Geowissenschaftliches Kolloquium
am Fachbereich Umwelt und Biodiversität
Vorträge von Kolleg:innen aus Forschung und Industrie über diverse Themen der Geowissenschaften und fachnaher Themenbereiche mit anschließender Plenardiskussion. Das Kolloquium findet im Sommer- und Wintersemester statt. Jeder ist willkommen!
Dienstag, 17 Uhr, 23. Juni 2026
HS 434, (3. Stock) NLW, Hellbrunnerstraße 34, Salzburg
Unterschätzte Gefahr Hangschichtwasser: Bauschäden, Kostenfallen und Lehren aus der Praxis
Dr. Christian Uhlir, Universität Salzburg
Die Präsentation behandelt die Gefahren von Hangschichtwasser bei Bauprojekten. Dabei handelt es sich um oberflächennahes Grundwasser, das über wasserstauenden Schichten meist lokal abfließt. Es ist tückisch, da es stark schwankt, bei Trockenheit oft völlig verschwindet und daher bei StandardBaugrunderkundungen (z. B. punktuellen Bohrungen) häufig übersehen wird. Tritt es bei Starkregen plötzlich auf, kann es zu massiver Erosion, hydraulischem Grundbruch und Vernässung von Nachbargrundstücken führen. Anhand von drei Projekten werden die fatalen Folgen von Fehleinschätzungen demonstriert: Rehrlplatz am Kapuzinerberg (Salzburg): Eine Baugrube wurde mit einer dichten Bohrpfahlwand ohne Drainage gesichert. Diese wirkte als Barriere für das Hangwasser, was nach Starkregen zu massiven Feuchtigkeitsschäden am benachbarten Palais Neustein führte. Trotz aufwendiger Sanierungsversuche (70 nachträgliche Bohrungen durch die Wand) und Markierungsversuchen, die den Wasserfluss bewiesen, blieb das Problem durch weitere bauliche Barrieren bestehen. Pennymarkt Glontal (Bayern): Hier wurde das Schichtwasser im Vorfeld als „nur lokale Erscheinung“ abgetan. Beim Bau einer Spundwand und einer vernagelten Steilböschung kam es bei Starkregen zu massiven Wasseraustritten, Bodenerosion und schließlich zum Versagen der Böschung (hydraulischer Grundbruch). Die aufwendige Sanierung mit Spritzbeton und 70 Drainagerohren verursachte Mehrkosten von ca. 1,5 Millionen Euro. Hanggrundstück Traunleiten (OÖ): Ein genehmigtes Versickerungsprojekt führt das Wasser im Hang lediglich im Kreis. Bei Starkregen droht eine Überlastung, die Nachbargrundstücke schädigen und benachbarte Trinkwasserbrunnen beeinträchtigen könnte.
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