‚Österreichs‘ Schiller II: Formen und Aspekte einer theatralen Rezeptionsgeschichte im 19. Jahrhundert

FWF-Projekt PAT4405325
Laufzeit: 08/2026–02/2029
Bewilligungssumme: 265.556 €
Projektleitung: Dr. Matthias Mansky

Die Erforschung der Aufführungsgeschichte von Schillers Dramen an den Wiener Bühnen des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts ist ein dringliches Desiderat. Das Forschungsprojekt widmet sich den facettenreichen theatralen Auseinandersetzung mit den Werken Schillers, die im Hinblick auf die in Wien vorherrschenden institutionellen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen von einer kulturellen ‚Umcodierung‘ geprägt waren. Neben der Erforschung einschlägiger Adaptionen und Inszenierungen für die Wiener Bühnen sollen auch Dramatisierungen von Schillers Prosa und Lyrik sowie Parodien eine eingehendere Betrachtung finden. Der Blick auf die vielfältigen theatralen Aneignungen und Auseinandersetzungen mit Schillers Werken skizziert nicht nur eine verzögerte Etablierung seiner Dramatik in den Spielplänen der Wiener Theater, sondern auch die ‚Vorgeschichte‘ zu seiner politischen Vereinnahmung bei den Dichterfeiern in der zweiten Jahrhunderthälfte. Das Projekt beschäftigt sich mit ausgewählten Fallbeispielen, für die weitgehend unbekanntes Archivmaterial aus den Beständen des Wiener Theatermuseums und der Handschriftensammlung der Wienbibliothek herangezogen werden. Im Zentrum steht Grundlagenforschung zu einer Rezeptionsgeschichte Schillers in Österreich, die sich nicht in Studierstuben oder Bibliotheken, sondern im Spannungsfeld theatraler Prozesse ereignete. Hierdurch soll nicht zuletzt der theaterpraktische Umgang mit den Werken Schillers eine Aufwertung im Forschungsdiskurs erfahren. Das Forschungsvorhaben knüpft an das Erwin-Schrödinger-Projekt Österreichs Schiller.Inszenierung und Perspektivenwandel einer Rezeptionssteuerung im 19. Jahrhundert an, in dem die Inszenierungsstrategien und die politische Vereinnahmung Schillers bei den Dichterfeiern 1859, 1876 und 1905 untersucht wurden. Die Zielsetzungen bestehen in einer Studie, die die Forschungsergebnisse der beiden Projekte verknüpft, und einer kommentierten Edition ausgewählter Theatertexte und Rezeptionsdokumente.