Ausstellung erinnert an die NS- „Euthanasie“-Morde in Salzburg
Inklusives Kooperationsprojekt von Pädagogischer Hochschule Salzburg, Salzburg Museum, HLWM Annahof und der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg.
Unter dem Titel „Die Würde des Menschen ist antastbar? NS- „Euthanasie“ in Salzburg“ widmet sich eine neue Ausstellung in den Räumen der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg einem der dunkelsten Kapitel der Salzburger und Österreichischen Geschichte.
Von 1. bis 30. Juni werden die Morde an Menschen mit Beeinträchtigungen und Krankheiten in Salzburg aufgezeigt und die Schicksale der Opfer und die Verantwortung der Täter*innen dokumentiert. Auch Formen des Widerstands gegen die NS-Verbrechen sowie neue Ansätze der Erinnerung werden kritisch beleuchtet. Die Eröffnung fand am Montag, 1. Juni 2026 in der Theologischen Fakultät der Universität Salzburg statt.
Die Ausstellung entstand als gemeinsames Projekt von Student*innen der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Schüler*innen der HLWM Annahof Salzburg sowie Expert*innen des Salzburg Museums und Studierenden der Universität Salzburg. Sie verbindet historische Forschung, Erinnerungsarbeit und inklusive Vermittlung und stellt somit einen neuen innovativen Ansatz derartiger Vermittlungsangebote dar.
Über 500 Opfer aus Salzburg
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurden auch in Salzburg die sogenannten „erbgesundheitlichen“ Maßnahmen des NS-Regimes in der österreichischen Gesellschaft umgesetzt. Menschen mit Beeinträchtigungen unterschiedlichster Art, psychischen Erkrankungen oder anderen Beeinträchtigungen wurden gedemütigt, entrechtet, zwangssterilisiert und schließlich ermordet. Allein aus Stadt und Land Salzburg wurden mindestens 500 Menschen im Rahmen der NS- „Euthanasie“-Verbrechen getötet. Viele wurden aus Pflegeanstalten und Krankenhäusern deportiert und in Tötungsanstalten wie Schloss Hartheim ermordet. Andere starben durch gezielte Unterversorgung oder systematische Vernachlässigung.
Die Ausstellung macht deutlich, dass hinter jeder Zahl, hinter jedem Opfer individuelle Lebensgeschichten stehen: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Namen, Familien, Hoffnungen und Zukunftsplänen, die als „lebensunwert“ diffamiert und vernichtet wurden.
Täter*innen waren oft Menschen von nebenan
Die Ausstellung widmet sich auch den Täter*innen und ihren Handlungsspielräumen. Dabei wird sichtbar, dass die Verbrechen nicht allein von den Spitzen des NS-Regimes organisiert wurden. Vielmehr waren Ärzt*innen, Pflegepersonal, Verwaltungsbeamt*innen und andere Bedienstete an Auswahl, Registrierung, Deportation, Ermordung und Vertuschung der Opfer beteiligt. Gezeigt wird exemplarisch, wie die Vernichtungsmaschinerie nur durch das Mitwirken zahlreicher Einzelner funktionieren konnte.
Gleichzeitig thematisiert das Projekt die erschreckende Tatsache, dass nach 1945 nur wenige Verantwortliche juristisch belangt wurden. Viele Verfahren verliefen im Sand, zahlreiche Täter*innen entzogen sich einer Bestrafung oder wurden nie angeklagt.
Mutige Beispiele des Widerstands
Neben den Verbrechen richtet die Ausstellung den Blick auch auf Menschen, die sich dem NS-Regime widersetzten. So zum Beispiel die Ordensschwester Anna Bertha Königsegg, die in der Pflegeanstalt Schloss Schernberg versuchte, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Krankheiten vor der Deportation zu schützen. Trotz persönlicher Gefährdung und mehrfacher Verhaftung durch die Gestapo setzte sie sich gegen die Verschleppung von Schutzbefohlenen ein.
Darüber hinaus werden weitere Formen zivilen Ungehorsams dokumentiert – von Hebammen, die Neugeborene mit Beeinträchtigungen nicht meldeten, bis zu Personen, die trotz Verbots über die Morde sprachen und Familien über das Schicksal ihrer Angehörigen informierten.
Erinnerung als Auftrag für die Gegenwart
Im Titel „Die Würde des Menschen ist antastbar? NS- „Euthanasie“ in Salzburg“, wird bewusst die Frage aufgegriffen, ob die Würde des Menschen tatsächlich unantastbar ist. Ausgangspunkt ist Artikel 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde festschreibt. Die Ausstellung zeigt jedoch, dass Menschenwürde historisch verletzt, missachtet und systematisch zerstört werden konnte – und mahnt dazu, wachsam gegenüber jeder Form der Ausgrenzung und Abwertung menschlichen Lebens zu bleiben.
Die Verantwortlichen sehen das Projekt nicht nur als historischen Rückblick, sondern auch als Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Inklusion, Menschenrechte und den Wert menschlichen Lebens.
Inklusive Erinnerungsarbeit
Bemerkenswert ist der inklusive Ansatz: Menschen mit Beeinträchtigungen waren an der Entwicklung der Ausstellung beteiligt. Ergänzend wurden eine Broschüre und ein Audioguide in einfacher Sprache erstellt, um möglichst vielen Besucher*innen einen selbstbestimmten Zugang zu den Inhalten zu ermöglichen. Die Ausstellung versteht sich damit als Beispiel zeitgemäßer, partizipativer Erinnerungskultur.
Alle Infos auf einen Blick:
Ausstellung: „Die Würde des Menschen ist antastbar? NS- „Euthanasie“ in Salzburg“
Ort: Theologische Fakultät der Universität Salzburg, Universitätsplatz 1, 1. Stock
Dauer: 1. bis 30. Juni 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt frei
KONTAKT:
Prof. Roland Cerny-Werner| Universität Salzburg I Katholisch-Theologische Fakultät
Adresse: Universitätsplatz 1 I 5020 Salzburg I Austria
Tel: +43 662 8044-2914
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