Kloster und Siedlung Arakelots in der Region Tavush, Armenien

Fortschritte bei Österreich-Grabungen im Kloster Arakelots

Im nordarmenischen Kloster Arakelots geht dieser Tage die zweite Phase der umfangreichen österreichisch-armenischen Grabungs- und Forschungsarbeiten zu Ende. Unter der Leitung der Salzburger Armenologin Prof. Jasmine Dum-Tragut ist ein österreichisch-armenisches Team dabei, der weitgehend unbekannten Baugeschichte des Klosters auf den Grund zu gehen. Die erste Grabungsphase fand im vergangenen April statt; nach den jüngsten Arbeiten habe sich das Aussehen des Klosters bereits wesentlich verändert, „neue Baustrukturen wurden freigelegt sowie auch weit über 120 architektonische Bauteile und Keramik aus dem Schutt und aus der Erde gegraben“, berichtet Dum-Tragut.
Der Ort der Grabungen befindet sich in einer geopolitischen schwierigen Region im armenisch-aserbaidschanischen Grenzgebiet. Arakelots, ein Ensemble religiöser und weltlicher Denkmäler, liegt zwei Kilometer westlich des Dorfes Atscharkut am Fluss Kirants und bietet wertvolle Einblicke in das kulturelle und wirtschaftliche Leben des 13. Jahrhunderts. Das Kloster ist mit Wällen und Wachtürmen befestigt und verfügt über eine architektonisch bemerkenswerte Hauptkirche. Zu den Überresten der Siedlung gehören zwei Kirchen, eine Karawanserei, eine Ölmühle und eine Brücke. Arakelots war einst ein pulsierendes mittelalterliches Handelszentrum an der armenischen Seidenstraße, wurde ab dem 17. Jahrhundert aber weitgehend verlassen und aufgegeben und ist noch kaum erforscht.
Dum-Tragut: „Das Kloster ist ein ungewöhnlicher Baukomplex, bei dem wir es nicht mit genau abzugrenzenden Bauphasen und -plänen zu tun haben, vieles ist für die Wissenschaftler noch rätselhaft.“ Bei den jüngsten Grabungen habe man wieder unerwartet neue Strukturen gefunden. „Immer, wenn wir glauben, wir sind jetzt einen wesentlichen Schritt weiter, scheint ein neues Rätsel aufzutauchen.“
Mit dabei bei den Grabungen war dieses Mal auch ein Experte aus Österreich, der Bauforscher Oliver Fries. Auch er zog eine sehr positive Zwischenbilanz. Armenien verfüge über ein unglaublich reiches und vielfältiges baukulturelles Erbe, das weit über die bekannten großen Klöster und Kirchen hinausgeht, so Fries. In Arakelots werde dieser Reichtum in besonderer Weise sichtbar. Als Bauhistoriker faszinierten ihn an Arakelots insbesondere die vielfältigen Parallelen zu vergleichbaren Bauten in Europa. Dies verdeutliche die Position Armeniens an der Schwelle zum christlichen Abendland. Umso wichtiger sei es, „dieses einzigartige Erbe gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu erforschen, zu schützen und für kommende Generationen sichtbar und erfahrbar zu machen“, so Fries.
Kulturwanderweg geplant
Arakelots liegt in einem dichten Waldstück, war in Vergessenheit geraten und dem Verfall preisgegeben. Dum-Tragut will nicht nur die komplexe Baugeschichte des Klosters und seiner umliegenden Siedlung erforschen, sondern auch die Stätte wieder in das Bewusstsein der lokalen Bevölkerung und der gesamten Region bringen. Geplant sei deshalb etwa auch das Anlegen eines Kulturwanderwegs und die Öffnung von Arakelots für spirituelle und kulturelle Veranstaltungen. Sie wolle schlicht „einen Ort des Eintauchens in die mittelalterliche armenische Kultur“ schaffen, so die Salzburger Armenologin.
Inzwischen sei auch das armenische Kulturministerium auf Arakelots aufmerksam geworden und überlege Befestigungs- und Restaurierungsarbeiten. Auch ein Buch bzw. Fotoband ist unter Patronanz der Armenisch-apostolischen Kirche im Entstehen. Generell zeige die Armenische Kirche großes Interesse an den Forschungen und den Plänen zur nachhaltigen Reaktivierung des vergessenen Klosters, so Dum-Tragut.
Arakelots unter gefährdetsten Kulturstätten
Arakelots wurde zudem 2025 in das internationale Programm der sieben am stärksten gefährdeten europäischen Kulturstätten „Europa Nostra 7 most endangered“ aufgenommen. Das Programm „7 Most Endangered“ wurde 2013 vom europäischen Denkmalschutz-Verbund Europa Nostra und der Europäischen Investitionsbank ins Leben gerufen. Das Programm identifiziert gefährdete Denkmäler und Stätten in Europa und mobilisiert öffentliche und private Partner auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene, um eine tragfähige Zukunft für diese Stätten zu finden.
European experts implement mission to Armenia to assess urgent risks at the Arakelots Monastery and Settlement

From 16 to 22 April 2026, European experts travelled to Armenia for a mission to the Arakelots Monastery and Settlement, listed among the 7 Most Endangered heritage sites in Europe for 2025. The site was nominated by the Armenian Studies Division, Centre for the Study of the Christian East, University of Salzburg, in recognition of its exceptional cultural significance and the urgent need to halt its ongoing deterioration, under the coordination of Prof. Dr. Jasmine Dum-Tragut, Professor of Armenian Studies and Director of the Centre.
The mission brought together international and Armenian experts in cultural heritage and sustainable development: David Castrillo, Lead Architect of the 7 Most Endangered Programme; Vanessa Fraga Prol, Advocacy and Partnerships Manager at Europa Nostra; and Gaiane Casnati, Conservator Architect and Scientific Director of SIREH Center for Armenian Cultural Heritage.
During the mission, the European delegation met with public authorities, academic institutions, representatives of the Armenian Apostolic Church, and local stakeholders, in a shared effort to mobilise urgent action for a heritage site that is both highly significant and increasingly at risk.
European experts implement mission to Armenia
Historisches Kloster und Siedlung Arakelots in „Europas 7 gefährdetste Kulturdenkmäler 2025“-Programm aufgenommen

Das historische Kloster Arakelots und die dazugehörige mittelalterliche Siedlung in der Region Tavush, Armenien, wurden erfolgreich in das internationale Programm „Europa Nostra 7 Most Endangered“ aufgenommen. Verantwortlich für diesen bedeutenden Erfolg ist die renommierten Armenologin Prof. Dr. Jasmine Dum-Tragut, Leiterin des Zentrums zur Erforschung des Christlichen Ostens.
Arakelots ist nun offiziell eines der sieben am gefährdetsten europäischen Kulturdenkmäler 2025. Dum-Tragut, die sich leidenschaftlich für den Erhalt der armenischen Kultur einsetzt und forscht, sieht in dieser Nominierung eine große Chance, das Kloster und die Siedlung vor dem drohenden Verfall zu bewahren und gleichzeitig zur Stabilisierung der armenisch-aserbaidschanischen Grenzregion beizutragen.
Arakelots in „Europa Nostra 7 Most Endangered“ aufgenommen
Nomination of the Arakelots Monastery and Settlement to the 7 Most Endangered Programme

Hidden within the forests of the Tavush region in northern Armenia, the Arakelots Monastery and Settlement is a gem of medieval heritage. This ensemble of religious and secular monuments located two kilometres west of the Acharkut village, along the Kirants River, provides invaluable insights into the cultural and economic life of the 13th century. Its remote setting, coupled with its proximity to the Armenian-Azerbaijani border, underscores its historical and geopolitical significance.
The nomination of the Arakelots Monastery and Settlement to the 7 Most Endangered Programme is led by an Individual Member of Europa Nostra, Dr. Jasmine Dum-Tragut from the Armenian Studies Division at the Centre for the Studies of the Christian East of the University of Salzburg in Austria. The nomination is supported by the Ministry of Education, Science, Culture, and Sport of the Republic of Armenia, the Municipality of Acharkut, Blue Shield Armenia, and the Institute of Archaeology and Ethnography of the National Academy of Sciences of the Republic of Armenia. Additional expertise comes from the University for Continuing Education in Krems, Austria, ensuring a collaborative effort for the conservation, research, and sustainable development of the site.