die im Vergleich zur Normalpopulation niedrigere nächtliche Herzfrequenz und höhere Herzratenvariabilität zeige zudem die sehr gute körperliche Grundverfassung und Erholungsfähigkeit der Gruppe. Bemerkenswert sei außerdem, dass sie relativ viel REM-Schlaf hatten, obwohl dieser bei verkürzten Nächten normalerweise eher reduziert wird, und dass sie an freien Tagen deutlich Schlaf nachholten.

Zugrunde liegende Mechanismen auch für andere Menschen relevant

„Wenn Schlaf selbst unter hoher Belastung, unregelmäßigen Anforderungen und Einsatznähe durch Feedback und Verhaltensanpassung verbessert werden kann, dann sind die zugrunde liegenden Mechanismen auch für andere Menschen relevant“, erklärte Schabus. In einem nächsten Schritt werde eine zweite Interventionsgruppe ausgewertet, bei der das Zusammenspiel von Schlaf, Ernährung, Regeneration und körperlicher Belastung im Vordergrund stand. Alle Daten sind „brandneu“, erklärte er weiter; wissenschaftliche Publikationen zu den Studien plane man für Herbst.


KONTAKT:

Univ.-Prof. Dr. Manuel Schabus | Psychologie
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E-Mail:
Tel.: +43 662 8044-5113

Schlaflabor

Mag.a Susanna Graggaber

Universität Salzburg | Universitätskommunikation

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