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Veröffentlicht am
April 27, 2026
Letzte Aktualisierung: April 27, 2026

Bronzezeitlicher Goldschmuck entdeckt: Universität Salzburg forscht in Ägina Kolonna

Bei Ausgrabungen am Kap Kolonna auf der griechischen Insel Ägina wurden außergewöhnliche Goldfunde entdeckt, die zu einem hochwertigen Schmuckensemble der mittleren Bronzezeit gehören.

Ein Forscherteam der Universität Salzburg entdeckte bei Grabungen im Herbst 2025 in Ägina Kolonna, Griechenland, die Reste eines außergewöhnlich gut erhaltenen Goldschmucks der mittleren Bronzezeit (erste Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.). Er stammt aus der Auffüllung einer Steinstruktur der bronzezeitlichen Siedlung in unmittelbarer Nähe zu den Befestigungsmauern und besteht aus scheibenförmigen, goldenen Anhängern, bikonischen und zylindrischen Goldperlen, Fragmenten Punkt-verzierter Goldfolie sowie aus Karneolperlen. Sie gehören zu unterschiedlichen Schmuckstücken und Applikationen. Ferner wurden zwölf Bronzefragmente gefunden, die vermutlich Teile von Waffen und einer Nadel sind.

Fundzusammenhang und Interpretation

„Die Artefakte wurden verstreut in der genannten Steinstruktur vorgefunden. Ursprünglich stammen sie wohl aus einem Grab, das noch nicht lokalisiert werden konnte und das zu einem unbekannten Zeitpunkt, bereits in der Antike oder in der Moderne, gestört worden war“, so Projektleiter Alexander Sokolicek von der Universität Salzburg.

Teile der Goldstücke weisen Ähnlichkeiten mit Objekten des sogenannten Ägina-Schatzes auf, einer Sammlung hervorragender, bronzezeitlicher Schmuckstücke, die seit 1892 im Besitz des Britischen Museums sind. Der Fundort des Ägina-Schatzes konnte bislang nicht eindeutig identifiziert werden.

Die neuen Funde geben wichtige Hinweise auf Werkstatttraditionen und die kulturellen Kontaktzonen innerhalb der Ägäis und sollen unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Methoden auf Herkunft, Herstellungstechniken und Bedeutung untersucht werden.

Bronzeschmuck

Siedlung und Heiligtum von Kolonna

Ägina Kolonna liegt strategisch günstig im Nordwesten der Insel inmitten des Saronischen Golfes und verfügt über geschützte Buchten, welche die Schifffahrt begünstigten.

Der Platz war seit dem Neolithikum (ca. 4. Jahrtausend v. Chr.) bis in die Zeit um 1000 n. Chr. durchgehend besiedelt; Seefahrt und Handel bildeten einen wesentlichen Nährboden für seine Prosperität. Einen ersten Höhepunkt erlebten die Bewohner*innen in der Bronzezeit, als sich Kolonna zu einem überregional agierenden Ort mit einer weit vernetzten lokalen Elite entwickelte. Auch in historischer Zeit war Ägina ein Wirtschaftszentrum, das als Widersacher Athens in die Geschichte einging. Ein Heiligtum mit einem dorischen Tempel aus dem späten 6. Jh. v. Chr., möglicherweise dem Apollon geweiht, wurde auf den Resten der bronzezeitlichen Siedlung errichtet. Die einzige erhaltene Säule des Tempels ist heute Wahrzeichen Äginas und war auch namengebend für die Bezeichnung der Stätte als „Kolonna“. In byzantinischer Zeit siedelten sich neue Bewohner*innen im antiken Heiligtum an, und die Stätte entwickelte sich abermals zu einem Ort regionaler und überregionaler Bedeutung.

Forschungsprojekt und Bedeutung

Die aktuellen Funde stammen aus den Lehr- und Forschungsgrabungen der Universität Salzburg unter der Leitung von Alexander Sokolicek und Lydia Berger, Fachbereich Altertumswissenschaften, und unter der Ägide der Ephorie für Altertümer von Piräus und den Inseln. Für Sokolicek unterstreicht die Entdeckung des Schmuckes das Forschungspotenzial der Grabung, die seit 1967 jährlich von der Universität Salzburg durchgeführt wird. „Dieser Fund wird neue Erkenntnisse zur Stellung Äginas und seinen Netzwerken in der Bronzezeit liefern“, so der Grabungsleiter.

Link zur Pressemitteilung des griechischen Kultusministeriums:  Πολύτιμα ευρήματα στην Κολώνα Αίγινας


KONTAKT:

Univ.-Prof. Mag. Dr. Alexander Sokolicek | Altertumswissenschaften

Adresse: Residenzplatz 1/I | 5020 Salzburg | Austria
Tel.: +43 662 8044-4551

Goldfund und Insel Ägina

Mag.a Susanna Graggaber

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Universität Salzburg | Kommunikation und Fundraising

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Tel: +43 662 8044-2027

E-Mail an Mag.a Susanna Graggaber

Foto: © Goldfund und Insel Ägina; Fachbereich Altertumswissenschaften Universität Salzburg