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Veröffentlicht am
März 18, 2026
Letzte Aktualisierung: März 18, 2026

Begegnung mit Jürgen Habermas: Martin Dürnberger erinnert an Austausch zwischen Philosophie und Theologie

Salzburg / Starnberg, März 2026 – Im Rückblick auf den Tod des Philosophen Jürgen Habermas hebt der Salzburger Theologe Martin Dürnberger eine persönliche Begegnung aus dem Jahr 2019 hervor. Damals traf Dürnberger, Fakultätsmitglied der Universität Salzburg, den Denker zu einem intensiven Gespräch über dessen Spätwerk „Auch eine Geschichte der Philosophie“.

Das Treffen fand im privaten Rahmen in Habermas’ Haus in Starnberg statt und entwickelte sich zu einem mehrstündigen Austausch über das Verhältnis von Glauben und Wissen. Habermas erläuterte dabei seine Rekonstruktion der abendländischen Geistesgeschichte als einen Prozess, in dem sich die säkulare Vernunft schrittweise aus religiösen Traditionen herausgebildet habe. Zugleich betonte er, dass religiöse Gehalte weiterhin ein bislang nicht ausgeschöpftes Bedeutungspotenzial für die Gegenwart besitzen.

Dürnberger erinnert sich an einen hochkonzentrierten, zugleich selbstkritischen Gesprächspartner. Habermas habe offen über Schwächen seines Werkes gesprochen und die prägende Wirkung religiöser Texte auf sein Denken eingeräumt – ohne sich selbst als religiös zu verstehen. In Anlehnung an Max Weber bezeichnete er sich weiterhin als „religiös unmusikalisch“ und wandte sich gegen jede theologische Vereinnahmung.

Aus theologischer Perspektive sieht Dürnberger in Habermas’ Ansatz ein ambivalentes Erbe. Der Philosoph habe von der Theologie „viel erwartet, vielleicht sogar zu viel“, indem er ihr zutraute, gesellschaftlich relevante Inhalte bereitzustellen, die sich zugleich in säkulare Diskurse übersetzen lassen. Diese Erwartung bleibe eine Herausforderung für die Theologie bis heute.

Die Begegnung steht exemplarisch für den Dialog zwischen Philosophie und Theologie, den Habermas bis ins hohe Alter suchte – geprägt von gegenseitigem Interesse, aber auch bleibenden Differenzen. Mit seinem Tod verliert dieser Dialog eine seiner prägenden Stimmen.

© Kathpress / Henning Klingen

Eva Hartl

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