Ateliergespräch: Tosca – Der Bösewicht in der Oper
In Kooperation mit dem Landestheater Salzburg
Montag, 9. November 2026 | 17:00–18:30 Uhr | Georg-Eisler-Hörsaal (HS U1.003) | UNIPARK | Erzabt-Klotz-Straße 1 | 5020 Salzburg
Anmeldung zum Atelier Gespräch per Mail:
Aufführungstermine von „Tosca“: 5. November | 7. November | 10. November | 14. November
Univ.-Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner im Gespräch mit dem Dirigenten Carlo Benedetto Cimento, dem Bariton Kartal Karagedik (Scarpia) und dem künstlerischen Betriebsdirektor Andreas Fladvad-Geier
Der Tyrann Scarpia ist einer der großen Schurken der (Musik-)Theatergeschichte. Er verkörpert das Böse wie der Teufel auf der mittelalterlichen Bühne, offenbart dem Publikum seine Intrigen wie Jago aus Shakespeares (bzw. Verdis) „Otello“ und stellt seinen Sadismus und seine Lüsternheit selbstgefällig zur Schau, wenn er Cavaradossi brutal foltern lässt und dessen Geliebte Tosca zur Liebe zwingen will. Scarpia hat viele Vorfahren, aber er übertrifft sie allesamt an Intensität in einer Hochschaubahn der Gefühle.
Mit der Premiere am 14. Jänner 1900 leitete „Tosca“ eine neue Zeitrechnung in der Operngeschichte ein. Der Übergang von der Romantik zum Verismo des ausklingenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts brachte eine neue Form der Oper, die die Kritiker verwirrte und das Publikum überzeugte. Puccinis Charaktere in diesem Schwellenwerk der Jahrhundertwende erleben die für den Verismo bezeichnenden Extreme der Emotionen – Tosca und Cavaradossi werden zwischen überschäumendem Glück und ausweglosen Konflikten hin- und hergerissen, und die bevorzugten Motive des späten 19. Jahrhunderts – Frömmigkeit und brennende Eifersucht, die Verschmelzung von Madonnenkult und Sinnlichkeit, die Poesie der schönen toten Frau, der vereitelte Traum der Liebenden von Freiheit und die dramatische Ironie des letzten Liebesduetts – werden szenisch und musikalisch zum Kippen übersteigert. So fällt der Vorhang am Ende des ersten Akts bei dröhnendem Orchester, als würden Scarpias blasphemische Worte: „Tosca, du läßt mich Gott vergessen!“,* während er sogleich in das Tedeum des Chors einstimmt, zum Himmel schreien.
Dank des musikalischen Fingerspitzengefühls und des schauspielerisch herausragend agierenden Sänger-Ensembles wird Puccinis „Tosca“ in dieser halbszenischen Aufführung unter der Leitung von Carlo Benedetto Cimento in ganz besonderer Weise erfahrbar. Das wollen wir im Atelier Gespräch ergründen.
* Reclam, 1994, S. 51.
