„Die Speisekarte, bitte!“ Speisekarten als historische Quellen und ihre kulturhistorische Analyse. Auswahl und Gestaltung in der Stadt Salzburg vom späten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts
Alexandra Embacher
Abstract — Die Speisekarte, Schlüsselelement eines Restaurantbesuches, aber auch Datenträger kulturhistorischer Aspekte. Mittels einer inhaltsanalytischen Untersuchung wurden 51 Exemplare aus 21 Betrieben der Stadt Salzburg mit Datierung in das 19. respektive 20. Jahrhundert unter die wissenschaftliche Lupe genommen und Erkenntnisse zu ihrem Inhalt als auch ihrer Gestaltung erschlossen. Im inhaltlichen Bereich kann so eine deutliche Dominanz fleischbasierter Speisen ausgemacht werden, wobei die analysierten Blätter trotz unterschiedlicher Betriebstypen insgesamt nur eine geringe Differenzierung im Speisenangebot zeigen. Hinsichtlich der Gestaltung lassen sich größere Sprünge erkennen: Während frühe Speisekarten primär funktional ausgerichtet waren, sind die Karten insbesondere ab den 1930er-Jahren im Design regelrecht aufgeblüht. Ihre Entwicklung zum Marketinginstrument wird hierbei sichtbar, eine sachlich-funktionale Gestaltung bleibt aber weiterhin möglich und wird von manch Betrieben bevorzugt. Nicht zuletzt verdeutlichen diese Resultate, dass Speisekarten weit über ihre ursprüngliche Funktion als Informationsmedium hinausgehen. Letztlich stellen die Blätter vielschichtige Quellen für kulturhistorische Analysen dar und tragen zur Schließung von Lücken in der (Ess-)Kulturgeschichte bei.
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Das Lager Piding 1945–1962
Loris FRANZ
Abstract — Der Grenzraum zwischen Salzburg und Bayern war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Sommer 1945 Schauplatz umfangreicher Migrationsbewegungen infolge kriegsbedingter Verfolgung, Vertreibung und Verschleppung. Aufgrund dessen entstand ein komplexes System unterschiedlicher Flüchtlingslager mit teils sehr spezifischen Aufgaben. Das Lager Piding sticht in diesem Zusammenhang besonders hervor. Auf einem ehemaligen Wehrmachtsgelände entstand zunächst eine provisorische Versorgungsstelle des Roten Kreuzes, unter staatlicher Verwaltung entwickelte sich daraus ein Grenzdurchgangslager das hauptsächlich mit der Registrierung und Weiterleitung von Flüchtlingen befasst war. Der eklatante Wohnraummangel und unzureichende Erwerbsmöglichkeiten führten ferner zur Etablierung eines Durchgangslagers sowie eines Wohn – und Industrielagers. Mit einem Bestandszeitsraum von 1945 bis 1965 prägt es die Demographie und Geographie der Gemeinde bis in die Gegenwart.
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Toions, Kosaken und Moskau. Richard Whites „Middle Ground“ im Sibirien des 17. Jahrhunderts?
Dominik Molz
Abstract — Der Artikel versucht das von Richard White für die Region der großen Seen in Nordamerika im 18. Jahrhundert etablierte Konzept des „Middle Grounds“ zwischen Kolonialmacht und indigenen Gesellschaften auf die Burjaten und Sacha Sibiriens im 17. Jahrhundert zu übertragen. Die Verhältnisse zwischen den Gesellschaften und dem russischen Zarenreich bzw. dessen Agenten stehen dabei im Zentrum der Analyse. Der Autor argumentiert, dass es zu mehreren Zeiten in unterschiedlichen Räumen einen „Middle Ground“ gegeben hat, also dass sich indigene Sibirier*innen und Europäer*innen zum Zwecke eines reibungsloseren Zusammenlebens in unterschiedlichen Bereichen aufeinander zubewegt haben. Dabei wird gezielt nach herausgearbeiteten Kriterien und Aspekten, wie zum Beispiel einer religiösen und gesellschaftlichen Erfindung des Gegenübers, der von White entworfenen Theorie gesucht. Die Argumente basieren auf einer Auswahl an Quellen, welche alle aus ins Englische oder Deutsche übersetzen Quellensammlungen stammen. Dabei handelt es sich überwiegend um normative oder offizielle Quellen.
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Zwischen Antifaschismus und Antisemitismus. Das kommunistische Salzburger Tagblatt und sein Verhältnis zu jüdischen DPs
Sebastian Sillinger
Abstract — Der Beitrag untersucht antisemitische Diskurse innerhalb der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit einem regionalen Fokus auf Salzburg. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Antisemitismus auch in linken Milieus historisch nachweisbar ist. Anhand des Salzburger Tagblatts wird überprüft, inwiefern antisemitische Deutungsmuster reproduziert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Antisemitismus nicht offen artikuliert, sondern in latenter Form vermittelt wurde, insbesondere im Kontext von Displaced Persons (DPs) und der Figur des „Schleichhändlers“. Diese fungierten als Projektionsflächen für Ressentiments, ohne explizit als jüdisch markiert zu werden. Diese Arbeit verdeutlicht damit ein ambivalentes Verhältnis der KPÖ zu jüdischen DPs und ordnet die Befunde in politische, gesellschaftliche und diskursive Kontexte der Nachkriegszeit ein.
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