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Veröffentlicht am
Juni 16, 2026
Letzte Aktualisierung: Juni 16, 2026

Winkler: Kiewer Höhlenkloster für gesamte Orthodoxie von Bedeutung

Salzburg, 15.06.2026 (KAP) Mit dem Angriff Russlands auf das orthodoxe Höhlenkloster („Lawra“) in Kiew hat die Eskalation der russischen Kriegsführung eine neue Stufe erreicht. Das hat der Salzburger Ostkirchenexperte und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Salzburg. Prof. Dietmar Winkler betont. Im Kathpress-Interview am Montag wies Winkler darauf hin, dass das Kloster nicht nur ein zentrales Symbol ukrainischer Identität sei, „sondern einen Ort, der für viele Gläubige in Russland Teil ihres eigenen religiösen und historischen Erbes ist“. Umso unverständlicher sei der nunmehrige Angriff.

Das Kiewer Höhlenkloster zähle zu den wichtigsten Heiligtümern der gesamten Orthodoxen Kirche. „Über Jahrhunderte war das Kloster ein bedeutendes geistliches Zentrum für die Christianisierung und religiöse Entwicklung der Kiewer Rus, aus der sich später die kulturellen Traditionen der Ukraine, Russlands und Belarus‘ entwickelten“, so Winkler. Das Kloster sei eines der bedeutendsten mittelalterlichen Zentren für Bildung, Geschichtsschreibung, Kunst und Buchdruck gewesen: „Hier entstanden bedeutende Chroniken und religiöse Texte, die zu den wichtigsten Quellen für die Geschichte Osteuropas gehören.“

„Meisterwerk der orthodoxen Sakralarchitektur“

Das Kloster sei somit nicht nur religiös, sondern auch historisch-kulturell für die altslawische Geschichte bedeutsam. Auch vereine die Anlage zahlreiche Kirchen, Glockentürme und Klostergebäude verschiedener Epochen zu einem „Meisterwerk der orthodoxen Sakralarchitektur“.

Die Höhlenklosteranlage sei heute ein besonderes Symbol ukrainischer Kultur und Identität und spiele eine wichtige Rolle im kulturellen Gedächtnis des Landes. Aber auch vielen Gläubigen in Russland gelte die Lawra als Teil ihres religiösen Erbes, „da die russisch-orthodoxe Tradition in der Christianisierung der Kiewer Rus im Jahr 988 den gemeinsamen Ursprung der religiösen Geschichte Russlands, der Ukraine und Belarus‘ sieht“.

Die Vorstellung einer gemeinsamen geistlichen Herkunft spiele auch in kirchlichen und politischen Narrativen des Moskauer Patriarchen Kyrill und des russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Rolle, „die Russland, Belarus und die Ukraine nicht nur als historisch und kulturell eng verbundene Einheit darstellen, sondern gleichsam als eine sakrale Einheit“, so Winkler.

Brand wurde inzwischen gelöscht

Bei einer neuen Welle russischer Luftangriffe auf die Ukraine war in der Nacht von Sonntag auf Montag auch die Hauptkirche des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Kiew in Brand geraten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war am Montag selbst auf das Dach der massiv beschädigten Mariä-Entschlafens-Kathedrale geklettert, um sich mit Geistlichen und Regierungsvertretern von den Schäden zu machen, wie auf einem von ihm veröffentlichten Video zu sehen war. Selenskyj sprach von einem der „größten russischen Verbrechen gegen die christliche Kultur“. Der Brand wurde inzwischen gelöscht.

Das im Jahr 1051 gegründete Kiewer Höhlenkloster steht seit 1990 auf der Welterbe-Liste der Unesco. Es gilt als Wiege des ostslawischen orthodoxen Christentums und als Wahrzeichen der Stadt.

 Zum Artikel des ORF    Zum Artikel der katholischen Presseagentur Österreich

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Eva Hartl

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