HomeKunst-, Musik- und TanzwissenschaftAbteilung KunstgeschichteBLOGFUNDSTÜCK: LEHRER-SCHÜLER-VERHÄLTNISSE
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Franz Anton Bustelli (Modell), Porzellanmanufaktur Nymphenburg (Ausformung und Bemalung), "Chinesischer" Lehrer und sein grüßender Schüler, 1755–1760 Lehrer-Schüler-Verhältnisse
Die „Sammlung Bollert“ ist eine ehemals private Kollektion vor allem spätgotischer Holzskulptur, die sich heute im Bayerischen Nationalmuseum, München, befindet. Beginnt man den Rundgang durch mehrere Säle, steht man zunächst jedoch einem Porzellan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gegenüber – eine exquisiten Kleingruppe aus Lehrer und Schüler, wobei Letzterer den Erstgenannten ehrerbietig grüßt. Solch demutsvolle Gesten sind heute nicht mehr üblich. Dennoch lohnt ein zweiter Blick, der sich auch transkulturell justieren lässt: Modelleur Franz Anton Bustelli zählt zu den Besten seiner Zunft. Die ausführende Porzellanmanufaktur Nymphenburg produziert ebenfalls auf höchstem Niveau. Motivisch und thematisch zeugt die Gruppe von der Chinabegeisterung des Rokoko, im Zuge derer man das Land als Sehnsuchtsort imaginierte. Chinabezüge finden sich zudem im Material, weil es über lange Zeit und für enorme Summen importiert werden musste, bevor man selbst in der Lage war, das sogenannte „weiße Gold“ herzustellen. Fabulieren ließe sich vor diesem Hintergrund, dass die Verbeugung vielleicht gar nicht einer lehrenden Einzelperson, sondern ganz China als Lehrermeister gelte. Denn dort beherrschte man die Porzellanproduktion schon seit tausend Jahren.
Foto: Bayerisches Nationalmuseum CC BY-NC-ND 4.0