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Veröffentlicht am
März 9, 2026
Letzte Aktualisierung: März 11, 2026

Das Berufsleben endet, die Forschung jedoch nicht

Vortrags- und Publikationstätigkeit von Peter Arzt-Grabner

Montag, 09. März 2026 | Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte | Universitätsplatz 1 | 5020 Salzburg

Dass mit der Pensionierung der Eros des Forschenden nicht enden muss, ist offensichtlich – wird das universitär verfasste Berufsleben in den verdienten Ruhstand überführt, bedeutet dies nicht, dass Studium und Beforschung eines Faches/Themengebietes, dem die akademische Karriere diente, einfach abreißt. Vielmehr eröffnet sich durch Wegfallen der Verpflichtungen der Raum, im Alltagsgeschäft Liegengebliebenes aufzugreifen und den Fokus auf Vermittlung dessen zu legen, für das man als Wissenschafter „brennt“, was – jenseits der notwendigen intellektuellen Kunststücke – manchmal über Jahrzehnte als Essenz des eigenen Fachgebietes destilliert wurde: jenes, das man an die nächsten Generationen von Interessierten weitergeben möchte.

Ein Beispiel dafür ist das anhaltende Engagement von Peter Arzt-Grabner, Ao. Univ.-Prof. und jahrzentelanges Mitglied des sich wandelnden Fachbereichs Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Mit 30. September 2024 pensioniert ist er nach wie vor Herausgeber der Reihe  Papyrologischer Kommentar zum Neuen Testament (PKNT, Vandenhoeck & Ruprecht), Mitherausgeber von  Papyri and the New Testament (PNT, Brill/Schöningh) und zeigt im  Interview des science-Podcasts des Bibelwissenschaftlers und Youtubers Dr. Chris Cornthwaite vom Oktober 2025, dass Bibelwissenschaft, Papyrologie und die Erforschung der antiken (Kon-)Texte auch für neuere Formate der Wissensvermittlung geeignet sind.

Die Kunst eines Lehrenden, das Wesentliche ohne verbale Spiegelfechterei einerseits, ohne verzerrende Simplifizierung andererseits, schlicht: allgemein verständlich an die jeweiligen Hörenden angepasst vorzutragen, ist essentiell, wenn Wissen nicht nur präsentiert, sondern vermittelt werden will. So lud Worthaus, eine Intitative um zentrale Aspekte des christlichen Glaubens theologisch und bibelwisenschaftlich fundiert verfügbar zu machen, Peter Arzt-Grabner ein, in einer Vortragsreihe in die  antike Welt des Paulus von Tarsus sowie dessen mit großer Sorgfalt konzipierte  Briefliteratur einzuführen, um diesen theologisch entscheidenden Impulsgeber in der Verbreitung des Christentums auf dem Hintergrund seiner Lebenswelt besser zu verstehen. Das besondere: alle Vorträge bei Worthaus sind öffentlich zugänglich.

Gerade die Erforschung der lebensweltlichen Situiertheit biblischer Textzeugnisse, die erst auf der Folie der papyrologischen Funde aus den vielfältigen Lebensvollzügen der antiken griechisch-römischen Gesellschaft sichtbar wird, bildeten und bilden den Forschungsschwerpunkt von Peter Arzt-Grabner. Die kanonischen Texte durch Beleuchtung ihrer Entstehungskontexte in klarerer Gestalt zu erschließen und verstehbar zu machen, ist hierbei nicht nur ein Addendum zum Textcharakter, sondern ein wissenschaftlicher Dienst am eigentlichen Inhalt, der so zwei Jahrtausende Kulturgeschichte überbrücken und theologisch angemessen reflektiert werden kann.

So verwundert es nicht, dass die feierliche akademische Verabschiedung von Peter Arzt-Grabner aus dem Universitätsdienst am 7. Mai 2024 neben dessen 65. Geburtstag und einem Vortrag von Prof. Dr. Christoph Heil (Graz) v.a. eine Festschrift fokussierte: vorgestellt von Mitherausgeberin Prof.in DDr.in Christina M. Kreinecker (Leuven; gemeinsam mit John S. Kloppenborg/Toronto und James R. Harrison/Melbourne) würdigt der Sammelband mit dem Titel  Everyday Life in Graeco-Roman Times: Documentary Papyri and the New Testament (Brill/Schöningh) die bisherigen Forschungsergebnisse von Peter Arzt-Grabner und rahmt sie mit Aufsätzen im aktuellen papyrologischen Forschungshorizont. Bisherig – denn nach  Letters and Letter Writing (PNT, Bd. 2, Brill/Schöningh, 2023), einem Band von Peter Arzt-Grabner, der nicht nur antike Briefliteratur auf Papyri und Ostraka in neuer Übersetzung verfügbar macht, sondern auf deren Hintergrund Rückschlüsse auf die kanonischen Episteln, besonders auf die Paulinen bietet, erschienen u.a. Beiträge im  Handbuch Brief. Antike (Hgg. Eve-Marie Becker, Ulrike Egelhaaf-Gaiser, Alfons Fürst, De Gruyter/Brill, 2025) und: für 2026 sind gleich zwei Bände der Reihe der Papyrologischen Kommentare unter Peter Arzt-Grabners Herausgeberschaft angekündigt:  Secretaries in Ancient Letter Writing: Influences on the Composition of New Testament Epistles von Prof. Dr. Travis Williams (PKNT, Sonderband, Mai 2026) sowie  Galatians, mitherausgegeben von Cornelia Mayer (PKNT, Bd. 6, August 2026).

Auch wenn es heißt die Kunst sei lang und kurz unser Leben, so wissen wir schon seit Seneca, dass es gerade deshalb darauf ankommt, die Zeit weise einzusetzen. Was könnte also weiser sein, als das, wofür man sich und andere ein Leben lang begeistert, auch über die beruflichen Grenzen hinaus weiter zu betreiben? Wir sind gespannt auf die kommenden Forschungsergebnisse von Peter Arzt-Grabner.

Foto: Peter Arzt-Grabner
(c) Peter Arzt-Grabner

Peter Arzt-Grabner

Maximilian Niesner

Sekretariat

Universität Salzburg

Tel: +43 662 8044 2901

E-Mail an Maximilian Niesner

Ao. Univ.-Prof. Peter Arzt-Grabner (Ruhestand)