Begutachtungsverfahren in Philosophiezeitschriften

Das Forschungsprojekt untersucht Begutachtungsverfahren in philosophischen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Im Zentrum steht die Frage, wie Peer Review in der Praxis funktioniert, wie es von den beteiligten Akteur:innen wahrgenommen wird und welche normativen Erwartungen mit diesem Verfahren verbunden sind. Begutachtungen gelten als zentrales Instrument wissenschaftlicher Qualitätssicherung und als wichtiger Mechanismus der Selbstregulierung akademischer Gemeinschaften. Zugleich sind sie mit erheblichen Erwartungen, aber auch mit Kritik verbunden – etwa in Bezug auf Fairness, Transparenz, Diversität oder Effizienz.

Vor diesem Hintergrund zielt das Projekt darauf ab, ein differenziertes empirisches Bild gegenwärtiger Begutachtungspraxis in der Philosophie zu gewinnen. Dabei interessiert insbesondere, wie Autor:innen, Gutachter:innen und Herausgeber:innen ihre jeweiligen Rollen verstehen, welche Funktionen sie dem Verfahren zuschreiben und wo sie Herausforderungen oder Reformbedarfe sehen. Neben der deskriptiven Bestandsaufnahme werden auch normative Orientierungen erhoben: Welche Merkmale sollte ein gutes Begutachtungssystem aufweisen? Und in welchen Punkten weichen Idealvorstellungen von den wahrgenommenen Realitäten ab?

Methodisch kombiniert die Studie eine quantitative Online-Befragung mit qualitativen Interviews. Philosoph:innen verschiedener Karrierestufen werden anonym zu ihren Erfahrungen mit Einreichungen, Begutachtungen und redaktionellen Entscheidungen befragt. Ergänzend werden leitfadengestützte Gespräche mit Herausgeber:innen philosophischer Fachzeitschriften geführt, um Einblicke in Entscheidungsprozesse, Auswahlkriterien und strukturelle Rahmenbedingungen zu erhalten. Ziel ist es, sowohl verbreitete Einschätzungen als auch differenzierte Perspektiven auf redaktionelle Praxis sichtbar zu machen.

Das Projekt versteht sich als Beitrag zu einer evidenzbasierten Reflexion über Qualitätssicherung in der Philosophie. Es möchte keine vorschnellen Bewertungen vornehmen, sondern eine empirische Grundlage schaffen, auf der weiterführende Diskussionen über mögliche Entwicklungen des Begutachtungssystems geführt werden können.

Durchgeführt wird die Studie von Gottfried Schweiger am Zentrum für Ethik und Armutsforschung für die  AG Philosophische Fachzeitschriften in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Hier der Link zur Online Erhebung:   https://survey.plus.ac.at/index.php/123456